Forensik-Patienten fliehen aus Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren – mit Bettlaken 

Ausbruch wie in Hollywood

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Zwei Patienten der forensischen Abteilung sind aus dem BKH Kaufbeuren geflohen.

Kaufbeuren – Es klingt nach einer unglaubwürdigen Hollywood-Inszenierung – doch zwei Männer sind mit Hilfe von Bettlaken aus dem Kaufbeurer Bezirkskrankenhaus geflüchtet. Wie konnte das gelingen?

Die beiden 21 und 49 Jahre alten Männer sind bereits Anfang August aus der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie des BKH ausgebrochen, wie Sebastian Murer, Pressesprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Memmingen, dem Kreisbote bestätigte. Sie hatten ein Fenster eingebrochen und sich dann mit Bettlaken aus dem zweiten Stock abgeseilt. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur. Laut Murer wurde sofort eine Fahndung eingeleitet, die mittlerweile international ausgeweitet wurde. Öffentlich ist diese Fahndung allerdings nicht, da dafür nach einer sogenannten Verhältnismäßigkeitsprüfung und auch im Hinblick auf die Persönlichkeitsrechte der flüchtigen Männer die Voraussetzungen fehlen würden. Im Übrigen sei eine öffentliche Fahndung etwa mit Foto auch die Ausnahme.

Die geflohenen Männer waren nach begangenen Vermögens- und Eigentumsdelikten, für die sie eine Strafe erhalten hatten, wegen ihrer Suchterkrankungen in der Entziehungsanstalt untergebracht. Da sie weder als hochgradig rückfällig noch als ausbruchgefährdet galten, waren sie laut Behördensprecher Murer nicht in der geschlossenen Abteilung untergebracht. Dort seien die Fenster nicht vergittert.

„Wir sind momentan auf dem Sprung in den Neubau, somit ist es natürlich umso bedauerlicher, dass die beiden Männer ausgebrochen sind“, sagte Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben gegenüber unserer Zeitung. Der letzte Ausbruch sei weit über zehn Jahre her, damals noch unter ganz anderen Belegungsmöglichkeiten als heute. Nach dem jüngsten Vorfall gelte laut Düll erhöhte Aufmerksamkeit, der Sicherheitsdienst auf der Station sei verstärkt worden, Patienten würden noch zielgenauer separiert, wenn sie sich auffällig verhalten.

von Martina Staudinger

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