Ausweitung oder Einstellung?

Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen mit Kaufbeurer Schülern ist sich Oberbürgermeister Bosse der Bedeutung der Jugendsozialarbeit bewusst. Foto: Frisch

Seit dem Jahr 2003 fördert das Bayerische Sozialministerium die sogenannte „Sozialarbeit an Schulen“, um verhaltensauffälligen Jugendlichen eine Hilfestellung zu bieten und auf die Probleme der jungen Menschen frühzeitig einzugehen. Auch das Thema „Integration“ spielt hier eine große Rolle. In Kaufbeuren ist an der Gustav-Leutelt, der Jörg-Lederer und der Josef-Landes-Schule ein Sozialarbeiter vor Ort, an der Sophie-La-Roche-Realschule wurde zudem eine ausschließlich von der Jugendhilfe finanzierte entsprechende Halbtagsstelle eingerichtet. „Eine wichtige und beeindruckende Arbeit, die die Beteiligten mit großem Engagement durchführen“, so Oberbürgermeister Stefan Bosse auf der jüngsten Stadtratsitzung.

Dort berichtete Andrea Serwuschok, seit 2001 Jugendsozialarbeiterin an der Gustav-Leutelt-Schule, zusammenfassend über die bisherigen Schwerpunkte, Aufgaben und Erfolge der Kaufbeurer Jugendarbeit an Schulen. Dabei stellte sie auch drei konkrete, anonymisierte Fälle vor, an denen deutlich wurde, wie den betroffenen Jugendlichen durch Maßnahmen wie Beratung, Stärkung der Sozialkompetenz oder Hilfe beim Umgang mit Aggressionen geholfen werden kann. „Hier werden Jugendliche aufgefangen, die durch andere soziale Netze durchrutschen würden“, betonte Wirtschaftsreferent Siegfried Knaak. Die Aufgabe sei hier nicht, wie häufig missverstanden würde, frei wählbare Angebote für alle Jugendlichen zu machen, sondern wirklich nur den Problemfällen zu helfen, erklärte Andrea Serwuschok. Der Sinn dieser Einrichtung wollte aber nicht allen Stadträten klar werden, wie sich in der anschließenden Diskussion zeigte. Ernst Schönhaar (CSU) fragte nach der Zusammenarbeit mit bereits vorhandenen Beratungsstellen wie der im „Baumgärtle“: „Überschneiden sich da nicht die Aufgabenfelder“? Serwuschok verwies aber darauf, dass eine Beratungsstelle ja nur dort eingreifen könne, wo die Eltern oder Jugendlichen von sich aus Rat suchten. Das seien aber oft gerade nicht die Familien, in denen ein dringendes Eingreifen erforderlich wäre. Karl-Georg Bauernfeind (CSU) argumentierte, ihm sei es lieber, wenn „statt Sozialarbeitern die Eltern ihre Aufgaben besser wahrnehmen würden“. Wie dies allerdings erreicht werden sollte, blieb unklar. Als Georg Kollmeder (WIN) die Frage stellte, ob Serwuschok denn auch über die „Umtriebe einer Jugendbande in Neugablonz“ Bescheid wüsste, griff der Oberbürgermeister ein: „Wir sollten beim Thema bleiben. Es geht hier ganz konkret um die Jugendarbeit im Bereich Schule, Frau Serwuschok ist nicht für alle Probleme im ganzen Stadtteil zuständig!“ Die Notwendigkeit der Sozialarbeit an Schulen zeige sich unter anderem dabei, dass auch die örtlichen Grundschulen schon bei der Jugendhilfe angefragt hätten, ob dort ebenfalls derartige Stellen geschaffen werden könnten. „Natürlich wäre es sinnvoll, bestimmte Probleme bereits in dieser Altersstufe anzugehen und so deren Anwachsen zu verhindern“, so Andrea Serwuschok. Als die Versammlung beim Beschlussvorschlag angelangt war, der lautete, den Bericht zur Kenntnis zu nehmen und die Jugendsozialarbeit an Schulen weiter zu unterstützen, erklärte Dr. Thomas Jahn (CSU), er könne dem zweiten Teil so nicht zustimmen. Stadträtin Catrin Riedl-Schmidt zeigte sich empört: „Eine Änderung der Beschlussvorlage würde es vereinfachen, die Sozialarbeit an Schulen abzuschaffen!“ Dies sei allerdings nicht der Fall, so Bosse: „Das letzte Wort wird wie immer in den Haushaltsdebatten gesprochen.“ Schließlich wurde die Vorlage geändert in „Wir danken den Beteiligten der Jugendsozialarbeit an Schulen für ihren wertvollen Dienst“. Diese wurde dann einstimmig angenommen.

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