Aufatmen in der Gastronomie

Wirtsleute dürfen ab Montag unter strengen Auflagen wieder Gäste empfangen

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Noch sind die Plätze leer. Ab kommenden Montag, 18. Mai, können die Gastronomen den Außenbereich für Gäste unter Auflagen wieder öffnen.

Kaufbeuren/Ostallgäu – So langsam kommt wieder eine neue Normalität für uns zurück: Der Coronalockdown in der Gastronomie ist am kommenden Montag, 18. Mai, vorbei. Dann darf auch in unserer Region die Außengastronomie unter strengen Auflagen wieder bis 20 Uhr öffnen. Eine Woche später dürfen auch Speiselokale sogar bis 22 Uhr geöffnet bleiben. Bei der stufenweisen Öffnung der Gastronomie steht aber primär der Schutz aller Beteiligter im Vordergrund.

Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse kommt den Wirten und Gastronomen bei der Wiedereröffnung entgegen. Betreiber, die keine Außenflächen haben, stellt die Stadt im Einzelfall auf Antrag geeignete Bereiche zur Verfügung. Den Vorstoß dazu lieferte laut Büro Pohl der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl. In einem Schreiben an den Rathauschef bat er demnach, die Stadt solle doch bei der Sondernutzung im öffentlichen Raum großzügiger verfahren und den Gastronomen die Möglichkeit gegeben werden, die genehmigten Sondernutzungsflächen auszuweiten. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage des Kreisbote sagte, sei die Gastronomie im ersten halben Jahr 2020 von den Sondernutzungsgebühren befreit.

Wochenlang mussten Wirtsleute und Restaurantbesitzer ihre Betriebe geschlossen halten. Kurzarbeit war die Folge. Jetzt dürfte die Wiedereröffnung nicht nur den Gästen, sondern besonders den Gastronomen ein Lächeln auf den Lippen zaubern – trotz Schutzmaske. Bei Michael Martin, Inhaber des Gasthofs Engel in Oberbeuren, überwiegt zwar die Freude, wenngleich er doch vor dem Start etwas angespannt wirkt. Dabei beschäftigen ihn besonders die Fragen: Wie reagieren seine Gäste? Und wie läuft das Hygienekonzept praktisch ab? Denn in Stoßzeiten soll stündlich alles gereinigt und desinfiziert werden. Dazu gehören Klinken, Handläufe und besonders die Toiletten. „Das ist natürlich mit deutlichem Mehraufwand zu betreiben. Wir werden weniger Gäste, aber mehr Personal haben“, so Martin. Rund 40 Prozent Belegung in seinem Biergarten sei möglich. Während der Gastronom dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband für die Kommunikation ein gutes Zeugnis ausstellt, sei der Informationsfluss seitens der Politik doch sehr spärlich gewesen. Doch der Blick von Michael Martin in die Zukunft wirft für ihn weitere Fragen auf. Sicherlich sei das Biergartenflair schnell vermittelbar. „Nicht absehbar ist, wann es wieder große Feierlichkeiten in unseren Räumlichkeiten gibt.“

Martin Krüger, Geschäftsführer des Elbsee-Restaurants in Aitrang, und sein Team dürfen ebenfalls aufatmen. Für ihn kam die Öffnung dann doch ziemlich überraschend. Auch er muss sich den Herausforderungen stellen. „Wir mussten innerhalb weniger Tage ein neues Hygienekonzept erstellen, welches wir auch in der Praxis umgesetzt haben“, nimmt es der Gastronom dann doch sportlich. Schon vor der Schließung habe sich Krüger mit Desinfektionsspender für den WC-Bereich ausgestattet. Kritisch sieht er, dass seine Gäste künftig sämtliche Kontaktdaten hinterlassen müssen. „Ob ich das gut finde oder nicht, steht auf einem anderen Blatt Papier. Im Supermarkt hinterlasse ich bei einem Einkauf ja auch meine Daten nicht, wenn ich bar bezahle.“ Eines verspricht Krüger seinen Gästen: Er gehe mit den Daten sehr sensibel um, ehe sie laut Anordnung vier Wochen später vernichtet werden müssen.

Im rund zwölf Kilometer entfernten Biessenhofen hat Clemens Höfle, Inhaber des Gasthaus Stegmühle, seine 20 Mitarbeiter zusammengetrommelt. „Alle sind gut drauf und freuen sich, dass es wieder losgeht.“ Während des Lockdowns fand der „Essensverkauf to go“ enormen Zuspruch, was zur Folge hat, dass Höfle und sein Team diesen Service auch weiterhin anbieten möchten. Von daher hat das Coronavirus, vorsichtig ausgedrückt, auch etwas Positives: Nämlich die Solidarität in der Gemeinde und sämtlicher Stammgäste habe Höfle sehr imponiert. „Wir hatten teilweise einen extremen Zulauf.“ Zum Teil wurden rund 250 à la carte-Essen zubereitet. Jetzt fiebere er wieder dem Neustart entgegen, wohlwissend, dass auch auf ihn besondere Maßnahmen und Regelungen warten. Dreiviertel der Plätze können weiterhin im sehr verwinkelten Bereich der Stegmühle gehalten werden. „Das ist alles handhabbar und den Abstand von einem Meter 50 können wir gut abstecken“, ist Clemens Höfle froh, dass er wieder aufsperren darf. „Acht Wochen lang war zu. Ich habe keine einzige halbe Bier verkauft, jetzt ist wieder Leben in der Bude“, strotzt der Gastronom vor Energie. Er stünde mit all seinen Mitarbeitern im Dialog. Ein Arbeitsplan sei erstellt. „Wir müssen auf Sicht arbeiten.“ Für ihn sei es eine verrückte Zeit, in der Hoffnung, „dass wir Stück für Stück zur neuen Normalität zurückfinden.“

Gute Erfahrungen hat auch der Sonnenhof Mauerstetten mit seinem Service „Speisen to go“ gemacht. Für Inhaberin Marion Neher sei besonders die Regelung der Außengastronomie noch eine wackelige Angelegenheit. „Wir wissen noch nicht genau, wie viele Sitzplätze wir in unserem Biergarten haben werden“, ist auch für sie und Mitinhaber Henning Rausch, der parallel noch die Skihütte Oberbeu­ren betreibt, die Erleichterung über die Lockerungen des Lockdown in der Gastronomie anzusehen. Wenn sie ab Montag wieder greifen, hofft Neher besonders auf die Vernunft der Gäste. Auch ein Spontanbesuch ist jederzeit möglich, eine Reservierungspflicht ist somit nicht gegeben. Um eine Maskenpflicht kommen alle Gäste nicht herum. Erst am zugeteilten Tisch darf die Mund-Nasen-Bedeckung abgenommen werden. In einem dritten Schritt eröffnen am 30. Mai wieder Hotels.

von Stefan Günter

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