Aus dem Archiv ins Künstlerhaus

Mit der Eröff-nung der Ausstellung „Bernd Dürr – Eine Erinnerung“ am 6. März leistet das Stadtarchiv Marktoberdorf unter der Leitung von Ursula Thamm einen ungewöhnlichen Beitrag zum bundesweiten Tag der Archive 2010. Das diesjährige Motto „Dem Verborgenen auf der Spur“ rückt die Erinnerung an den in der internationalen Kunstwelt bekannten Bildhauer in das Bewusstsein der Menschen aus seiner Heimatstadt. Das Projekt entstand in gemeinsamer Arbeit von Stadtarchiv und Künstlerhaus unter neuer Leitung von Maja Heckelmann und Brigitte Riskowski.

„Die Tätigkeit in einem Archiv gleicht archäologischer Gra-bungsarbeit“, sagte Ursula Thamm anlässlich der Preview zur Ausstellung im Künstler-haus. Wie so aus einem in Vergessenheit geratenen Ordner des Stadtarchivs eine Hommage an einen in der Fachwelt anerkannten Künstler werden kann, macht dem Besucher die Ausstellung auf eine im wahrsten Sinne plastische Art und Weise deutlich. Die Sammlung im Künstlerhaus wird bis zum 15. April zu sehen sein und verfolgt die Ziele, die Erinnerung an den Bildhauer und sein Werk wach zu halten und sein Schaffen den Bürgern von Marktoberdorf nahe zu bringen. Bernd Dürr wurde 1953 in Marktoberdorf geboren und beendete hier 1972 seine Schulzeit, bevor er als Meisterschüler des bekannten dänischen Bildhauers Professor Robert Jacobsen an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte. Seine heutige internationale Reputation erlangte er 1999 mit der Berufung an die Europäische Akademie der Wissenschaften in Salzburg als ordentliches Mitglied. Viel zu früh starb der Künstler im April 2000 mit nur 46 Jahren. Er hinterlässt ein in der Kunstwelt viel beachtetes Erbe, das im Entstehungsgang seiner Kunstwerke von der Eigenwilligkeit des Bildhauers zeugt. Stahlplatten wachsen Per Definition weder Skulptur, noch Plastik fand Bernd Dürr einen eigenen Weg der räumlichen Darstellung von Körpern. Er schaffte es, flächigen Darstellung, wie wir sie in Gemälden und Zeichnungen vorfinden, in die 3. Dimension vordringen zu lassen. Eisenbleche oder Stahlplatten wachsen durch schneiden, falten und biegen zu ausdrucksstarken Körpern auf. Bereits beim Betrachten der Ausstellungsräume im Künst-lerhaus wird dies deutlich. Begrüßt wird der Besucher hier durch eine anstürmende Hundemeute, die gerade so erscheint, als sei sie soeben erst aus dem Boden heraus gewachsen. Skizze: Kreativer Kern Das Interessante an den bildhauerischen Werken von Dürr ist die Methode seiner schöpferischen Tätigkeit. Kreativer Kern seiner Arbeit ist dabei die Skizze, die geometrische Konstruktion, die auf einen Schnittbogen im Maßstab 1:1 übertragen wird. Hier finden sich in Schneid- und Biegelinien die wichtigsten Handlungsanweisungen für die nachfolgende bildnerische Tätigkeit. An dieser Stelle erschließt sich die großartige Vorstellungskraft, die aus der Ebene räumliche Kunstwerke wie zum Beispiel „Die Erinnerung“ entstehen lassen. Inhaltlich widmet sich deshalb die Ausstellung nicht nur dem vollendeten Werk Bernd Dürrs, sondern auch seinem Entstehungsgang.

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