Sowas wie ein Auswärtsspiel

Aufzeichnung von „Schwaben weissblau“ in München statt in Memmingen

Außenaufnahme: Hausl Jürgen Richter mit allen Mitteln auf dem Weg nach München
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Außenaufnahme: Hausl Jürgen Richter mit allen Mitteln auf dem Weg nach München

Kaufbeuren/Ostallgäu – Weil die 18. Kultveranstaltung „Schwaben weissblau, hurra und helau“ wegen Corona nicht wie gewohnt in der Stadthalle Memmingen vor einem bunten und prominenten Publikum stattfinden konnte, hatte die Redaktion ein etwas anderes Konzept erarbeitet. Unter strenger Berücksichtigung sämtlicher Pandemieauflagen wurde die am vergangenen Freitagabend ausgestrahlte Sendung erstmals in den BR Studios in Unterföhring aufgezeichnet. Zusätzlich hatte man schon vorab Auftritte in der Region aufgenommen und in der Sendung eingespielt, ebenso Lacher und den Applaus.

Running Gag dieser Einspieler war der grantige Hausl Jürgen Richter, der zwar den Fasching nicht mag aber es sich nicht nehmen lässt, mit aller Gewalt nach München zu den Dreharbeiten zu kommen – notfalls per Anhalter und sogar mit dem Tretroller. Kurz vor Schluss der Sendung hat er es geschafft und tritt doch noch auf. Mit im Programm waren trotz der Verkürzung auf zweieinhalb Stunden wieder viele Publikumslieblinge der Sendung, allen voran die Spaßmacher aus Kaufbeuren und dem Ostallgäu, zuzüglich der Hausband „AllGeier“ aus Buchloe. Für die Protagonisten waren die publikumslosen Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen ein ganz eigenartiges Erlebnis. Der Kreisbote hat mit den aus unserer Region teilnehmenden Künstlern gesprochen.

Jürgen Richter erzählt: „Künstler und Mitarbeiter trugen alle eine Maske. Das war ein seltsames Bild. Normalerweise umarmen sich die Künstler auch, wenn sie sich wiedersehen, manche sind zusammen in den Garderoben und es wead a Schnäpsla trunka. Diesmal gar nix! Jeder Künstler hatte eine eigene Garderobe und man sah sich kaum. Es wurde gedreht, dann fuhr man wieder heim. Dass man sich eben nicht so sah, trug zu der merkwürdigen Stimmung ohne Publikum bei –und das mir, der ich ja mit dem Publikum interagiere.“ Als Publikumsersatz hatte der BR zumindest einige Gardemädels einzeln und mit Abstand hingestellt, die „super Stimmung gemacht haben. War anders aber trotzdem lustig“, so Richter.

Moderator Georg Ried berichtet, dass bei den Aufnahmen so gut wie nichts geprobt wurde, wie es in den vergangenen Jahren für Memmingen der Fall war. Rund 80 Prozent der Auftritte vor der Kamera fanden nur ein einziges Mal statt. Auch Ried profitierte vom Gardemädel-Ersatzpublikum: „Die haben uns mit ihrem ehrlichen Applaus sehr unterstützt.“ Dass niemand zum „Derbleckn“ da sein durfte, fand Ried nicht so schlimm, „wir waren sowieso nie so politisch, höchstens Wolfgang Krebs als Merkel, Söder und Aiwanger“, meinte er. Und Büttenrede habe er ja diesmal keine gehalten – dafür brauche man dann schließlich doch Publikums-Reaktionen.

Entspannte Dreharbeiten

Für die bisher an Solo-Auftritte gewöhnte Ramona Mößmer war das „musikalische Zwiegespräch“ mit Georg Ried eine ganz neue Erfahrung, „das hat total viel Spaß gemacht“. Auch empfand sie die Dreharbeiten wesentlich entspannter, als live vors Publikum zu treten. Natürlich habe der Austausch mit den Künstlerkollegen gefehlt. „Aber ich bin total froh, dass die Sendung trotz der erschwerten Bedingungen zustande gekommen ist, denn die Verbreitung von guter Stimmung und Fröhlichkeit ist gerade jetzt wichtiger denn je“, konstatierte sie.

Waltraud Mair, bekannt als „Meichelböcks Zenta“, war zwischen Vor- und Nachteilen hin- und hergerissen. Einerseits hatte sie viel weniger Lampenfieber und der ganze Dreh dauerte anstatt zweieinhalb Tage nur zweieinhalb Stunden, weil die Proben wegfielen. Auf der anderen Seite fehlte ihr das „Korrektiv Publikum“: Da ihre Nummer ohnehin immer an einer Haltestelle stattfindet, wurde komplett am „Originalschauplatz“ gedreht, einer Haltestelle „mitten in der Prärie“ weitab vom Verkehrsgeschehen, wo nicht einmal eingespielte Lacher möglich waren. Und natürlich vermisste auch sie den Kontakt zu den anderen Künstlern und „den ganzen Spaß hinter der Bühne“.

„Eigentlich etwas ganz Normales“ waren dagegen die entspannten Studioaufnahmen ohne Publikum für Fernsehprofi Wolfgang Krebs. Er lobte die gute Organisation und die hohen Sicherheitsmaßnahmen mit einem eigenen Corona-Beauftragten. Alle Künstler mussten corona-negativ getestet sein und nur wenige ebenfalls corona-getestete Mitarbeiter durften an der Produktion teilnehmen. Krebs findet es schön, dass der BR die Veranstaltung nicht einfach ausfallen ließ, sondern für die vielen Menschen, die sich alljährlich auf die Faschingssendung freuen, das Beste aus der Situation gemacht hat. Es sei eine bunte Geschichte entstanden mit einer witzigen Idee, eine echte Gute-Laune-Sendung. „Ich hoffe aber trotzdem, dass wir auch bald wieder live auf die Bühne dürfen“, meinte er abschließend.

Die Sendung ist nach der Ausstrahlung für ein Jahr in der BR Mediathek verfügbar.

Ingrid Zasche

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