Ausstellung "Zärtliche Verwilderung":

Kunst zum Mitmachen

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Eva Luck (li.) und Io Zeiler-Klimm passen als Künstlerinnen und Kunsttherapeutinnen gut zusammen.

Kaufbeuren – „Déjà-vu“ ist das Gefühl, etwas bereits früher einmal erlebt zu haben. Bei der Vernissage „Zärtliche Verwilderung“ hat niemand der zahlreichen Gäste dieses Gefühl. Ganz im Gegenteil, denn die beiden Kaufbeurer Künstlerinnen, Io Zeiler-Klimm und Eva Luck, bauen eine Brücke zwischen quirlig erfrischender Kunst und oft faden Lebensalltag. Bewusst und gezielt, denn für sie ist Kunst kein Selbstzweck, sondern auch immer eine Selbsterfahrung.

Io Zeiler-Klimm erklärt den zahlreich erschienen Besuchern in ihrer kurzen und sehr menschlich einfühlsamen Rede den eigenwilligen Titel der Ausstellung. Das künstlerische Werk „stellt für mich die innere wilde ursprüngliche Natur dar. Einen Weg den wir mit Zärtlichkeit und Achtsamkeit gehen wollen.“

Ihre Bilder geben ihr Recht. Selbstbewusst tritt die 53-jährige Künstlerin mit ihrem frechen, kindlich-verspielten Werk aus dem Schatten ihres bekannten Vater, Peter Zeiler. Farbig, dynamisch und phantasievoll gibt sie sich in einigen ihrer Werke, dann wieder verträumt und gefühlvoll in andern. Auf jeden Fall immer eine Visionärin auf der Suche nach sich selbst.

Nicht immer einfach der Quantensprung zwischen Kinder und Küche zur Künstlerin und Kunsttherapeutin. Sowohl in der Kunst als auch in der Therapie fühlt sie sich ganz zu Hause, denn ihr Wissen und Können beruht auf einer fundierten Ausbildung. Pädagogisch geschickt verzichtet sie auf theoretische Erklärungen von Stil und Technik und lädt stattdessen die Besucher zu einer eigenen psychischen Entdeckungsfahrt ein. Kaum einer kann sich dem Reiz entziehen, wenn es gilt, in jeder Hand einen Bleistift, nach dem belebten musikalischen Rhythmus eine eigene Zeichnung auf das Papier zu bringen. Entspannte, zufriedene Gesichter am Schluss. Es geht schließlich nicht um die Erringung eines Kunstpreises, sondern um die eigene innere Erfahrung. So wird die Vernissage zum Erlebnis und die sich anschließenden Gespräche zur Begegnung.

Gesucht und gefunden

Bescheiden im Hintergrund hält sich Malerkollegin und Kurs-Partnerin Eva Luck. Eigentlich Zufall, wie sich die beiden so gut zusammen passenden Künstlerinnen gefunden haben; Eva Luck suchte eine neue Bleibe mit Malstudio. Da bot sich die ehemalige Galerie von Peter Zeiler „Unter dem Berg 17“ an, die der Vater seinen beiden Kindern überlassen hatte. Grund genug, das zweijährige Jubiläum der gemeinsamen künstlerischen Zusammenarbeit mit dieser gelungen Ausstellung zu feiern. Wenn die großformatigen Bilder auch sehr unterschiedlich sind, so spürt der Besucher doch, die innere Wahlverwandtschaft: Kunst ist für sie beide ein Weg der inneren Selbstfindung. Beim Malen ist es ein kreativer Dialog zwischen dem sich allmählich entfaltenden Bild und der Künstlerin.

Seit zehn Jahren malt Eva Luck bereits. Bewusst hat sie sich damals für die Kunst entschieden, „denn es gab Dinge, die ich für mich klären musste.“ Auch in ihren Bildern findet sich ein breiter Regenbogen von Ausdrucksformen, mal pfiffig-witzig, mal ausdrucksstark, mal verschmitzt mit einem Augenblinzeln. Ein zweiter Blick lohnt sich auf jeden Fall. Ein Beispiel: Zwei ähnliche Motive nebeneinander. Irgendwie faszinierend. Was zunächst nach farbig-phantasievoll gestalteten Augen aussieht, wird zur Pforte zum geheimnisvollen Reich der Seele.

Ein Besuch der Ausstellung bis zum 6. August möglich. Es wird um Anmeldung unter Tel. 08341/9602026, 01590/58031100 oder per E-Mail an io.zeilerklimm@gmail.com gebeten.

von Peter Suska-Zerbes

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