Asyl: Viele Projekte für Integration im Ostallgäu angestoßen

Wie ist gut ankommen...?

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Sie haben auch dieses Projekt erfolgreich auf den Weg gebracht: die Ehrenamtskoordinatorin Isabel Costian (re.) und Integrationslotsin Christina Panje (2. v. re.) mit zwölf offiziell zertifizierten Laiendolmetschern des Landkreises sowie Landrätin Zinnecker (3. v. li.).

Ostallgäu – Sie trägt einen neuen Titel, ihre Aufgaben haben sich indes nicht verändert: Christina Panje unterstützt bereits seit September 2015 gemeinsam mit der Ehrenamtskoordinatorin Asyl Isabel Costian die Akteure der Flüchtlingsarbeit.

Seit gut zwei Jahren also fungieren beide als zentrale Ansprechpartnerinnen im Landkreis für alle Helfer, Initiativen, Bürger und Behörden. Als das bayerische Sozialministerium Anfang April 2017 ein Modellprojekt mit dem Titel „Hauptamtliche Integrationslotsinnen und Integrationslotsen“ ausschrieb, hatte sich auch der Landkreis um Zuwendungen beworben und wurde als eine von 27 Modell-Kommunen ausgewählt. Christina Panje ist daher seit Juli 2017 als hauptamtliche Integrationslotsin des Ostallgäus tätig. Ihre Stelle wurde zunächst mit rund 20.000 Euro vom Freistaat bezuschusst, der Fortsetzungsantrag für 2018 läuft.

Die zwei Damen des bereits hervorragend eingespielten Teams Ehrenamt Asyl stellten sich und ihre Arbeit in der letzten Sitzung des Kreistags erneut den Kreisräten vor – Ehrenamtskoordinatorin Costian und Integrationslotsin Panje präsentierten dem Gremium die neu angelaufenen Projekte für ehrenamtliche Helfer und anerkannte Flüchtlingen.

Mieterqualifizierung: „Fit für die eigene Wohnung“ heißt das Motto, unter dem ein Seminar zur Mieterqualifizierung bleibeberechtigte Flüchtlinge auf den freien Wohnungsmarkt vorbereiten soll. In dem erfolgreich in Füssen angelaufenen Seminar werden Regeln und Vorschriften gelernt, die ein Vermieter in Deutschland für selbstverständlich ansieht, jedoch für Menschen aus anderen Kulturen oft neu und unbekannt sind. In fünf Kursmodulen eignen sich die Wohnungssuchenden das Basiswissen rund um Rechte und Pflichten eines Mieters an. Dazu gehören die Themen Ordnung, Mülltrennung, Stromsparen, Lüften und Heizen, Abfallbeseitigung und Ruhezeiten.

Integrationskoffer: In den Helferkreisen wurde ein „Integrationskoffer“ eingeführt, der eine Wissenssammlung sowie Materialien zur Integrationsarbeit enthält (wir berichteten). Er wurde von Ehrenamtlichen zusammengestellt und zielt darauf ab, ehrenamtliche Helfer und anerkannte Asylbewerber für eine gemeinsame Integrationsunterstützung zu schulen. Im ersten Quartal 2018 sind Workshops für Haupt- und Ehrenamtliche zum genauen Gebrauch des Integrationskoffers geplant.

Laiendolmetscher: Trotz verschiedener Sprach- und Integrationskurse benötigen Flüchtlinge immer wieder Dolmetscher, um bei Arztbesuchen oder Behördengängen komplexere Sprachinhalte ausdrücken zu können. Dieses Problem hat die Stelle Ehrenamt Asyl im Landratsamt aufgenommen und bildete mit Hilfe beeideter Dolmetscher zwölf Ostallgäuer Laiendolmetscher in den Sprachen Arabisch, Farsi, Dari, Persisch, Kurdisch, Somali und Englisch aus. Das Projekt beruht auf einer qualifizierten Schulung der Laiendolmetscher in Theorie und Praxis, sowie –und das ist überregional einzigartig – auf einem vom Landkreis finanzierten Stundenkontingent für die einzelnen Helferkreise, mit dem dann die Leistung der Laiendolmetscher vergütet werden kann. So können Asylhelfer, aber auch Behörden oder die Polizei auf die zwölf, im ganzen Landkreis verteilten Laiendolmetscher zurückgreifen.

Women Empowerment: Eine speziell für geflüchtete Frauen eingerichtete Trainingsreihe behandelte Themen aus dem neuen Alltag von Asylbewerberinnen: Gleichberechtigung, Arbeit mit Kopftuch, Zwangsheirat und Rechte bei einer Trennung. Während des drei Mal dreistündigen Kurses wurden auch die Kinder der Kursteilnehmerinnen betreut. Denn oft gelänge es Frauen mit Kindern und Kleinkindern nicht, an den üblichen Integrationskursen teilzunehmen, wie Isabel Costian sagte. Sie berichtete außerdem von einer ausgebuchten ersten Schulung im Asylbewerberheim in der Marktoberdorfer Nordstraße und der Absicht, diese Kursreihe auch 2018 weiterzuführen.

Landrätin Maria Rita Zinnecker und mehrere Kreisräte lobten die engagierte Arbeit der hauptamtlichen Integrationshelferinnen im Landratsamt. Regina Renner (SPD) hob insbesondere die Trainingsreihe für Frauen als bemerkenswert hervor, stärke sie doch die Entwicklung und das Selbstverständnis der Geflüchteten. Hubert Endhart (Grüne) mahnte den Landkreis an, in der Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer vor Ort nicht locker zu lassen. „Viele sind schon abgesprungen“, sagte Endhardt, der in Rieden am Forggensee selbst ehrenamtlich Flüchtlinge betreut. „Ohne die Asylhelfer in den Heimen vor Ort entsteht massiver sozialer Sprengstoff!“

von Angelika Hirschberg

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