Kein Interesse am Tier?

Johanna sucht noch ihr Glück

+
Johanna, die schöne dreifarbige Glückskatze, sucht nach einer abenteuerlichen Reise ihren Besitzer.

Marktoberdorf – Eine Katze liegt reglos auf der Fahrbahn zwischen Ruderatshofen und Apfeltrang. Autos überrollen das Tier, glücklicherweise ohne es zu berühren. Die Katze hebt kaum den Kopf ob der Gefahr. Endlich hält ein Auto an. Es ist Brigitte Zellner, die mit ihrem Mann in Richtung Apfeltrang unterwegs ist. Sie nehmen die Katze, die traumatisiert aber scheinbar ohne äußere Verletzungen daliegt, mit und fahren zum Tierheim in Marktoberdorf. Dort, so sagt ihnen auch die Polizei, sei man zuständig. Was ihnen allerdings am Tierheimtor widerfährt, empört Brigitte Zellner noch Tage später.

Mit der immer panischer werdenden Katze auf dem Schoß muss sie mitansehen, wie ihr Mann mit der Tierheimleiterin diskutiert, schließlich aber abgewiesen und an die diensthabende Tierklinik verwiesen. „Warum wird ein verletzt aufgefundenes Tier vom Tierheim abgewiesen?“, fragt sie später in einem Schreiben das Veterinäramt und den Markt­oberdorfer Bürgermeister. „Warum zeigt das Tierheim nicht ein Mindestmaß an Interesse an der Katze?“, heißt es darin weiter. Und „warum erfolgt keinerlei Unterstützung durch das Personal? Warum haben wir nicht einmal eine Transportbox zur Verfügung gestellt bekommen?“, so Brigitte Zellner, die auf der Weiterfahrt in die Tierklinik am Schillenberg mehrfach von der panisch gewordenen Katze gebissen und gekratzt wurde.

Das Tierheim bedauert es inzwischen, Familie Zellner beim Weitertransport nicht unterstützt zu haben. Tierheimleiterin Daniela Vollner erinnert sich gut an das Gespräch, das am frühen Abend des ersten Adventssonntags stattfand: „Mir wurde von einer verletzten, mehrfach von Autos überrollten Katze berichtet“, resümiert sie. „Ich hielt es daher für das Beste, dass die Katze sofort einem Tierarzt zugeführt wird.“ Sie unterrichtet den Fahrer auch über den Bereitschaftsdienst der Tierklinik und will ihm den Weg erklären. Er kenne sich aus, so die Antwort.

Dass sie die Finder der verletzten Katze nicht hereingebeten habe, sei daran gelegen, dass eine fachgerechte Notfallversorgung vom Tierheimpersonal nicht geleistet werden kann. „Ich hätte für eine schwer verletzte Katze gar nichts machen können“, so Vollner. „Ich befürchtete, sie würde mir über Nacht im Tierheim sterben.“ Weil sie unnötige Wartezeiten oder ein Umbetten des Tieres hatte vermeiden wollen, habe sie darauf gedrängt, die Katze zu einem Tierarzt zu fahren. Dass dies so abweisend herüberkam, tue ihr im Nachhinein leid. Auch Heinz Krämer, der Vorsitzende des Tierschutzvereins, bemühte sich um Klärung. Er habe bereits versucht, mit dem Finder des Tieres Kontakt aufzunehmen.

Während Heinz Krämer erklärt, was im Fall eines aufgefundenen, verletzten Tieres zu tun ist (siehe Kasten), blickt er auf die dreifarbige Katze Johanna, die sich in der Aufnahmestation des Tierheims scheu auf ihren Aussichtsplatz verkriecht. Johanna ist die Katze, der die ganze Aufregung zu verdanken ist. Sie ist bereits nach zwei Tagen aus der Tierklinik entlassen worden und als Fundtier ins Tierheim Marktoberdorf gelangt: gänzlich unverletzt, ungezieferfrei und mit glänzendem, gepflegten Fell. „Eher ungewöhnlich für eine streunende Katze“, wie Krämer erklärt. Ihr Verhalten ist jedoch das einer echten Wildkatze: scheu und vorsichtig. „Johanna isst nur nachts, wenn sie wirklich weiß, dass keiner sie stört“, ergänzt Daniela Vollner. 

Was Johanna erlebt hat, woher sie stammt und wie sie auf die Kreisstraße gelangte, ist nach wie vor ein Rätsel. „Wir hoffen immer noch, dass sich ein Besitzer für Johanna meldet“, sagt die Tierheimleiterin. Dann würde die Geschichte doch noch gut für die Samtpfote ausgehen. Nicht umsonst sagt man den dreifarbigen ja nach, Glückskatzen zu sein.

von Angelika Hirschberg


Wird ein verletztes Tier aufgefunden, ist jeder verpflichtet, Hilfe zu leisten. Wenn möglich, soll dieses Tier umgehend zu einem Tierarzt gebracht werden. In Marktoberdorf bietet zum Beispiel die Tierklinik „Am Schillenberg“ einen 24-Stunden-Notfalldienst an. Doch nicht immer kann ein verletztes Tier vom Finder selbst eingefangen oder transportiert werden, das ist zum Beispiel bei einem durchgegangenen Pferd oder einem bissigen (da verletzten) Hund der Fall. Dann muss die Polizei benachrichtigt werden, die sich um das weitere Vorgehen kümmert. Verunfallte Tiere haben zunächst im Tierheim nichts verloren, sie müssen zum Arzt, damit eine fachgerechte Notfallversorgung sicher gestellt werden kann.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Video
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Einschränkung für Bahnfahrer
Einschränkung für Bahnfahrer
Heimat für begrenzte Zeit
Heimat für begrenzte Zeit

Kommentare