Ob Bahn oder Straße: Politik am Zug

Verkehrsminister Reichhart kennt nach Verkehrsdialog die Ostallgäuer Anliegen ganz genau

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Nach dem Verkehrsdialog beim Pressegespräch: Dr. Hans Reichhart, Minister für Wohnen, Bau und Verkehr, mit MdL Angelika Schorer und MdB Stephan Stracke.

Marktoberdorf – Ob es nun Verbesserungen auf der Schiene sind oder ob es um Investitionen in Straßen geht: Bei beiden Anliegen ist die Politik am Zug. Der Freistaat Bayern müsse da mitanschieben, weil die Bahn das Geld dafür nicht habe, bekräftigte Minister Dr. Hans Reichhart nach einem Verkehrsdialog mit Bürgermeistern in Marktoberdorf. Die Anliegen aus dem Ostallgäu kennt er jetzt ganz genau.

Es sei jetzt nicht mehr „die Zeit des Redens, sondern des Umsetzens“, betonte der bayerische Verkehrsminister. Der Freistaat werde beim Bund bis Ende Februar das Netz zwischen Buchloe und Augsburg als Strecke benennen, wo das „Dieselloch“ beseitigt werden soll. Dies sei, wenngleich nur der erste Schritt, ein großer Sprung in die Zukunft, so die Einschätzung Reichharts.

„Gut, dass er den Aufschlag macht“, meinte Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke (Kaufbeuren) zur Aussage des bayerischen Ministers. Der Klimaschutz könne auf Dauer nicht mit Dieselfahrzeugen auf den Gleisen dargestellt werden. Stracke formulierte ein weiteres Anliegen: dass zwischen Kempten und Kaufbeuren die Orte Günzach, Aitrang (nach einer Reaktivierung) und Biessenhofen als Haltepunkte stündlich bedient werden sollen.

Barrierefrei in Marktoberdorf

Der Marktoberdorfer Bahnhof wird nach den Worten des bayerischen Verkehrsministers, der aus Günzburg stammt, 37 Jahre alt und seit November 2018 im Amt ist, bis Ende 2022 für vier Millionen Euro barrierefrei ausgebaut. An der Bahnlinie von Buchloe nach Füssen werden vier Stationen neu errichtet: in Füssen-West, in Markt­ober­dorf-Nord, in Kaufbeuren im Haken und bei Neugablonz. Die ersten drei werden bis Ende 2022 fertiggestellt, der Haltepunkt bei Neugablonz bis 2024. Dies bedeute „Mehrwert für die Region“, kommentierte Minister Reichhart.

Landtagsabgeordnete Angelika Schorer erwähnte die Notwendigkeit, zusätzliche Parkmöglichkeiten zu schaffen. Die finanziellen Mittel vom Land Bayern seien unerlässlich, um den Öffentlichen Personennahverkehr im Ostallgäu auszubauen. Gewiss fließe aktuell – Maßnahmen auf Straßen und Schienen zusammengerechnet – das meiste Geld für schwäbische Landkreise ins Ostallgäu. Doch Schorer erinnerte daran, dass es zuvor „lange Wartezeiten“ gegeben habe.

Landrätin Maria Rita Zinnecker schilderte gegenüber Verkehrsminister Reichhart, der Schienenverkehr im Ostallgäu bleibe – wie auch in anderen Bereichen des Allgäus – das Sorgenkind. Der Takt sei nicht ausreichend; insgesamt gebe es zu wenige Verbindungen von Füssen nach München beziehungsweise nach Augsburg sowie auch für den Abschnitt zwischen Buchloe und Kempten. Die Kapazitäten bei den Fahrzeugen seien zu gering, Züge seien überfüllt.

Landrätin Zinnecker, die dem Verkehrsminister beim Termin in Marktoberdorf einen Brief mit den wichtigen Anliegen der Region zum Bahnverkehr überreichte, wies erneut auf die fehlende Elektrifizierung der Allgäuer Strecken hin. Auch bedauerte sie, dass der Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 2018 nicht umgesetzt werde, der vorsieht, dass die Verbindung zwischen Augsburg und Füssen Pilotstrecke für alternative Antriebstechniken werden soll. Egal ob Lokomotiven mit Hybrid oder Wasserstoff erprobt beziehungsweise eingesetzt werden – „wir nehmen beides“, betonte Zinnecker.

Die Landrätin kam auch auf die unbeschrankten Bahnübergänge im flächengroßen Landkreis zu sprechen. 55 sind es an der Zahl. Heuer war im Januar bei einem schweren Unfall an einem ungesicherten Bahnübergang in Pfronten ein Todesopfer zu beklagen, als ein Auto von einem Zug erfasst wurde. Markus Kreitmeier, Bereichsleiter für den Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Kempten, merkte zu dem Thema an, dass man da in Gesprächen mit der Bahn erfahrungsgemäß „dicke Bretter bohren“ müsse.

Zwei Kreisel oben auf der Wunschliste

Beim Verkehrsdialog mit den Bürgermeistern kamen auch Maßnahmen auf der Straße zur Sprache. Auf der Wunschliste ganz oben: zwei Kreisverkehre. Der erste soll bei Obergünzburg entstehen an der Kreuzung mit der Staatsstraße 2055. Der andere in der Gemeinde Halblech, wo die Kreisstraße OAL 1 in die B 17 mündet.

jj

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