Kurfürstliche Allee soll vom landwirtschaftlichen Verkehr entlastet werden

Asphaltschicht an Allee in Marktoberdorf abtragen

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Markantes Naturdenkmal: die Kurfürstenallee im Südosten von Marktoberdorf.

Marktoberdorf – Die Kurfürstliche Allee in Marktoberdorf, die vom Schloss knapp zwei Kilometer weit zu einem markanten Aussichtspunkt führt, soll vom landwirtschaftlichen Verkehr entlastet werden. Auch soll die Asphaltschicht zwischen den zwei Baumreihen abgetragen werden. Das sind zwei wesentliche Bausteine im Parkpflegewerk, das Landschaftsarchitektin Gudrun Dietz-Hofmann (Irsee) den Stadträten vorgestellt hatte.

Weitere Maßnahmen, die das Parkpflegewerk vorsieht, sind die regelmäßige Baumpflege, das Nachpflanzen und Roden sowie der Schutz von Lebensräumen – zum Beispiel für Insekten, mehrere Fledermausarten und die 48 Käferarten, die dort heimisch sind. Ein Anliegen ist zudem, den Beginn der Allee wieder besser mit dem Schloss zu verknüpfen. Dies listete die Landschaftsarchitektin im Maßnahmenkatalog zum Parkpflegekonzept auf, das von den Stadträten zur Kenntnis genommen wurde. Der Beschluss bedeutet zugleich, dass Maßnahmen künftig Schritt für Schritt abgearbeitet werden.

Die „barocke Spielerei eines Kurfürsten“ (Zitat von Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell) sei ein bedeutendes Baudenkmal. Der Rathaus­chef bezeichnete die Kurfürstliche Allee als „Naturschatz und Sorgenkind“, wo es manchmal Konflikte gebe, wenn er an die Spaziergänger und an landwirtschaftliche Fahrzeuge denke. Die Bauern müssten bei dem Thema freilich mit ins Boot genommen werden, fügte Dr. Hell hinzu.

Nur 5,50 Meter Abstand

Gudrun Dietz-Hofmann – sie ist Landschaftsarchitektin und Kunsthistorikerin – rief in Erinnerung, dass die Allee zwischen 1774 und 1780 entstand. Die Idee des Kurfürsten, die dahinter steckte, war damals, die Stadt mit der Landschaft zu verbinden. Es wurde eine zweireihige Lindenallee angelegt. Der Abstand sei mit 5,50 Metern von Stamm zu Stamm vergleichsweise eng. Aber das mache auch den Reiz dieser Allee aus, in der manche Bäume gar bis zu fünf Meter Stammumfang haben.

Ein Großteil der Linden ist laut Dietz-Hofmann in einem ordentlichen Zustand. Mit entsprechender Baumpflege könne viel vom Bestand erhalten werden; insbesondere dann, wenn es zu einer Entlastung vom landwirtschaftlichen Verkehr kommt. Nur drei Bäume seien so marode, dass sie gefällt werden müssten. In der Lindenallee seien noch „erstaunlich viele Altbäume aus der Entsteh­ungszeit“, ergänzte die Expertin zu dem Naturdenkmal (seit dem Jahr 1939).

Der landwirtschaftliche Verkehr mit den großen Traktoren und schweren Anhängern sollte aus der Allee herausgenommen werden. Stattdessen sollte ein Entlastungsweg von Nordosten nach Südosten ausgebaut werden, der die Allee nur an einem (bislang schon bestehenden) Knotenpunkt kreuzt, erklärte die Landschaftsarchitektin. Dabei seien insgesamt 13 Varianten untersucht worden. Zudem könne links und rechts der Allee ein zehn Meter breites Band zur extensiven Bewirtschaftung angelegt werden, das für Flora und Fauna (Insekten, Fledermäuse etc.), aber auch für Spaziergänger und Touristen eine wertvolle Bereicherung sei. Das ganze Parkpflegewerk sei „ein Programm für den Erhalt“, schloss Gudrun Dietz-Hofmann ihren Vortrag.

Ohne Konfrontation

Ralf Baur, der Leiter des städtischen Bauamts, machte den Stadträten deutlich, dass man die Maßnahmen „Schritt für Schritt“ umsetzen werde. Wichtig sei es, „da alle unter einen Hut zu bekommen“ und keine Konfrontation aufzubauen.

Zweiter Bürgermeister Wolfgang Hannig gab zu bedenken, dass neue Wege für landwirtschaftlichen Verkehr über fremden Grund führen, der nicht in städtischer Hand sei. „Das wird noch eine Zeitlang dauern“, fügte er hinzu. Stadtrat Werner Moll meinte, die Maßnahmen seien ein „Eingriff in Gewohnheitsrecht“. Er wünschte sich „Einsicht auf allen Seiten“.

Eugen Kögel (CSU) wertete die Vorschläge im Parkpflegewerk als „gute Basis“, an der man arbeiten könne. „Das hat die Allee verdient“, schob Kögel hinterher. Christian Vávra (Grüne) sprach sich dafür aus, „möglichst zeitnah“ in die Umsetzung einzusteigen. Die Linden hätten noch eine lange Lebensdauer vor sich. 240 Jahre seien bei diesen Bäumen noch kein hohes Alter.

jj

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