Der "Ellenator" ist ein vollwertiges Fahrzeug – auch für junge Leute

"Dreirad" der besonderen Art

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Zwei Fahrzeuge – ein Konzept: Wenzel Ellenrieder mit zum Ellenator umgebauten Fahrzeugen vom Typ Skoda Fabia (li.) und einem Seat Ibiza.

Dösingen – Mit 16 ein richtiges Auto, welcher Jugendliche träumt nicht davon? Eine Neuheit auf dem Kraftfahrzeugsektor macht dies nun möglich. Der Dösinger Unternehmer Wenzel Ellenrieder hat mit einem vom ihm entwickelten Fahrzeugumbau herkömmlicher Modelle quasi eine „Weltneuheit“ auf den Markt gebracht: den sogenannten „Ellenator“ – abgeleitet aus seinem Namen.

Damit dürfen bereits Jugendliche ab 16 Jahren mit dem A 1-Führerschein solche Fahrzeuge auf allen Straßen bewegen. 

Die Idee kam dem Inhaber eines Kraftfahrzeughandels mit angegliederter Werkstatt, als sein Sohn 16 Jahre alt wurde. Damit durfte der Nachwuchs mit dem „kleinen“ Motorradführerschein (A 1) die von Piaggio gebaute – und neben anderen Fahrzeugen vom Vater vertriebene größere Variante des „Ape“ fahren. 

„Solch ein Fahrzeug ist für junge Leute zwar besser als nichts“, so der Kraftfahrzeugmeister, „doch hinsichtlich Sicherheit und Komfort ist das kein Ersatz für ein Auto.“ Zumal viele gerade in dem Alter in der Ausbildung im ländlichen Raum unterwegs wären und nicht immer öffentliche Verkehrsmittel verfügbar seien. 

Möglich geworden war dies durch eine Gesetzesänderung auf EU- und Bundesebene im Januar 2013, wonach mit dem A 1-Führerschein dreirädrige Fahrzeuge über 45 km/h gefahren werden dürfen. Nur die Leistung von rund 15 kW (20 PS), nicht aber der Hubraum war nun der limitierende Faktor. 

„Die Idee in den Köpfen war, einen herkömmlichen Kleinwagen so umzubauen, dass er als Dreirad zugelassen werden konnte“, erzählte Ellenrieder dem Kreisboten. Erste Gespräche mit dem für solche Dinge zuständigen TÜV signalisierten „grünes Licht“. 

Der Tüftler machte sich mit eigenen Mitteln ans Werk und konstruierte eine Hinterachse mit einem Rad an einem VW Polo, was nicht den erhofften Erfolg brachte. Der Durchbruch kam mit dem ersten Prototyp, einem Seat Ibiza, zwei Räder in einem maximalen Abstand von 46,5 Zentimeter anzuordnen. Sie gelten gemäß Straßenverkehrs-Zulassung als ein Rad. „Die sehr gute Zusammenarbeit mit einem Konstrukteur hinsichtlich der Achsenkonstruktion und das Erreichen der neuen Werte für Abgas und Geräusche durch die Motorreduzierung brachten uns entscheidend nach vorne“, so der Meister. 

Die Endabnahme in München zwei Tage vor Weihnachten im letzten Jahr bezeichnete Ellenrieder als „Weihnachtsgeschenk“. Anfang Januar folgte die Zulassung des zweiten Fahrzeugs. Die Konstruktion ist als Patent für Deutschland und die EU angemeldet. 

Für den Umbau eignen sich bis zu fünf Jahre alte gebrauchte Fahrzeuge vom Typ Polo, Seat Ibiza und Skoda Fabia. Die erforderlichen Umbauteile werden extern hergestellt und angeliefert, der Um- und Zusammenbau erfolgt ausschließlich in der eigenen Werkstatt in Dösingen. 

Eine Probefahrt zeigt: Nicht nur Stabilität und Fahrverhalten lassen keine Wünsche offen, auch die Geschwindigkeit von 90 km/h wird auf freier Strecke schnell erreicht. Selbst extreme Kehrtwendungen werden klaglos und ohne ein Gefühl von Unsicherheit wie in einem „Großen“ absolviert. „Im Endergebnis erhält man einen vollwertigen Viersitzer, der sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt für jugendliche Fahranfänger erschwinglich ist und allen Komfort bietet“, resümiert Wenzel Ellenrieder. 

Auto Ellenrieder in Dösingen präsentiert am heutigen Samstag, 28. März , von 9 bis 16 Uhr den Ellenator zum Probefahren und Informieren. Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt.

von Wolfgang Becker

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