Helfen im Ausnahmezustand

Assistenzdienst der Lebenshilfe unterstützt auch in Corona- Zeiten Menschen mit Behinderung

Assistenzdienst ADI Lebenshilfe
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Im Gespräch mit Claudia Lembgen (v. li.) von der Lebenshilfe Ostallgäu, dem ehrenamtlichen Betreuer Dieter Brachmann, ADI-Nutzer Helmut Bareth und Leiter der Offenen Hilfen, Ben Lutz: Der ADI ist auch in Krisenzeiten für Menschen mit Behinderung da.

Kaufbeuren – Seit über zehn Jahren gibt es den Assistenzdienst ADI der Lebenshilfe Ostallgäu. Unter dem Leitspruch „ADI geht mit“ wurde der Assistenzdienst mit dem Ziel gegründet, Menschen mit einer Behinderung im Alltag zur Seite zu stehen und bei alltäglichen Aktivitäten zu begleiten. Sowohl die Helfer als auch die ADI-Nutzer stellt die aktuelle Ausnahmesituation vor eine besondere Herausforderung.

Normalerweise holt der ehrenamtliche Betreuer Dieter Brachmann den ADI-Nutzer Helmut Bareth regelmäßig im Wohnheim der Lebenshilfe ab, um mit ihm zum Schwimmen ins Hallen- oder Freibad zu gehen. Momentan ist das nicht möglich. „Das geht mir ab und nimmt mich mit“, sagt Bareth, der in den Wertachtal-Werkstätten arbeitet. Auch sein Freund und Kollege fehlt ihm, denn die Umsetzung des Hygiene-Konzepts in den Werkstätten macht getrennte Gruppen erforderlich. Die coronabedingten fehlenden sozialen Kontakte sind eine emotionale Belastungsprobe. Umso froher ist er darum, dass ihm Dieter Brachmann in dieser schwierigen Zeit zur Seite steht. Sie machen gemeinsam kleine Unternehmungen, reden, oder Brachmann lädt Bareth zu sich nach Hause zum Mittagessen ein. Der Rentner ist auf der Suche nach einer neuen Aufgabe auf den ADI gestoßen und hat sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei der Lebenshilfe entschieden. „Es ist schön, anderen Menschen zu helfen, das gibt einem einfach ein gutes Gefühl, eine Bestätigung – ich kann es nur weiterempfehlen“, so Brachmanns Erfahrung.

Helfen unter erschwerten Bedingungen

Dass die Helfer einiges an Kreativität und Flexibilität beweisen, kann auch Claudia Lembgen als hauptamtliche Mitarbeiterin bei der Lebenshilfe bestätigen. Sie begleitet die Klienten und Ehrenamtlichen, führt sie zusammen und kümmert sich um die Akquise. Mal zum Kaffee trinken oder shoppen gehen, ein Konzert besuchen – das alles sei momentan nicht drin, bedauert Lembgen. Manchen Mitarbeitern, wie Brachmann, machen die Umstände nicht viel aus, anderen mache die Situation zu schaffen. Viele der betreuten Personen gehören zur Risikogruppe. Umso wichtiger sei es, „dass uns die schnelle und sichere Umsetzung der Maßnahmen gelungen ist“, sagt Ben Lutz, Leiter der Offenen Hilfen. Die Helfer werden komplett mit Hygieneartikeln ausgestattet. Sie „tragen die Maßnahmen mit, machen das Beste aus der Situation“, aber „anders wäre schöner“, so Lembgen.

Vielfältige Hilfsangebote

Zurzeit trauen sich laut Lembgen wieder vermehrt Leute, den ADI zu buchen. Das läge vielleicht daran, dass der Frühling naht und damit die Hoffnung, dass es endlich besser wird, der verstärkte Wunsch, wieder nach draußen zu gehen, vermutet Lembgen. „Der persönliche Wunsch und die individuellen Bedürfnisse unserer Klienten stehen dabei im Zentrum unserer Arbeit“, bekräftigt die Mitarbeiterin. Zu den Hilfsangeboten der Lebenshilfe zählt unter anderem auch der Familienentlastende Dienst. Der FED bietet all jenen, die Angehörige betreuen, Entlastung, um neue Kraft zu tanken. Die Beratungsstelle hilft bei Problemen aller Art und der Freizeitclub bietet begleitete Freizeitaktivitäten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

Ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht

Rund 120 Ehrenamtliche engagieren sich für den ADI. Und es werden immer motivierte Helfer gesucht, die Teil des Teams werden möchten. Ehrenamtliche Mitarbeiter erhalten eine Aufwandsentschädigung, werden fortlaufend geschult und haben die Freiheit, von Anfang an zu entscheiden, wann und in welchem Bereich sie tätig sein wollen. „Es gibt ein tolles Miteinander von allen Seiten“, bestätigt Lutz. Interessierte können sich unter adi@lebenshilfe-oal.de melden.

von Mahi Kola

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