Ausstieg ist früher machbar

Der neue Vorstand  von BN 90 /Grüne des Ortsverbandes Kaufbeuren mit Gastredner: Rolf Köhler, MdL Ludwig Hartmann, Ulrike Seifert und Martin Sirch. Foto: Becker

Bei der Jahreshauptversammlung des Kaufbeurer Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen gab es neben routinemäßigen Neuwahlen auch eine Diskussion über die in der Zukunft liegenden Möglichkeiten der alternativen Stromerzeugung. Dazu hatten sie den energiepolitischen Sprecher und MdL Ludwig Hartmann aus Landsberg eingeladen. In seinem Vortrag zum Thema „Energiewende – so schaffen wir’s!“ nahm Hartmann die jüngsten Ereignisse in Japan zum Anlass für eine kritische Bestandsaufnahme insbesondere in Bayern. Der Ortsverband wünscht sich ein Angebot des regionalen Versorgers VWEW für eine zukunftsfähige Stromversorgung aus alternativen Quellen.

In seiner aktuellen Berichterstattung ging Rolf Köhler als Sprecher des Ortsverbandes auf die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit dem Schließungsvorschlag für das Krankenhaus in Marktoberdorf ein. Er sprach von einer schwierigen Situation, in der sich „ökonomische Vernunft mit Gefühl streitet“. Aber eine Entscheidung werde wohl gefällt werden müssen, bei der die Auslastung eine wesentliche Rolle spielen dürfte. Während Anita Diebolder-Zimke und Manuela Zawodny aus dem Vorstand ausschieden, hatte sich Rolf Köhler wieder zur Verfügung gestellt. Als neue gleichberechtigte Sprecherin wurden Stadträtin Ulrike Seifert und als Schriftführer Martin Sirch einstimmig gewählt. In seinem Vortrag schilderte Ludwig Hartmann, wie ihn im Alter von sieben Jahren das Kernkraftunglück in Tschernobyl geprägt habe. Spielplätze seien nicht nutzbar gewesen und die Milch kam nicht mehr vom Bauern nebenan. Auch bei uns sei eine real existierende Gefahr vorhanden. Insbesondere durch die in Bayern vorhandenen Siedewasserreaktoren der sogenannten Baureihe 69 (Anm.: IsarI und die Blöcke A und B in Gundremmingen). Hartmann zählte einige Mängel auf: zu kleine Druckbehälter, nur 40 cm dicke Wände gegenüber Isar II mit 180 cm und die dreifach vorhandenen Sicherheitseinrichtungen liefen in räumlich identischen Kabelschächten. Zukunftsperspektiven Doch die alternative Stromerzeugung habe deutlich zugelegt. Der Einstieg sei größer als die Prognosen und habe seit 2000 eine zehnfache Steigerung erreicht. Leider habe man trotz des alternativen Stromaufwuchses kein AKW weniger. Auch wenn Bayern mit 25 Prozent alternativer Stromerzeugung besser sei als der Bundesdurchschnitt mit 17 Prozent, sei mehr möglich. Insgesamt herrsche kein Engpass an Stromversorgung, sondern ein Überangebot. Da es keine Begründung für große Grundlastkraftwerke gebe, könnten Ende Mai weitere fünf AKWs angeschaltet werden. Um den Strombedarf besser regeln zu können, sprach sich Hartmann für Gaskraftwerke und den dezentralen Einsatz von Gas und Wärmekopplung aus. In diesem Zusammenhang müsse das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hinsichtlich der Förderung angepasst werden. Über die Einrichtungen von Pumpspeicherkraftwerken an geeigneten Orten und entsprechende Stromnetze müsse jetzt diskutiert werden, um 2020 Erfolg zu haben. „Aber“, so Hartmann, „wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es nicht ganz ohne Eingriffe geht!“ Und nach dem Muster von Straße und Schiene müsse das Stromnetz verstaatlicht werden. Der Abgeordnete endete mit den Worten: „Deutschland ist im Umbau alternativer Energien in Europa federführend und Frankreich ist abhängig von uns!“ Der Ortsverband kündigte an, das Gespräch mit dem regionalen Stromanbieter VWEW suchen zu wollen, um über zukunftsfähige Lösungen für alternative Stromangebote für die Menschen in unserer Region zu diskutieren.

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