Für das Hotel: Stadt geht in die Offensive

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Rund 250 Meter vom nächsten Wohngebiet, Am Rambogen, (Standort der Fotografin) entfernt soll das geplante 4-Sterne-Hotel auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei entstehen. Nun hat sich auch die Stadt mit einer Petition für das Hotelprojekt an den bayerischen Landtag gewandt.

Marktoberdorf – Ein Petitionsausschuss des bayerischen Landtags wird über die Zukunft des Hotelprojekts in Marktoberdorf entscheiden. Wie berichtet, haben sich 45 Bürger und Hotelgegner mit einer Petition an die Münchner Abgeordneten gewandt.

Sie sehen im geplanten Hotelstandort einen Verstoß gegen das so genannte Anbindegebot des Landesentwicklungsprogramms. Nun geht auch der Stadtrat in die Offensive und befürwortet geschlossen die Realisierung des Hotels am Standort der ehemaligen Gärtnerei im Süden der Stadt. In seiner jüngsten Sitzung beschloss das Gremium, ebenfalls eine Petition sowie eine Unterschriftenliste an den bayerischen Landtag zu übergeben. 

Bereits während der laufenden Sitzung unterschrieben alle 25 Stadträte sowie beide Ortssprecher die Unterschriftenliste, die der Petition der Hotel-Befürworter Rückendeckung geben soll. Einstimmigkeit herrschte auch darüber, mit einer solchen, eigenen Petition gegenüber dem Landtag Stellung zu beziehen und den Hotelgegnern nicht das Feld zu überlassen. Dies sei nötig, so Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, da es nach Auskunft des Landtagsbüros ausschließlich im Rahmen einer eigenen Petition möglich sei, sich direkt an den Ausschuss zu wenden. 

Gegner und Befürworter streiten 

Dem liegt bereits seit dem 13. Dezember 2015 eine Petition der Gegner des Hotelprojekts vor. Deren Antrag lautet im Kern, der „Petitionsausschuss möge beschließen, dass die Hotelanlage (…) gegen das Anbindegebot des Landesentwicklungsprogramms verstößt“ (wir berichteten). Dieses legt fest, dass Neubaugebiete immer an Ortschaften angeschlossen sein müssen. Für die Antragsteller heißt das, dass das Hotel zu weit weg von bestehenden Bauwerken ist. 

Der Stadtrat wirft dagegen nun seine Argumente in den Ring: die Bedeutung des Hotelprojekts für den Wirtschaftsstandort Marktoberdorf etwa, die optimale Umnutzung einer langjährigen „Gewerbebrache“ sowie die sorgfältig abgewägte Wahl des Standorts mit dem nötigen Abstand zur Wohnbebauung einerseits und der bereits vorhandenen Verkehrs­anbindung zur Innenstadt andererseits. 

Auch einige weitere Punkte der gegnerischen Petition wollte Bürgermeister Hell nicht unkommentiert lassen. Er stellte richtig, dass der dem Hotel angeschlossene Veranstaltungsstadel nicht 300, sondern nur rund 150 Sitzplätze habe. Dass eine mehr als ausreichende Zahl an Parkplätzen, nämlich 144, geplant sei. Dass das Gebäude auf seiner Nordseite eine Höhe von zwölf Metern habe und damit nachgewiesenermaßen nicht die Sicht auf die Berge beeinflusse. Außerdem sei zu keinem Zeitpunkt erwogen worden, das Hotel einmal als Ferienwohnungsbetrieb zu nutzen. 

"Vor die Allee platziert"

Einzelne Stadträte bekräftigten noch einmal ihre Unterstützung für das Hotelprojekt: Von einer „einmaligen Chance“ (Wolfgang Hannig, SPD) war die Rede und von einer „architektonischen Bereicherung“ (Meinrad Seelos, Stadtteile aktiv). Eduard Gapp (CSU) sprach von einem entscheidenden „Standortfaktor“ und Erich Nieberle (SPD) sagte: „Wir stehen uneingeschränkt hinter der Petition der Stadt.“ Thorsten Krebs (CSU) machte seinem Befremden über das Ansinnen der Hotelgegner am deutlichsten Luft: Er fände es erstaunlich, dass gerade die Bürger heute mit der Zerstörung des Landschaftsbilds und der Sichtbeziehungen argumentierten, die sich vor Jahrzehnten „Am Rambogen“ selbst direkt vor die Allee platziert hätten. 

Petition im Wortlaut 

Die Petition der Stadt liegt ab sofort im Bürger-Service des Rathaus‘ im Wortlaut aus. Dort können sich Hotel-Befürworter auch in eine Unterschriftenliste eintragen. Über die städtische Homepage www.marktoberdorf.de ist ebenfalls eine Online-Unterschrift möglich.

von Angelika Hirschberg

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