Aufgelassene Gräber am "Alten Friedhof" sorgen für Unmut

Wildwuchs auf dem Friedhof?

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Gegenstand des Anstoßes sind solche Situationen an aufgelassenen Gräbern wie hier am Alten Friedhof.

Kaufbeuren – Wie kann bezüglich aufgelassener Grabstätten die ordnungsgemäße Pflege eines Friedhofes sichergestellt werden? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigte sich der Ferienausschuss der Stadt in seiner jüngsten Sitzung.

Aktueller Anlass war eine Dringlichkeitsanfrage der Stadträte Ernst Schönhaar und Johannes Böckler (beide CSU) in Bezug auf den „Alten Friedhof“ der Stadt an der Füssener Straße. Schönhaar sprach von inakzeptablem, „kniehohem Wildwuchs auf freien Flächen“, zumal es sich als Besonderheit um einen denkmalgeschützten Friedhof handele. Doch aus Sicht von Georgio Buchs als Leiter des Bauhofes, in dessen Verantwortungsbereich auch die Friedhöfe fallen, reicht die Anzahl der Mitarbeiter für die sechs zu betreuenden Friedhöfe nicht aus.

Für alle Friedhöfe gibt es in der Friedhofsordnung verankerte Auflagen hinsichtlich der Pflege der Grabstätten, die von den jeweiligen Nutzungsberechtigten einzuhalten sind. Wenn jedoch der zeitlich befristete Vertrag mit der Friedhofsverwaltung als kommunaler Einrichtung abläuft, fallen die Rechte und damit auch die Pflichten an die Kommune zurück. „Der Zustand ist beschämend und unwürdig. Wie gehen wir mit unserer Kultur um?“, fragte Schönhaar. Laut Oberbürgermeister Stefan Bosse hat sich „innerhalb weniger Jahre etwas dramatisch verändert“ und die Anzahl der aufgelassenen Gräber steigen lassen. Man werde sich damit konzeptionell befassen. „Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir mit diesen Flächen umgehen“, sagte Stadtplaner Manfred Pfefferle und kündigte an, dass bis zum Herbst ein Friedhofspflegewerk erarbeitet werden soll. Bisher würden die Flächen bekiest.

1000 unbelegte Gräber

Buchs erläuterte, dass man die sechs städtischen Friedhöfe mit insgesamt neun Mitarbeitern zu betreuen habe. Zusätzlich sei ein Mann vom Bauhof mit einem Dampfgerät zur Unkrautvernichtung an zwei Tagen pro Woche auf den Friedhöfen im Einsatz. „Wir versuchen, was wir können“, sagte er, „aber mehr ist nicht zu bewältigen“. Es handele sich am Alten Friedhof um 1000 nicht belegte Gräber, was einer Fläche von rund 4000 Quadratmetern entspreche.

Catrin Riedl (SPD) schlug da, „wo es noch Nachbarschaft gibt“, eine Art Partnerschaft von Nutzungsberechtigten an intakten Nachbargräbern vor, die sich dann dieser ungepflegten Flächen annähmen, was der OB als schwierig bezeichnete. Gerhard Limmer (CSU) sieht zudem eine Gefahr im sich vermehrenden Springkraut. Ulrike Seifert (Grüne) sagte, man müsse jetzt warten, aber sich gleichzeitig Gedanken über die Friedhofskultur machen und ob man die Bevölkerung nicht mit einspannen könne. Diesen Gedanken griff Gertrud Gellings (CSU) auf und verwies auf die freiwillige Arbeit von Soldaten im Bereich der Kriegsgräberfürsorge bei der Bundeswehr.

Freiwillige Aktion

„Der Bauhof kann die Arbeit nicht mit eigenem Personal darstellen“, resümierte die Stadtspitze. Es sei aber allen ein großes und berechtigtes Anliegen. Daher werde man den Vorschlag für eine gemeinschaftliche Aktion aufgreifen und nach den Ferien einen Aufruf an die Bürger über die Presse starten.

Diese Aktion soll nun am Samstag, den 23. September, stattfinden.. Die Arbeit der Freiwilligen wird dann mit einer Brotzeit entlohnt.

von Wolfgang Becker

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