Luftfilteranlagen sorgen für Kopfschütteln

Ärger im Kreisausschuss über kurzfristige Anordnung

Generalsanierte Schulen – hier die Mittelschule in Germaringen
+
Generalsanierte Schulen – hier die Mittelschule in Germaringen mit einer zukunftsorientierten Installation – wurden mit einer stationären Lüftungsanlage ausgestattet.
  • Wolfgang Becker
    VonWolfgang Becker
    schließen

Ostallgäu – Ein bereits überregional bekanntes Thema hat nunmehr auch die kommunale Ebene erreicht: die Ausstattung von Schulen mit mobilen Luftfilteranlagen zur weiteren Eindämmung der Corona-Pandemie. Der Freistaat hatte in der vergangenen Woche kurzfristig – noch vor der Sommerpause – die Anschaffung mobiler Anlagen für alle bayerischen Schulen zum Schuljahr 2021/22 beschlossen und eine 50-prozentige Förderung in Aussicht gestellt. Das Echo bei den vor Ort betroffenen Sachaufwandsträgern wie Gemeinden, Städten und Landkreisen war schlicht „Kopfschütteln“. Offen ließ der Beschluss des Ministerrates nämlich, wie das Beschaffungsvorhaben umgesetzt werden soll. Das ärgert die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker: „Ich fordere klare, fachliche Vorgaben bezüglich der Lizenzierung.“ Dennoch gab das Gremium sein Votum für die mögliche Beschaffung mobiler Anlagen in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses.

Die Landrätin hatte das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt, um jeden nur möglichen zeitlichen Spielraum zu nutzen. Eine im Februar erfolgte mehrheitliche Ablehnung des Kreistages auf Antrag einzelner Kreisräte von SPD, ÖDP und Grüne für eine Beschaffung mobiler Geräte erfolgte vor dem Hintergrund, dass es im Landkreis schon einige sanierte Schulen mit fest eingebauten Luftfilteranlagen gibt (der Kreisbote berichtete mehrfach). Der jetzige Beschluss der Staatsregierung kommt überraschend – zudem kurz vor Ferienbeginn. „Warum macht ein Kultusministerium nicht zentrale Rahmenverträge“, gab sich die Landrätin erzürnt. „Jetzt sind ‘zig Gremien damit beschäftigt!“

Wie die Beschaffung für alle Schulen in nur wenigen Wochen erfolgen soll, ist völlig unklar. Nicht nur, weil Vorgaben fehlen, sondern auch die Verfügbarkeit entsprechender Geräte am Markt sowie deren Einrüstung in die Schulen. Zudem belaufen sich die Kosten für 177 mobile Anlagen an den landkreiseigenen Schulen auf etwa 670.000 Euro plus rund 180.000 Euro Wartungskosten jährlich. Entsprechend waren die Reaktionen der Kreisräte.

„Realitätsferne Entscheidung“

Stellvertretender Landrat Lars Leveringhaus (CSU) sprach von einer „Panikentscheidung“: „Das ist eine realitätsferne Entscheidung vor der Sommerpause auf dem Rücken der Kommunen, die in zwei Monaten nicht leistbar ist!“

Fraktionskollege Dr. Wolfgang Hell zeigte sich beunruhigt über die Vielzahl der möglicherweise angebotenen Geräte und zitierte aus einer Studie, dass sich solche mobilen Anlagen auch zu „Virenschleudern“ entwickeln könnten, wenn sie nicht penibel gewartet werden.

Wolfgang Hannig (SPD) ärgerte sich über die verschiedenen Studien: „Die einen – wie in Stuttgart – lehnen es komplett ab, die anderen befürworten die Anlagen“.

Josef Schweinberger (CSU) nannte „das Ganze von Anfang bis Ende unausgegoren“ und fragte: „Was ist mit den Kindergärten, Krippen und den vielen Heimen?“

Dr. Günter Räder (Grüne) sagte: „Es wird eine Illusion geweckt, die nicht erfüllbar ist. Frischluft ist das Einzige, was hilft. Wir werden im Winter wieder mit Jacken sitzen.“

Matthias Fack (FW) befürwortete die Maßnahme wie bereits im Frühjahr ausdrücklich, da seiner Meinung nach Kinder und Jugendliche im Herbst wegen fehlender Impfung am meisten betroffen sein werden.

Benjamin Leinsle (Junges Ostallgäu) schlug das Gespräch mit Schulen und Lehrern sowie zunächst einen Testbetrieb mit zwei Geräten vor. Und Clara Knestel (Grüne) stellte schlicht die Frage: „Warum jetzt und nicht schon früher?“

Abschließend machte Zinnecker nochmals deutlich: „Die Anlagen dienen lediglich der Ergänzung, wir brauchen weiterhin Masken, Lüftung und im Ansteckungsfall auch Quarantäne!“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schlägertruppe unterwegs
Kaufbeuren
Schlägertruppe unterwegs
Schlägertruppe unterwegs
Herr im Haus
Kaufbeuren
Herr im Haus
Herr im Haus
Junger Mann<br/>mit drei Promille halbnackt unterm Auto
Kaufbeuren
Junger Mann
mit drei Promille halbnackt unterm Auto
Junger Mann
mit drei Promille halbnackt unterm Auto
Lebensmittelkette aus Mauerstetten übernimmt Real in Kempten und Pentling
Kaufbeuren
Lebensmittelkette aus Mauerstetten übernimmt Real in Kempten und Pentling
Lebensmittelkette aus Mauerstetten übernimmt Real in Kempten und Pentling

Kommentare