Rund 250 Schüler haben an den begleitenden Workshops der Ausstellung teilgenommen

Von Ängsten und dem Mut

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Wie diese Viertklässler der St. Martin Schule besuchten rund 250 Schüler die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“. Flüchtlinge aus Syrien erzählten von ihrer Flucht und ihrer Ankunft in Markt­oberdorf.

Marktoberdorf – Nein, vor Flüchtlingen habe sie keine Angst, sagt die Zehnjährige und grinst. Nur die Geschichten, die sie erzählen, seien manchmal gruselig. Angst ist in der Tat unangebracht, schaut man den fünf „waschechten“ Flüchtlingen ins Gesicht, die die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ im Rathaussaal mit ihren Worten, Fotos und kleinen Videos begleiten.

Organisiert und betreut wurde die Ausstellung, die bis zum vergangenen Sonntag zu sehen und zu erleben war, vom gemeinnützigen Verein inifo e.V. und der Projektkoordinatorin Annemarie Reitberger. „Wir wollen in anschaulicher Weise darstellen, warum so viele Menschen auf der Flucht sind“, sagt Reitberger. „Und Begegnungen schaffen, die ein gegenseitiges Kennenlernen und Verständnis fördern.“ 

Um die jungen Männer aus Syrien scharen sich in kleinen Gruppen die Grundschüler. Sie hören zu und stellen Fragen: „Wie, euer Handy ist gar nicht umsonst?“ sagen sie beispielsweise und räumen mit diesem und anderen Vorurteilen auf. Sie finden Antworten auf die Frage, was sie selbst für Integration tun können. „Miteinander spielen!“ ist an einer großen Tafel zu lesen. „Den Flüchtlingen Deutsch beibringen“ oder „sie zum Essen einladen“. 

An mehreren Stationen erfahren die Viertklässler, welche Ursachen Menschen zur Flucht zwingen, wie es sich anfühlt, auf einem vollen Boot im endlosen Meer zu treiben und mit welchen Schwierigkeiten und Sorgen die Flüchtlinge in Marktoberdorf kämpfen. Da ist die Angst um die Familie, die etwa noch in Syrien oder in türkischen Auffanglagern lebt. Oder die Sorge um die eigene Zukunft, wenn Pässe fehlen, die bürokratischen Hürden hoch sind und die Sprache so fremd ist. 

„Manchmal möchten wir einfach nur vergessen, uns ablenken, Freunde kennenlernen“, sagt Mohamad Alkurdi, der in wenigen Wochen mit fortgeschrittenen Deutschkursen beginnt, die ihn dann auch für ein Studium in Deutschland berechtigen. Wie Mohamad erzählen auch Maher Tuma, Dijwar Mousa, Yazan Alabed und Mohammad Alsalah von ihrer Flucht, aber auch von ihrem Leben und ihrer Familie. 

Die sind ja nett! 

„Das Feedback ist toll“, zieht Annemarie Reitberger Bilanz nach wenigen Ausstellungstagen. „Wir sind überrascht, wie interessiert sich die Kinder der Themen und Menschen annehmen, wie sie sich mitnehmen lassen und grundlegend erkennen: die Flüchtlinge sind ja nett.“ 

Nicht nur die Viertklässler der St. Martin Schule, insgesamt zwölf Schulklassen und damit rund 250 Schüler haben an den begleitenden Workshops der Ausstellung teilgenommen. Annemarie Reitberger hofft auch, die Schulen in ihrer Integrationsarbeit unterstützt zu haben. Immerhin haben viele Kinder und Jugendliche neue Mitschüler aus Syrien und anderen Krisenländern bekommen. 

„Die Nachfrage der Schulen nach den eineinhalbstündigen Workshops war sehr groß, alle Termine schnell ausgebucht“, resümiert die Projektleiterin. Und in den Schulen seien die Gespräche auch danach weitergegangen, berichtet sie von Gesprächen mit Schulleitern. „Das ist gut, wir haben die Kinder berührt.“ Auch Maher, Dijwar und Mohamad haben Mut gefasst, denn auch sie „wollen nur in Frieden miteinander leben,“ wie Maher Tuma es ausdrückt.

von Angelika Hirschberg

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