„Die unbekannten Seiten des Allgäus“

Hexenwahn und Blutgericht

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Mit Rucksack, Wanderstöcken und Kamera unterwegs im Allgäu: Autor Peter Würl.

Eine Liebeserklärung an mystische, verwunschene Plätze in seiner Wahlheimat Allgäu hatte Peter Würl schon 2012 in dem Taschenbuch „Wunderliches Allgäu“ herausgebracht. 2014 folgte der aufgrund seiner Einkehrtipps auch hübsch wandertaugliche Band „Geheimnisvolles Allgäu“ mit Sagen und Erzählungen, die sich oftmals um vom Tourismus völlig unberührte Orte ranken. Nun ist Anfang des Jahres - wieder in der Allgäu Edition des Hephaistos-Verlags - Würls dritter Allgäuführer „Die unbekannten Seiten des Allgäus“ erschienen.

Darin spürt Autor Peter Würl zunächst dem Schicksal der bedauernswerten Frauen nach, die Opfer der auch im Allgäu grassierenden Hexenverfolgungen wurden, und beschäftigt sich mit der Allgäuer Blutgerichtsbarkeit im Allgemeinen. Die entdeckten Geschichten verknüpft er mit konkreten Orten: So hat er zum Beispiel nach langen Mühen den Felsen gefunden, an dem der Überlieferung nach die todgeweihten Verurteilten von Irsee auf dem Weg zum Galgen ihr letztes Gebet sprechen durften. Darüber hinaus hat er den Kreis seiner Recherchen inzwischen von Dirlewang im Norden bis Friesenried im Süden ausgeweitet, hat sich im Geiste in den Bauernkrieg und den dreißigjährigen Krieg zurückversetzt und keltische Viereckschanzen, alemannische Reihengräber, uralte Hinrichtungsstätten und vergessene Burgstellen aufgesucht. Neben den eigentlichen Geschichten berichtet Würl auch von seinen spannenden Recherchen und den Zufällen, denen er immer wieder seine Funde verdankte. Illustriert ist das Bändchen mit Schwarz-Weiß-Fotos des Autors sowie Grundrißzeichnungen aus dem Verlagsarchiv. Auch ein Literaturverzeichnis fehlt nicht. Außerdem ließ sich Würl wieder zu dem einen oder anderen Gedicht inspirieren.

Peter Würl: „Die unbekannten Seiten des Allgäus“; Edition Allgäu im Verlag Hephaistos, Immenstadt 2017; 96 Seiten im Format 14,8 x 21 cm, Softcover; zu beziehen in Allgäuer Buchhandlungen oder über www.edition-allgaeu.de.

Peter Würl, geboren 1946 im tschechischen Tachau und im bayrischen Geretsried aufgewachsen, war Mitte der 1980er Jahre in das ihn faszinierende Allgäu gezogen. Dort hatte er das alte Gemeindehaus in Ronsberg bei Obergünzburg erworben und voller Neugier begonnen, zunächst der Geschichte seines Hauses, des früheren Armenhauses des Orts, nachzuforschen. Die Recherchen machten ihm so viel Spaß, dass er sich in der Folge auch die nähere und weitere Umgebung erwanderte, in Höhlenspalten und durch Gebüsche kroch und von den oft misstrauischen bis „knurrigen“ Einheimischen Informationen erfragte, die zum Teil nicht einmal in den ebenfalls durchforsteten Archiven zu finden waren. Auf der Suche nach den Grundmauern des Schlosses in Neuenried entdeckte Würl schließlich sogar – „aus Versehen“, wie er sagt – Reste eines römischen Gebäudes, welche inzwischen unter Bodendenkmalschutz stehen.

Mit seinen drei Allgäu-Bändchen lädt der Autor, der auf seiner Homepage www.peter-wuerl.de von sich behauptet, er sei im „Unruhestand“, die Leser ein, an seinen Erkenntnissen auf einer geistigen Zeitreise teilzuhaben oder sich die „Tatorte“ mit den handlichen Führern im Rucksack gar selbst zu erwandern.

von Ingrid Zasche

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