„Für wenige Minuten Zeitersparnis“

B12-Ausbau: Protest des Bund Naturschutz mit Anschauungsmaterial und klaren Worten

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Direkt an der B12 zeigt eine Folie wie breit die Straße laut Bauplan sein wird.

Germaringen – „Dieser Luxusausbau ist absolut unnötig.“ Mit diesen Worten brachte der Bund Naturschutz-Landesvorsitzende Richard ­Mergner die Meinung des Umweltschutzverbands auf den Punkt. In Germaringen, direkt an der B12, fand am vergangenen Mittwoch eine öffentliche Bildaktion statt.

Der Bund Naturschutz (BN) formulierte bei dieser Protestaktion seine Einwände und verdeutlichte bildhaft, welche räumlichen Ausmaße die dann „autobahngleiche“ B12 haben wird.

Unter der Aufsicht einer Polizeistreife und mit der Sicherung und Absperrung einer Fahrspur durch das staatliche Bauamt Kempten, sammelten sich die rund 35 BN-Mitglieder, Interessierte und Vertreter der Gemeinde und des Bayerischen Bauernverbands direkt am zukünftigen Ort des Geschehens. Nachdem vom 16. Juni bis 15. Juli die Planunterlagen öffentlich in den jeweiligen Gemeinden zur Einsichtnahme auslagen, können nun noch bis zum 17. August Einwände eingereicht werden (der Kreisbote berichtete mehrfach). Davon hat der BN einige.

„Völlig überdimensioniert“ nannte Josef Kreuzer, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Kauf­beuren-Ostallgäu die „weder klima- noch umweltfreundliche Planung“. Die B12 soll auf 51 Kilometer zwischen Buchloe und Kempten autobahnähnlich ausgebaut werden. „Leider können wir die Zeit nicht zurück drehen,“ sagte der 2. Bürgermeister Georg Reisach. Die Gemeinde Germaringen bedauere es, dass zu Beginn der Planung nicht erkannt wurde, dass es sich dabei um einen Autobahnbau handle. „Die Gemeinde sieht keine Notwendigkeit darin“, sagte er.

Weit über 100 Hektar

Dr. Günter Räder (Grüne) organisierte die Folienaktion mit. Und hilft beim aufräumen.

Mit einer 30 Meter langen und zwölf Meter breiten, schwarzen Folie, sollte die Dimension der vierspurigen B12 veranschaulicht werden. Umweltschützer, unter ihnen Dr. Günter Räder (Bündnis 90/Grüne), rollten diese entlang der gesperrten Straße aus. Als Teil des Aktionsbündnisses „B12 Ausbau – So nicht!“ (wir berichteten) half Räder bei der Organisation des Projekts. „Um wenige Minuten Fahrzeit zu sparen, wird eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 130 bis 140 Fußballfeldern zerstört“, warnte Mergner vor einer „verkappten Allgäu-Autobahn“. Der Gesamtflächenverbrauch liege bei weit über 100 Hektar, so der BN. Das entspräche mindestens drei landwirtschaftlichen Betrieben, sagte Andreas Dopfer vom Bauernverband Obergermaringen.

Tagesausflüge attraktiver

Der heutige bauliche Zustand der B12 würde auch für die zukünftigen Verkehrszahlen absolut ausreichen. „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“, ist der BN-Landesvorsitzende überzeugt. Das Allgäu klage letztlich über zu viele Tagestouristen. „Die schaufelt man sich auf diesem Wege doch hier her!“ Der Ausbau mache Tagesausflüge ins Allgäu nochmal deutlich attraktiver und zerstöre so den Lebensraum vieler Tierarten und auch die Basis für einen qualitativ hochwertigen Übernachtungstourismus, ist der BN überzeugt.

Der Lärm sei ein weiterer Aspekt. Josef Kreuzer weiß aus eigener Erfahrung, dass bereits jetzt der Verkehrslärm bis „am Hang, ganz am Ende Germaringens“ zu hören ist. Zukünftig wird es aber kein Tempolimit mehr geben. „Eine massive Belastung kommt auf die Bevölkerung zu“, so der BN-Kreisgruppen-Vorsitzende. Außerdem kämen zum Straßenquerschnitt die Lärmschutzwälle noch hinzu. Weiterer Flächenverlust sei also die Folge.

Der Verkehr nimmt zu

B12-Projekleiter Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt Kempten bleibt dabei: „Der Ausbau ist wichtig für die Region, Wirtschaft, die Bewohner und den Tourismus.“ Die hohe Verkehrsbelastung sei da und der Verkehr nehme zu. Dabei komme das Thema Sicherheit zu tragen. Im Ostallgäu gab es auf der B12 „in den vergangenen fünf Jahren zehn Unfälle mit Todesfolge und 85 mit Schwerverletzten“, sagte Hanrieder. 

Er habe Verständnis für die Gegenseite, doch „die Gründe für den Ausbau sind nicht wegzudiskutieren“. Auch gilt zu bedenken, dass bei einem Unfall, die Unfallstelle schneller gesichert werden kann. Ferner müsse der Verkehr nur noch einspurig gesperrt werden. Weniger Fahrzeuge würden dann über das Hinterland umgeleitet.

Direkt an der B12 zeigt eine Folie wie breit die Straße laut Bauplan sein wird.

„Die Steuergelder für den Ausbau, müssen in den Klimaschutz und regionale Wirtschaftskreisläufe gesteckt werden“, forderte Mergner. Vor allem müsse man die Elektrifizierung der Bahn vorantreiben, nannte er eine Alternative für den Ausbau.

Der BN wird seine Einwendungen der Regierung von Schwaben vorlegen. Jeder könne mit seinen eigenen Worten Einsprüche geltend machen, erklärte Kreuzer. Die Regierung müsse sich dann damit auseinander setzen.

Die Argumente und Alternativen des BN sind unter www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen.html zu finden. Alle Informationen zum Ausbau der B12 gibt es unter www.derallgäuschnellweg.de und die Baupläne sind unter www.regierung.schwaben.bayern.de/Aufgaben/Bereich_3/PFV_B12/PFV_B12.php abrufbar.

Selma Höfer

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