Ausschuss diskutiert um Koordinationsstelle für Berufsbildung

Bildungsregion mit Angebotsvielfalt

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Tanja Hiemer als Koordinatorin (Mitte) bei einem Workshop zur Berufsorientierung auf der Bildungskonferenz 2016.

Ostallgäu – Das Thema Bildung wird im Landkreis Ostallgäu groß geschrieben. Dies wurde bei der letzten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Bildung, Sport und Ehrenamt erneut deutlich.

Neben der auf Fachebene bestehenden Bildungskonferenz und dem auf politischer Ebene vorhandenen Bildungsbeirat gibt es eine Zusammenarbeit mit der Stadt Kaufbeuren im Bereich Bildungsmanagement und diversen Projekten. Die 2015 vom Ausschuss für drei Jahre beschlossene Teilzeitstelle zur „Koordination der Berufsorientierung“ stand allerdings trotz anerkannt guter Arbeit und vorzeigbarer Ergebnisse in der Diskussion.

Die seit 2014 etablierte Bildungskonferenz erfährt weiter steigendes Interesse und hat sich bezüglich der Teilnehmerzahlen bis heute nahezu verdoppelt, wie Dr. German Penzholz als Bildungs- und Inklusionskoordinator dem Ausschuss im Rahmen seiner Präsentation erläuterte. Ziel dieser Konferenz ist es, die Teilnehmer zu vernetzen, Informationen auszutauschen und Ideen zu sammeln.

MINT-Förderung

Insbesondere die Projekte im MINT-Bereich – eine zusammenfassende Bezeichnung von Fächern beziehungsweise Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – stößt in Schulen auf große Resonanz. Hier konnten Unternehmer als MINT-Botschafter gewonnen werden, die als Dozenten an weiterführenden Schulen tätig werden. Pilotschulen sind derzeit die Mittelschule und das Gymnasium Marktoberdorf sowie die Marien-Realschule Kaufbeuren. Das seit sieben Jahren bestehende „Haus der kleinen Forscher“ ist Teil eines bundesweiten Netzwerkes und wird zukünftig nicht nur an Kindergärten, sondern auch an Grundschulen angeboten. Der „InnoTruck“ als Teil des MINT-Projektes, an dem über 600 Schüler aus Kaufbeuren und dem Ostallgäu teilnahmen, stieß auf große Begeisterung bei ihnen und den Lehrkräften.

Auf dem Gebiet Koordination der Bildungsangebote für Neuzugewanderte ist der ProfilPASS für Flüchtlingsklassen europaweit ein gutes Beispiel. Das Ostallgäu ist aus Sicht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in diesem Thema Modellkommune. Zwei Teilzeitstellen mit je 50 Prozent werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung daher über den 30. Juni 2018 hinaus für weitere zwei Jahre gefördert, wie Landrätin Maria Rita Zinnecker mitteilte.

Koordination Berufsorientierung

Die Projektstelle Koordination der Berufsorientierung, eine Maßnahme, die von den Fachleuten mit höchster Priorität ermittelt wurde, war im November 2015 mit einem Stellenanteil von 0,5 zunächst für drei Jahre umgesetzt worden – unabhängig von einer Förderung. Im Ergebnis sollte die Berufsorientierung zielgerichtet, standortspezifisch, schülerorientiert und systematisch an allen Schularten gestaltet werden. Nun ging es darum, über eine Fortführung dieser Stelle frühzeitig zu beraten und auch nach Wegfall der LEADER-Förderung im nächsten Jahr weiter fortzuführen.

Bestandsaufnahme

In einer ausführlichen Präsentation legte Tanja Hiemer als betroffene Stelleninhaberin die Ergebnisse der bisherigen Arbeit vor. Sie legte dar, dass nach Bestandsaufnahme der schulischen und außerschulischen Angebote sowie der regionalen Akteurslandschaft zwar eine Vielfalt an Akteuren und Maßnahmen vor dem Übergang und am Übergang von Schule zum Beruf vorhanden sei, es jedoch ein Mangel an Koordination bestehe. Die kommunale Funktion bezeichnete sie als „neutralen Mittler“ im Netzwerk der Akteure in der Berufsorientierung. Eine Datenerhebung, zahlreiche Projekte an Schulen, der Aufbau von Netzwerken mit HWK, IHK, Schulen, Unternehmen und der Arbeitsagentur hätten zu großer Akzeptanz aller Beteiligten geführt. Sie verwies darauf, dass die Kooperation aller Akteure durch Professionalisierung und Systematisierung verbessert werde und die Gefahr der Vergeudung von bestehendem Potenzial im Landkreis verringert werden könne.

Pro und Kontra

Mit dem Beschlussvorschlag für eine Verlängerung der beschriebenen Halbtagsstelle herrschte zunächst kein Einvernehmen. Andreas Kaufmann (CSU) akzeptierte die geleistete Arbeit, sah aber dennoch keine Notwendigkeit für eine Fortführung. Ähnlich sah dies Waltraud Joa (SPD), welche die Aufgabe bei der Agentur für Arbeit angesiedelt sehen wollte. Werner Moll (FWO) hingegen sah die Notwendigkeit der Koordination und sprach sich dafür aus. Für Laurent Stich (CSU) war die bisher zwei Jahre dauernde Tätigkeit zu kurz, um eine klare Aussage zu bekommen und plädierte auf Verlängerung. Manfred Rinderle (FWO) fragte, wie die Wirtschaft sich dazu stelle. Die Landrätin antwortete, dass sowohl die Kammern als auch Wirtschaft- und Bildungsrat die Einrichtung begrüßen würden. Manfred Hauser (CSU) wollte wissen, ob die Stelle bei einem Beschluss dauerhaft eingerichtet sei. Auf Vorschlag der Landrätin einigte sich das Gremium darauf, die Mittel unter Vorbehalt im Haushalt 2018 einzustellen und im Frühjahr für die Ausschussmitglieder eine Informationsrunde mit den Akteuren der Berufsorientierung einzuberufen. Nach deren Rückmeldungen könne dann endgültig entschieden werden.

von Wolfgang Becker

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