Ausstellung in Irsee als Abschluss eines Jahres künstlerisch-kreativer Arbeit mit jungen Flüchtlingen

Ein ungewöhnliches Projekt

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Zufriedenheit bei Tettis Takle über das gelungene eigene Werk.

Irsee – Hohe Erwartungen bei den Helfern und Interessierten bei der Abschluss-Präsentation der selbstgeschaffenen Kunstwerke im Stadel des Biomarkts in Irsee. Nachvollziehbares Lampenfieber bei den etwa zehn direkt am Projekt beteiligten Flüchtlingen. Vorweg gesagt: Die Ergebnisse des Flüchtlingsprojekt „Da sein – ankommen durch kreatives Gestalten“ können sich alle sehen lassen.

Ein Jahr haben die Hobby-Künstler aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Eritrea und dem Irak zusammen gemalt, gebastelt, gewerkelt, sind mit den unterschiedlichsten Materialien ganz neue Wege gegangen.

Waldtraud Schürmann begrüßte als Initiatorin die Gäste. Einige erklärende Worte, mit viel menschlichem Mitgefühl. Als bewährte Helferin kennt sie die Situation der Flüchtlinge, weiß um die Not. Ob in den beteiligten Einrichtungen in Pforzen, Rieden oder in Irsee oft dasselbe bedrückende Bild: Die Unterstützten sind gezeichnet, traumatisiert von Krieg und Verfolgung, von den Strapazen ihrer Flucht, nicht zuletzt von der Angst, nach jahrelangem Warten zurückkehren zu müssen.

Die Ausgangsfrage

Was tun, wenn den Betroffenen aller Lebensmut zu fehlen beginnt? Das psychische Gleichgewicht muss wieder gefunden, neues Selbstvertrauen aufgebaut werden, erklärte Schürmann. Als ehemalige Rektorin der Josef-Guggenmos-Grundschule ist sie von der klärenden Wirkung der künstlerischen Arbeit überzeugt. Darauf eine akustische Entspannungspause. Das Gitarren-Duo „Simply“ der Geschwister Sina und Janine Schröder trug nicht unwesentlich zum Erfolg der Veranstaltung bei.

Dann kam die Reihe an Projektpartnerin Helen Ribka, freischaffende Künstlerin und Kunstlehrerin an der Kaufbeurer Realschule. Fachqualifikation und Vertrautheit mit Multinationalität ist für sie selbstverständlich, schließlich hat sie ihren Master of Arts in London gemacht.

Durch den beruflichen Hintergrund war die Aufgabenteilung geklärt: Ribka übernahm die künstlerische Leitung und Schürmann die Koordination unter der Vielzahl von Kooperationspartnern, sowie administrative und logistische Aufgaben.

Ein ereignisreiches Projektjahr

Seit November 2016 trafen sich die beiden Pädagoginnen mit den jungen Flüchtlingen in der Schule der Phantasie in Irsee. Für Ribka lag die pädagogische Herausforderung anders als in der vertrauten Realschule. Keine langen Vorreden, denn das machten schon die Sprachbarrieren unmöglich. Aber was zunächst als Schwäche erschien, erwies sich als Stärke. Es genügte am Anfang jedes Treffens kurz den mitgebrachten Werkstoff und mögliche Techniken zu zeigen. Wie die beeindruckenden Ergebnisse im Biomarkt bei der Präsentation zeigen, genügte es danach der kreativen Gestaltung und Entwicklung einfach freien Lauf zu lassen.

Was für alle bleibt

Mit zufriedenen aber auch mit wehmütigen Augen blicken die Beteiligten auf das Projektjahr zurück. Tettis Takle aus Eritrea zum Beispiel hat gemalt und gewerkelt. Sie würde das Projekt mit den anderen gerne weitermachen. Gefragt, warum, zuckt sie einfach mit den Schultern, lacht zufrieden über das ganze Gesicht. „Hat Spaß gemacht, mit Helen, mit den andern.“ Ihre ideenreichen, farbenprächtigen Werke brauchen keine weitere Erklärung.

Muhanmmad Gui Marek Khail aus Afghanistan hat seit einigen Jahren seine Anerkennung, wohnt allein in einer kleinen Wohnung in Kaufbeuren. Für ihn war das Projekt auch die Gelegenheit, sich mit andern zu treffen, sich auszutauschen. Sichtlich zufrieden zeigt auch er seine sieben kleinformatigen Bilder, die Tiere darstellen. Etwa drei Stunden hat er gebraucht, um ein Bild fertigzustellen. Farbenfroh und hoffnungsvoll geben sich seine Werke. Auch er hatte sichtlich seine Freude daran, sich die Motive selbst einfallen zu lassen und sie zu gestalten.

Bis zum 22. Dezember können die Werke während der Öffnungszeiten des Biomarkts, freitags zwischen 16 und 19 Uhr, angeschaut werden. Wer noch ein originelles Weihnachtsgeschenk sucht, hat die Gelegenheit bis zum 15. Dezember ein Gebot für die Werke abzugeben. Selbstverständlich stehen nur die Werke zum Verkauf, wo die kreativ-schaffenden Flüchtlinge das ausdrücklich selbst wünschen. Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Abend gibt es allerdings bereits das eine oder andere nicht unbedeutende Angebot. Die Einnahmen kommen jungen Flüchtlingen zu gute.

von Peter Suska-Zerbes

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