Holderieds Erdzeichen

Aus Kaufbeuren gebürtiger Künstler schenkt der Stadt ein Gemälde

Der Künstler Wilhelm Holderied mit seiner Frau Ruth Bölle und dem Gemälde aus der Werkserie der Erdzeichen
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Der Künstler Wilhelm Holderied mit seiner Frau Ruth Bölle und dem Gemälde aus der Werkserie der Erdzeichen, das künftig genau an dieser Wand im Kulturamt hängen wird. Vorläufig lehnt es dort noch.

Kaufbeuren – Der aus Kauf­beuren gebürtige Künstler Wilhelm Holderied übergab kürzlich im Kulturamt ein Gemälde aus seiner Werkserie der Erdzeichen als Geschenk an die Stadt. Die Gabe wurde dank Franz Endhardt von der Künstlerstiftung Kauf­beuren und der Architektin Ruth Bölle vermittelt. Bölle ist nicht nur Vorsitzende des Vereins „Freunde des Erdzeichens – Eine Insel für die Zeit e.V.“, sondern auch seit 21 Jahren mit Wilhelm Holderied verheiratet.

Das Bild soll Teil der Städtischen Galerie werden, die vom Stadtmuseum verwaltet wird. Die dort gesammelten Bilder stammen vorwiegend von Kaufbeurer Künstlern und werden der Stadtverwaltung für die Amtszimmer zur Verfügung gestellt. Die Galerie besitzt noch drei weitere Werke von Holderied. Das neue Holderied-Gemälde soll künftig in den Büroräumen der Kulturabteilung hängen. Dort befindet sich im Büro von Kulturamtsleiter Günther Pietsch bereits ein weiteres Gemälde des Künstlers, ebenfalls aus der Städtischen Galerie. Eines von Holderieds Werken schmückt auch das Büro von OB Stefan Bosse. 2015 fand zu Holderieds 75. Geburtstag im Sparkassengewölbe die von der Künstlerstiftung veranstaltete Werkschau „Der Magnet der Wurzeln“ statt.

Der am 11. April 1940 in Kaufbeuren geborene Maler und Bildhauer Wilhelm L. Holderied wurde vor allem durch das Land-Art-Kunstwerk am Münchner Flughafen, das Erdzeichen „Eine Insel für die Zeit“ bekannt. Es hat eine Fläche von 270 mal 170 Meter, eine Furchentiefe von 3,40 Meter und liegt eingebettet in ein Feld in der Größe von 300 mal 400 Metern.

Zur Finanzierung des Projekts wurden die Furchen der „Insel für die Zeit“ in einzelne Metersegmente unterteilt. Als Zertifikat seiner Beteiligung erhielt jeder Förderer einen Kunstdruck des Erdzeichens, auf dem sein erworbenes Segment eingetragen wurde. Für größere Beteiligungen gab es eine Auswahl von Werkbildern. Mit den von Holderied erstellten Werkbildern konnten die Herstellungskosten des Erdzeichens größtenteils von etwa 400 Förderern finanziert werden.

Seit seiner Gründung am 13. November 1995 kümmert sich auch der Verein „Freunde des Erdzeichens - Eine Insel für die Zeit e.V.“ um das Erdzeichen. Um es über die Jahre zu erhalten, hat der Verein unterschiedliche Aktionen zum Markenzeichen „Erdzeichen“ gestartet: Informations-Tafeln, Kalender, Schirme, Taschen, Kuverts, Bänder, das Buch „Bewahrt eine Insel für die Zeit“, Kofferbänder, T-Shirts, Halsschmuck, Schokolade sowie Handtücher. Sogar einige heißbegehrte, vom Künstler handbemalte FFP2-Masken gibt es mittlerweile. Zwischen 2003 und 2021 fanden auch regelmäßig Entstrauchungsaktionen am Erdzeichen statt. Am 28. Februar 2023 endet die befristete Baugenehmigung der Stadt Freising. Falls sie nicht verlängert wird, muss das Kunstwerk wieder eingeebnet werden.

Neben dem Erdzeichen am Münchner Flughafen realisierte Holderied unter anderem das Steinzeichen „Der steinerne Magnet“ in Kronach, ein „Haus für das Licht der Sterne“ in Mexiko und etliche Groß-Skulpturen. Sein ehrgeizigstes Projekt ist ein Mondzeichen im Sinus Iridum auf der erdzugeneigten Seite des Mondes. Damit man es von der Erde aus erkennen kann, ist dafür eine Ausdehnung von circa 125 mal 60 Kilometern erforderlich. Er habe bereits mit der NASA gesprochen, berichtet der Künstler augenzwinkernd. Sie hätten sehr ernsthaft getan.

Seine Land-Art- und Skulpturen-Projekte begleitet Holderied mit einer Reihe von Grafik-Editionen in Verbindung mit poetischen sowie philosophischen Texten. Seit Ende der 1970er Jahre tritt Wilhelm Holderied mit phantasievollen Masken und Flötenspiel in vielen szenischen Aktionen zu seinen Ausstellungen und Projekten selbst auf oder inszeniert sie. „Damit bin ich einmalig“, meint Holderied vergnügt. „Kein anderer Künstler verbindet aktiv so viele verschiedene Kunstsparten.“

Bei seinen Gesprächen mit der Stadt erfuhr der Künstler von der Aktion des Kulturamts „Künstler honorieren den Einsatz der Pflegedienstleistenden“. Spontan stiftete er bei der Gemälde-Übergabe auch drei seiner 2016 und 2017 in Mexiko entstandenen Bilder im DIN A4-Format für die geplante Klinikum-Tombola.

Ingrid Zasche

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