Ausrichtung nach Mekka ist wichtig

Moslemische Mitbürger könnten nach ihrem Tod möglicherweise bald auch in Kaufbeuren im Sinne ihrer islamischen Traditionen und Rituale bestattet werden. Einen entsprechenden Antrag, für Moslems auf dem Waldfriedhof ein eigenes Grabfeld zu schaffen, stellte die SPD-Stadtratsfraktion in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses. Hintergrund ist eine gestiegene Nachfrage der so genannten 3. Generation der einstigen Gastarbeiter, die zunehmend Kaufbeuren als ihre Heimat ansehen und sich auch hier bestatten lassen wollen, betonte Mathias Müller vom Standesamt

. Diese Bestrebungen sind nicht neu, denn bereits 2003 stellte der Türkisch-Islamistische Kulturverein einen gleichlautenden Antrag. Dieses Ansinnen wurde aber vom Verein nicht weiter verfolgt und lebte erst jüngst wieder auf, erklärte Catrin Riedl-Schmied, SPD-Fraktionssprecherin, bei der Antragsbegründung. So seien die Mitglieder des Türkischen Vereins erneut an ihre Partei mit der Bitte herangetreten. Sie selbst begrüße den vorhandenen Integrationswillen, auch mit Blick auf die aktuell geführte bundesweite Migrations-Debatte, die Thilo Sarrazin ausgelöst hatte. Riedl-Schmid plädierte dafür, in jedem Fall eine Möglichkeit für islamitische Bestattungen in Kaufbeuren zu schaffen. Laut Müller war angedacht, ein Gräberfeld mit rund 30 Plätzen am nördlichen Rand des Waldfriedhofes auszuweisen. Wichtig dabei, die Ausrichtung der Gräber nach Mekka. Zudem komme eine vom Islam vorgesehene rituelle Waschung, die zukünftig in der Leichenhalle auf dem Neugablonzer Friedhof durchgeführt werden könnte. Den Ausbau der Räumlich- keiten übernimmt laut Müller die türkische Gemeinde. OB Stefan Bosse begrüßte die Bestrebungen, Möglichkeiten für eine Islamitische Bestattung in Kaufbeuren zu schaffen. Jedoch gehe ihm ein separates Gräberfeld auf dem Waldfriedhof nicht weit genug: „Dieses widerspreche dem Integrationsgedanken.“ Vielmehr sollten Bürger mit moslemischen Glauben „eingestreut“ auf allen Kaufbeurer Friedhöfen ihre letzte Ruhe finden, erklärte Bosse. Müller betonte in diesem Zusammenhang, dass Moslems keine Vorschriften hätten, gemeinsam bestattet zu werden. Auch Fraktionssprecher der Freien Wähler, Bernhard Pohl, favorisiert den „Einstreuungs-Gedanken“, vorausgesetzt, dass niemand etwas dagegen hat, egal ob Christen oder Moslems. Auch Riedl-Schmied forderte, auf die Befindlichkeiten der beiden Glaubensrichtungen Rücksicht zu nehmen: „Wir sollten sensibel vorgehen und nicht auf Biegen und Brechen etwas entscheiden.“ OB Bosse warb daher dafür, das Müller noch einmal mit Vertretern der türk- ischen Gemeinden das Thema eingestreute Grabstellen erörtert. Das Gremium lehnte den SPD-Antrag zur Errichtung eines eigenen moslemischen Grabfeldes ab und favorisiert statt- dessen OB Bosses Variante. Kleinere Grabfelder Bereits einen Tag nach der Verwaltungsausschusssitzung saßen unter anderem Müller und der Vorsitzende des Türkisch-Islamistischen Kulturvereins, Ayhan Kalata, sowie Integrationsbeauftragter der Stadt, Navzat Aydogto, zusammen, und haben die Problematik erörtert. Laut Müller stehen beide dem Thema sehr offen gegenüber und hätten persönlich nichts gegen „eingestreute Gräber“. Wichtig sei aber die strenge Ausrichtung nach Mekka. Als Problem stellt sich jedoch dar, dass Moslems in „reiner“ Erde beigesetzt werden wollen. Soll heißen, dass hier noch keine Bestattung stattgefunden haben dürfen. Damit fallen alle Grabflächen aus, die bereits einmal belegt und später wieder geöffnet wurden. Auch erste Gespräche, die Kalatar mit seinen Vereinsmitgliedern, etwa 215 an der Zahl, geführt hat, haben gezeigt, dass „reine Erde“ erwünscht sei und dass man es eher ablehne, als Moslem einzeln zwischen christlichen Gräbern bestattet zu werden. Zwar seien die Aussagen noch nicht repräsentativ, zeigten aber, wohin die Tendenz geht. In den kommenden Wochen soll hierzu noch eine große Umfrage im türkischen Verein durchgeführt werden. Auch Müller sieht darin die Bestätigung, dass es letztlich auf kleinere Grabfelder hinauslaufe. Diese würden allerdings zentral und nicht, wie ursprünglich anvisiert am nördlichen Friedhofsrand, errichtet werden. „Damit wollen wir dem Integrationsgedanken Rechnung tragen“, erklärte Müller auf Anfrage. Er hat inzwischen Friedhofswärter Heinz Specht beauftragt, passende Flächen auf den Friedhöfen zu finden, wo fünf bis 15 Gräber mit Ausrichtung gen Mekka errichtet werden können. Im November sollte dann eine endgültige Regelung gefunden worden sein.

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