Austausch eine Plattform bieten

Oberst Richard Drexl, Kommandeur der Technischen Schule der Luftwaffe 1 (TSLw 1) am Fliegerhorst Kaufbeuren, hat die Veranstaltungsreihe „Kaufbeurer Dialog" ins Leben gerufen. Zur Auftaktveranstaltung kam als erster Gastredner der ehemalige Außenminister und Vizekanzler (1992-1998) der Regierung Kohl, Dr. jur. Klaus Kinkel.

Der Gedanke von Oberst Drexl, eine „sicherheitspolitische Gesprächsreihe an der Nahtstelle zwischen Bundeswehr und Öffentlichkeit zu begründen, die dem Austausch eine Plattform bieten soll", wurde letzten Donnerstag im Offizierheim des Fliegerhorstes in die Tat umgesetzt. Ziel dieser Reihe wird sein, die Bundeswehr als Bestandteil der Gesellschaft heraus zu stellen. Und nicht zuletzt soll der hiesige Fliegerhorst als „integraler Bestandteil des soziologischen und kulturellen Geschehens im Allgäu (nicht als mit Stacheldraht umzäunter Arbeitsplatz)" verdeutlicht werden. In Stichpunkten ging Oberst Richard Drexl auf das Thema „Kaufbeurer Dialog" - warum? ein: Demokratie verlangt die Beteiligung der Bürger an der Diskussion von Entscheidungen; erwartet eine Verankerung wichtiger Zukunftsfragen in der Bevölkerung; die Sicherheitspolitik ist keine Frage nur der Bundeswehr; keine „Kommunikation in eine Richtung, sondern aktive Diskussion - deshalb Kaufbeurer Dialog". In der Überleitung zum Gastredner meinte Drexl: „Dr. Kinkel ist ein hervorragender Kenner der internationalen Spitzen- diplomatie und kompetenter Zeitzeuge politischer Entwicklungen.“ Dr. Klaus Kinkel selbst hatte in der kurzen Zeit seines (2.) Aufenthaltes in Kaufbeuren eine Stadtrundfahrt geboten bekommen und konnte an der Schule den „Eurofighter" besichtigen. Bei einer vorgezogenen Pressekonferenz „outete" er sich als „massiver Verfechter des Wehrdienstes, ging davon aus, dass das 'Mandat in Afghanistan bestätigt bzw. verlängert wird' (was am Freitag im Bundestag geschah) und sagte, er „glaube nicht, dass sich der Einsatz dort in den nächsten zwei bis drei Jahren schon beenden lässt". Und: „Die Politik war 'zu feige', klar zu sagen, was dort abläuft. Die Zustimmung in der Bevöl-kerung zu unserer Armee ist weiterhin hoch, aber zum Einsatz in Afghanistan ist sie schwindend". Auf „Europa" eingehend, meinte Dr. Kinkel: „Wir sind keine 'Vereinigten Staaten von Europa', sondern Einzelstaaten mit vielfältigen Eigeninteressen. Zu meiner Zeit waren es 16 Mitgliedsstaaten, heute sind es 27 mit rund 500 Millionen Menschen. Ein Europa in dieser Größe ist nicht mehr zu 'handeln' (engl.) ohne starke Führung durch Frankreich und Deutschland. US-Präsident Obama hat einen 'Hühnerhaufen' in Europa vorgefunden". Wiewohl Dr. Kinkel mehrmals betonte, stets seine „eigene Meinung" zu äußern, wie z.B. zur Innenpolitik: „Eine Koalition, die mit einer guten Mehr- heit vom Wähler ausgestattet wurde, dies aber nicht 'auf die Straße' bringt. Die Menschen verstehen die Streitereien der Koalition nicht. Die sollen erst mal langsam machen, Ruhe und Gelassenheit muss einkehren". Und weiter: „Wenn wir Bildung nicht zum Hauptthema machen, werden wir als eine der führenden Industrienationen absacken.“ Oder: „Es besteht Angst in der Bevölkerung vor der 'nicht fassbaren" Globalisierung". Bezogen auf die Bundeswehr, auf die er einige Male konkret einging, bekannte Kinkel „Mitschuld": „Die Ausrüstung ist seit der Wende stark vernachlässigt worden. Hier müssen klare politische Signale her zu deren Verbesserung. Die Nato muss insgesamt zu einer neuen Definition kommen".

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