Beginn einer neuen Ära

+
Die neue Simulationsumgebung bietet viele Trainingsmöglichkeiten. Hier eine A380 im Anflug auf den Münchner Airport.

Kaufbeuren – „Kooperation beruht auf Vertrauen und Verlässlichkeit.“ Mit diesen Worten charakterisierte Brigadegeneral Stefan Lüth als Vertreter der Luftwaffe den Start der Ausbildungskooperation zwischen der Luftwaffe und der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS). Damit geht eine rund 60 Jahre währende Ära zu Ende, in der militärisches Flugsicherungspersonal am Kaufbeurer Fliegerhorst durch eigenes Personal der Teilstreitkraft ausgebildet wurde.

Die Vertragsunterzeichnung für die Kooperation war im März letzten Jahres erfolgt. Zwischenzeitlich entstand die „Kaufbeuren ATM Training GmbH“ (KAT) als Tochterunternehmen der DFS mit Firmensitz in Kaufbeuren für die Durchführung der Ausbildung.

Die Deutsche Flugsicherung GmbH hat zum 1. Januar die Ausbildung der militärischen Fluglotsen mit ihrer Firmentochter KAT übernommen. Sie wird künftig in Kooperation mit der Bundeswehr im Durchschnitt jährlich 60 bis 80 Lehrgangsteilnehmer als militärische Fluglotsen für die Anflugkontrolle an Flughäfen und der überregionalen Flugsicherung sowie als Flugberater am Standort Kaufbeuren nach militärischen Standards schulen. Brigadegeneral Stefan Lüth sprach hinsichtlich der Übergabe an das zivile Unternehmen von einem „bemerkenswerten Schritt“, nachdem das Stationierungskonzept 2011 die Standortschließung und den Verlust der traditionsreichen Ausbildung vorgesehen hatte. Ideen zur Rettung von Ausbildungsvorhaben hätten sich dann ab 2012 auf die Flugsicherungsausbildung fokussiert und jetzt zur Freude aller Beteiligten zum Erfolg geführt.

„Zwiespältiges Gefühl“

„Ich will aber auch nicht verhehlen, dass es ein zwiespältiges Gefühl ist, wenn eine Aufgabe über viele Jahre von engagierten Soldaten und Zivilangehörigen der Bundeswehr gemeinsam erbracht wurde und dann in die Hände einer zivilen Firma gegeben wird“, sagte Lüth. Es sei ein besonderer, aber für ihn persönlich guter Schritt, den er mit Zuversicht sehe. Er bezeichnete die DFS als verlässlichen, leistungsstarken und kompetenten Kooperationspartner, denn, so der General, „die Leistungserbringung muss verlässlich sein, damit wir unsere Aufgaben im Einsatz handlungssicher erfüllen können“. Er schloss mit einem Dank an die engagierte Arbeit aller Beteiligten in der Vergangenheit.

Neueste Technologie

Prof. Klaus-Dieter Scheurle als Geschäftsführer der DFS sah sein Unternehmen „seit Jahrzehnten als verlässlicher Partner“ und äußerte seine Zuversicht auf eine zukünftig gute Zusammenarbeit auch mit der Firmentochter KAT. „Dies ist ein großer Schritt für die Bundeswehr“, so Scheurle, „und wir sind uns der Dimension und Verantwortung wohl bewusst.“ Gleichwohl sprach er von einer „klugen Entscheidung“, die nach einem Vergleich gefallen sei. Der DFS-Leiter berichtete, dass bereits rund eine Million Euro in zwei neue Radar-Simulatoren und einen neuen Tower-Simulator für die Ausbildungslandschaft geflossen seien. Damit habe man technisch einen besseren Stand als am Hauptsitz in Langen. Die Lehrgangsteilnehmer bekämen künftig Tablets, mit denen Simulationen auch in der Freizeit trainiert werden können. Scheurle kündigte zudem die bereits in Planung befindliche Investition in Höhe von rund 18 Millionen Euro an. Damit werden bestehende Unterkunftsgebäude saniert und mit einem neuen Schulungs- und Verwaltungsgebäude entstünde praktisch bis 2020 ein zukunftsfähiges Ausbildungszentrum.

Hausherr Oberst Dr. Volker Pötzsch stellte in einem historischen Abriss die wechselvolle Geschichte der Flugsicherungsausbildung dar. Diese hatte bereits im November 1956 – noch vor der Übernahme des Fliegerhorstes durch die Bundeswehr – begonnen und habe eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Der Kreis schließe sich nunmehr unter dem Motto „Zurück in die Zukunft“.

Joachim Keck als Geschäftsführer der KAT berichtete von „rasant vergangenen Monaten“ seit der Firmengründung im April 2016. Er verschwieg dabei auch nicht die Hindernisse, wie beispielsweise ein fehlendes leistungsstarkes Internet oder Baumaßnahmen, die sich zum Teil als „Bremse“ ausgewirkt hätten. Doch nach vielen zeitintensiven Prozessen entstehe mit dem 70-köpfigen Team – davon sind 25 Soldaten und Zivilbedienstete seitens der Bundeswehr beigestellt – und modernster Simulationsumgebung nach Abschluss aller Baumaßnahmen ein neuer „Technologie-Campus“.

von Wolfgang Becker

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
20-mal Bastel-Set im Wert von 20 Euro zu gewinnen
20-mal Bastel-Set im Wert von 20 Euro zu gewinnen
Sanieren oder Warten?
Sanieren oder Warten?
Einblicke in die Fischeriana
Einblicke in die Fischeriana

Kommentare