Breite und Geschwindigkeit reduzieren

B12-Ausbau: Aktionsbündnis fordert geringere Ausbaubreite

Grafik B12 Plan 28 Meter
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Die B12 soll vierspurig auf einer Breite von 28 Metern ausgebaut werden. Viel zu groß, sagen die Ausbaugegner. Dieser Querschnitt entspricht dem geltenden Regelwerk, berichtet das Bundesverkehrsministerium.

Landkreis/Kaufbeuren – Der anvisierte B12-Ausbau rückt aktuell immer wieder in den Fokus. Vor allem die Kritiker dieser Maßnahme melden sich verstärkt zu Wort. Ihnen ist vor allem die anvisierte Breite der neuen Trasse mit 28 Metern sowie die unbeschränkte Geschwindigkeit ein Dorn im Auge. Kürzlich traf sich das Aktionsbündnis „B12-Ausbau – so nicht!“ zum ersten Mal nach der Sommerpause und stellte fest: „Eine B12 mit einem Regelquerschnitt (RQ) von 28 Metern und unbeschränkter Geschwindigkeit wird es mit uns nicht geben!“ 

Es waren Vertreter ganz unterschiedlicher Verbände zum Runden Tisch in den Germaringer Hof gekommen. Von B12-Anwohnern, Landwirten und Bürgermeistern anliegender Gemeinden über Grünen-Politiker, Bund Naturschutz bis hin zu Thomas Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat von Kempten. Hartmann betonte, welche Veränderungen die Stadt Kempten mit dem Mobilitätskonzept 2030 bearbeite, um den Autoverkehrs-Anteil zu reduzieren. Dem laufe ein Autobahnbau B12 komplett zuwider. Alle Beteiligten eint die Meinung, dass die Bundesstraße auf anderem Wege sicherer gemacht werden müsse als mit einem derart großen Bauvorhaben ohne Tempolimit, wie es derzeit geplant ist.

Die Anwohner wüssten noch gar nicht, was mit dem Ausbau der B12 in seiner jetzigen Form an Emissionen auf sie zukomme. Und bei 28 Metern Straßenbreite sei im jetzt geplanten Projekt noch längst nicht Schluss. Dazu kämen Wildschutzzäune und Lärmschutzwälle. „In manchen Abschnitten werden Schneisen von 40 Metern Breite für die Trassen freigehalten“, erklärte Michael Jahn, Landwirt aus Germaringen und Vertreter der Agenda 21 Arbeitskreis Klimaschutz Kaufbeuren.

Er berichtete außerdem von den Unfallkostenraten, die wiederum Einfluss auf die Versicherungsbeiträge eines jeden Bürgers hätten. „Vor Jahren hieß es schon, dass die schlechtesten Autofahrer aus Kaufbeuren kämen, wir zahlen mit die höchsten Beiträge und jetzt wird mit dem Argument der Sicherheit eine Autobahn geplant, obwohl es bessere Lösungen gibt.“ Auf Autobahnen mit einem RQ von 28 Metern liege laut Bundesanstalt für Straßenwesen die Unfallkosten bei rund 13 Euro pro 1000 gefahrenen Kfz-Kilometern. Dagegen liege die Rate bei Straßen mit einem RQ von 21 Metern (vierspurig, ohne Seitenstreifen) und beschränkter Geschwindigkeit auf 100 Stundenkilometer bei rund zehn Euro, rechnete Jahn den Anwesenden Besuchern vor .

Umfragen, die in den sozialen Medien im Juli und August durchgeführt wurden, spiegelten wider, dass die an der Umfrage beteiligten Bürger mehrheitlich gegen einen Ausbau der B12 auf Autobahnbreite und ohne Geschwindigkeitsbeschränkung seien und Optionen mit geringerem Flächenverbrauch und Tempolimit bevorzugten, berichtete Robert Herbst, Sprecher des Ortsverbands Markt­oberdorf von Bündnis 90/Die Grünen.

Josef Kreuzer, Kreisgruppen-Vorsitzender des Bund Naturschutz in Kaufbeuren und dem Ostallgäu, zitierte den für Verkehrssicherheit zuständigen EU-Kommissar Matthew Baldwin. Dieser habe in einem Interview erklärt, dass überhöhte Geschwindigkeit in einem Drittel der tödlichen Zusammenstöße eine entscheidende Rolle spiele. So zeigten es auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Auch der EU-Kommissar fordert laut Kreuzer daher: „Wir müssen einen Weg finden, die Geschwindigkeiten zu reduzieren“. Umweltschützer Kreuzer nannte als Beispiel die A8 im rund 70 Kilometer langen sechsspurigen Abschnitt zwischen Adelzhausen und Günzburg, wo sich pro Jahr 1000 Unfälle ereignen würden.

Breite ist Regelkonform

Wie berichtet, hatte sich der hiesige Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer in einem Schreiben erkundigt, ob das Bundesverkehrsministerium bereit wäre, auch einen geringeren Querschnitt zu akzeptieren. Die klare Antwort aus Berlin: Aus Gründen der Verkehrssicherheit sei man nicht bereit, vom aktuell geltenden Regelwerk abzuweichen. Somit könne weder auf den Seitenstreifen verzichtet, noch die Breite reduziert werden. Nur bei Stadtautobahnen bis zu 15 Kilometern Länge sei eine Abweichung möglich, dies liege bei der B12 aber nicht vor.

MdB Stracke geht davon aus, dass diese Thematik auch Gegenstand der Erörterung im Planfeststellungsverfahren der Regierung von Schwaben zum Planabschnitt zwischen Buchloe und Untergermaringen sein wird.

von Kai Lorenz

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