Ausstieg aus der Atomkraft

Bei der Podiumsdiskussion in Marktoberdorf nahmen teil: Gebäudemanager Richard Siegert (v.li), Geschäftsführer VWEW Frank Backowies, Aufsichtsrat Michael Joukov und Stadtrat Axel Maaß.

Seit August 2011 hatte der Ortsverband Marktoberdorf von „Bündnis 90/Die Grünen“ mit dem Titel „Grüne Energie-Offensive MOD“ sechs Veranstaltungen organisiert und durchgeführt. Dabei wurden die Themen Windkraft, Sonnenenergie, Speicherung, Biomasse, Dezentrale Stromversorgung + Intelligente Stromnetze und Stromwechselparty behandelt. Die Abschlussveranstaltung dieser Vortragsreihe fand nun im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kommunale Energiepolitik“ im Rathaussaal der Stadt Marktoberdorf statt.

Die Ortsvorsitzenden Gertrud Kustermann und Stefan Sepp begrüßten die zahlreichen interessierten BürgerInnen und stellten die Referenten des Abend vor: Frank Backowies (Geschäftsführer der VWEW), Michael Joukov (Aufsichtsrat der Stadtwerke Ulm) und Richard Siegert (Gebäudemanager der Stadt Marktoberdorf). Als Moderator führte Axel Maaß (Stadtrat und 3. Bürgermeister) durch den Abend. Die Energiepolitik des kommunalen Energieversorgers VWEW erläuterte Frank Backowies. „Die drei Säulen Netz, Erzeugung, Vertrieb auf den Fundamenten Beteiligungen und Kooperation bilden derzeit die Geschäfts- und Handlungsfelder“, unseres Unternehmens erklärte Backowies. Nicht nur das klassische Stromnetz, sondern auch Gas-, Wasser-, Wärme- und Telekommunikationsnetze seien interessant. Sozusagen „alle Sparten in einer Hand“ erklärt der Energieexperte und fügt hinzu: „Bei der Energieerzeugung wird es eine Bündelung von Wasser-, Wind-, Gas- und Solarenergie geben“. Den Schwerpunkt bilden demnach regenerative Brennstoffe. Aber auch die teilweise Erzeugung von Energie direkt beim Kunden mittels eines Mini-Blockheizkraftwerks werde angedacht: „Wir bezahlen die Heizung und bekommen dafür den Strom“, so Backowies. Die Frage nach dem Wie Aufsichtsrat Joukov erinnerte daran, dass die Energieversorgung ursprünglich eine Aufgabe der Kommunen war. Erst in den 20er/30er Jahren des 20. Jahrhundert griff der Staat regulierend ein, um heute wieder den umgekehrten Weg zu beschreiten. „Zurück zu den Kommunen, zu kleinen Einheiten mit Beteiligung der Bürger. Die Frage ist nur noch das Wie.“ Deshalb seien für Joukov die Regierungsbeschlüssen eine geradezu „neue Energiephilosophie“. Handlungsbedarf Das Kommunale Energiekonzept der Stadt Marktoberdorf stellte Richard Siegert vor. Für die städtischen Gebäude sieht er als wichtigste Aufgaben in diesem Konzept die Kontrolle des Energieverbrauchs, die Betriebsoptimierung, die Beeinflussung des Nutzerverhaltens, die Gebäudeanalysen, die Mitwirkung bei Planung, Bau und Sanierung, Energiebeschaffung und die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Die auf dieser Grundlage erzielten Energieeinsparungen stellte Siegert an den konkreten Beispielen Hallenbad, Mittelschule und Umfeld MODEON vor. Überraschung bei den Zuhörern löste seine Feststellung aus, „dass nicht in jedem Fall die Energieeinsparung auch zu einer Kosteneinsparung führt“. Für die Zukunft wünsche er sich ein Klimaschutzkonzept auf Landkreisebene und richtungsweisende, gesetzliche Vorgaben durch die Politik: „Bis 2020 sind es nur noch wenige Jahre und deshalb ist ab sofort Handlungsbedarf dringend notwendig.“ Zum Abschluss der Veranstaltung bedankten sich die Referenten bei den Zuhörern und Diskussionsteilnehmern und wünschten sich eine möglichst hohe Bürgerbeteiligung an den zukünftigen Projekten, ausreichende und sichere Rahmenbedingungen von der Politik und das notwendige Gemeinschaftsgefühl der beteiligten Bürger, Politiker, Investoren und Energieerzeuger. Stimmen aus der Diskussionsrunde In der anschließenden Diskussion antworteten die Referenten auf verschiedene Fragen zu den Themen Energiekonzept, Einspeisevergütung, Sonnenenergie, Informationen in den Schulen und Bürgerbeteiligung an der Energieerzeugung: • Michael Joukov: „Ein Energiekonzept ist dynamisch; man muss es fortentwickeln, da es sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Am aller wichtigsten ist die Energieeinsparung, damit der Verbrauch gleich hoch wie die Energiezeugung ist. Ein Zukauf von Energie rechnet sich nicht. Modulhersteller werden pleitegehen; Zukunft sehe ich noch bei der Solarthermie.“ • Frank Backowies: “Nach derzeitiger Beschlusslage werden sich Freiflächenanlagen nicht mehr rechnen. Um Sonnen- und Windenergie zu speichern, benötigen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten Pumpspeicherwerke. In unserem Versorgungsgebiet sind 80 – 100 Windkraftanlagen möglich; der notwendige Ordnungsrahmen fehlt aber noch. Bei einer Bürgerbeteiligung ist eine Genossenschaftslösung mit Vertrieb über die Banken denkbar.“ • Richard Siegert: „Integriertes Klimaschutzkonzept im gesamten Landkreis - Bürger, Handwerk, Industrie – ist aufzustellen; kleine Gemeinden werden alleingelassen. Die notwendigen Finanzmittel und das Personal müssen von der Politik bereitgestellt werden, um das Energiekonzept voranzutreiben. Wir brauchen nicht nur Mustergemeinden im Landkreis, sondern alle Kommunen, auch die Städte, müssen integriert werden. Eine Analyse, wo sind in der Stadt noch Potentiale für Sonnenenergie vorhanden, ist notwendig“. • Axel Maaß: „In Kindergärten und Schulen muss zu den Themen Klimaschutz und Energie mehr gemacht werden“.

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