Ausstellung "80 – 88" vereint Werke des Irseer Künstlers Peter Zeiler und seiner Frau Felicitas

168 Jahre künstlerische Lebenserfahrung

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Das Künstlerehepaar Zeiler mit der Büste ihrer Tochter Io Zeiler, ebenfalls Künstlerin.

Irsee – Das Peter Zeiler Museum ist inzwischen zu einer festen Einrichtung in Irsee geworden. Etwa alle drei Monate verändert sich der Schwerpunkt der dort ausgestellten Werke. Standen bisher meist die Zeichnungen, Malereien, Radierungen und ausdrucksstarken Skulpturen von Peter Zeiler (88 Jahre) im Vordergrund, werden bei der Ausstellung „80 – 88“ auch Werke seiner Frau, Felicitas Zeiler (80 Jahre), mit einbezogen.

Während die Werke des Künstlers sich sehr stark ins Abstrakte, zum Teil ins Symbolhafte wenden, bleiben die Landschaftsbilder der Ehefrau einem detailfreudigen und farbenfrohen Realismus treu. Als Lehrerin hat sie mehr als 20 Jahre an der Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Neugablonz ihr künstlerisches Wissen weitergegeben. Ihre ausgestellten Werke sind Erinnerungen an „abenteuerliche Reisen“ vor allem in Süd-Europa.

Peter Zeiler erklärte bei der Gegenüberstellung der unterschiedlichen Stilrichtungen, auch bei ihm hätte es eine Entwicklung gegeben, weg vom Realistisch-Konkreten zum Abstrakten, von der Oberfläche, dem Schein der Dinge zur Tiefe, zum Wesen des Dargestellten. Angefangen mit seinem künstlerischen Schaffen habe er bereits mit acht Jahren, damals 1938. Zeichnen nach der Natur, war seine erste große Leidenschaft. Ein Blick in seine Werk-Kataloge zeigt, dass auch er als gelernter Kunstmaler zu dieser Zeit noch der detailgetreuen Darstellung verpflichtet war.

Aber bereits in seinem Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in München entwickelte er seinen eigenen, unverwechselbaren „Peter-Zeiler-Stil“. Und der ist, im Gegensatz zu den anmutigen Landschaftsstudien seiner Frau, nicht bequem, nicht dekorativ. Im Gegenteil bisweilen wirken seine Kunstwerke sogar trotzig forschend, suchen eigenwillig verborgene Wahrheiten hinter den Fassaden, ohne gefallen zu wollen.

Reise ins Unterbewusstsein

Das fordert vom Betrachter zunächst eine psychologische Hürde zu nehmen: In vielen Fällen sind seine Werke sicherlich keine Liebe auf den ersten Blick, denn das Kunstwerk will beim Betrachten in seiner ganzen Tiefe erschlossen werden. Aber hat sich der Besucher erst einmal auf die Entdeckungsreise begeben, dann findet er im Haus, im weitläufigen Garten und in den Glaspavillons eine Vielfalt von bewegenden Seelenbildern.

Beeindruckend auch seine Tonfiguren und Skulpturen, denen er sich seit 2003 verstärkt widmete. Sie weisen diese tiefen-psychologische Dimension auf. Jedes Mal auf eine andere, faszinierende Weise. Oft orientiert er sich an eigenen alten Bildmotiven, die er Schritt für Schritt in Ton umsetzt. Es handelt sich nie um Eins-zu-Eins-Umsetzungen. Zeiler wird nicht müde zu erklären, dass dies schon die Schwerkraft des formbaren Tonmaterials verbiete.

Beim Rundgang lassen sich bei den hunderten von verschiedenen Figuren drei Kategorien finden. Da sind jene meist im Naturton belassenen Skulpturen, die eine spannungsvolle Bewegung, eine ungezügelte Dynamik und bisweilen auch ungehemmte Lebensfreude vermitteln. Bei der zweiten Gruppe spürt man, wie sehr Zeiler sich der Yoga Praxis verschrieben hat. Haltung, Gestik und Mimik dieser Figuren strahlen warme Stille, inneren Frieden und psychische Kraft aus.

Und da findet sich jene große Gruppe von Figuren, die an dem existentiellen Rand des Seins führen. Er will unvoreingenommen die ungebändigten Gefühle des Unterbewusstseins zeigen. Hier fühlt Zeiler sich als Künstler ganz seinen eigenen Seelenbildern verpflichtet. Ästhetische Kriterien wie „Schön“ und „Hässlich“ dürfen die Darstellung nicht bestimmen. „Das wäre unehrlich“, erklärt er schlicht.

Das Peter Zeiler Museum

Eingeladen ist der Besucher in das Museum im Eichenweg 1 in Irsee an jedem ersten Samstag und Sonntag im Monat von 16 bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung unter Tel. 08341/14747. Auch an diesem Wochenende (13. und 14. Januar) ist es geöffnet. Aber wann auch immer, der Besucher wird gastfreundlich auf seiner Entdeckungsreise durch 168 Jahre künstlerische Lebenserfahrung geführt. Einen ersten Eindruck kann man sich unter www.peterzeiler.de/Museum/index.html verschaffen.

von Peter Suska-Zerbes

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