Klare Ansage

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Laut Bahn sehe man am Kaufbeurer Bahnhof bis 2030 keinen Handlungsbedarf, da die Bahnsteige in einem „guten Allgemeinzustand“ seien.

Kaufbeuren – Die Deutsche Bahn sieht bis 2030 keinen Handlungsbedarf am Kaufbeurer Bahnhof. Das teilte MdL Bernhard Pohl in einer Pressemitteilung mit. Ein Vertriebsbeauftragter der Bahn habe dies in einem Gespräch im Innenministerium zum barrierefreien Ausbau des Kaufbeurer Bahnhofs erklärt. An dem Gespräch Anfang der Woche nahm neben Pohl auch Staatssekretär Gerhard Eck teil.

Pohl reagierte mit „Enttäuschung und Unverständnis“ auf die Nachricht, dass auch für den Planungszeitraum 2019 bis 2021 der Kaufbeurer Bahnhof nicht für einen barrierefreien Ausbau vorgesehen ist. Laut Bahn sehe man bis 2030 keinen Handlungsbedarf, da die Bahnsteige in einem „guten Allgemeinzustand“ seien. Bahnhöfe würden dann ertüchtigt, wenn bauliche Maßnahmen anstehen, überbrachte der Vertriebsbeauftragten der DB Station und Service AG Regionalbereich Süd, Herbert Kölbl, die Haltung der Bahn und des Bundes.

„Es kann doch nicht richtig sein, dass man jeden Hasenstall ausbaut und einen zentralen Bahnhof für eine ganze Region einfach vergisst“, empört sich Pohl.

Auch Eck wolle es nicht hinnehmen, dass man eine Stadt mit fast 50000 Einwohnern einfach links liegen lässt. Er übt in diesem Zusammenhang deutliche Kritik an der Bahn und am Bund, die ihrer Verantwortung hier nicht nachkämen.

Pohl erinnerte in diesem Zusammenhang an die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention: „Die Herstellung von Barrierefreiheit darf nicht davon abhängen, ob ein Bahnsteig marode ist. Bahnhöfe, die für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nicht zugänglich sind, leiden an einem wesentlichen und grundsätzlichen Mangel, der unabhängig von anderen Sanierungserfordernissen behoben werden muss“, erklärt Pohl. Im Übrigen habe dieses Kriterium im S-Bahn-Bereich von München wohl überhaupt keine Rolle gespielt. Dort seien die Bahnhöfe durchgängig barrierefrei. „Sind die Allgäuer gegenüber dem Münchener Umland Menschen zweiter Klasse?“, fragt Pohl im Hinblick darauf, dass neben Kaufbeuren auch Kempten und Marktoberdorf sowie Immenstadt und andere Bahnhöfe nicht barrierefrei ausgebaut sind.

Der Staatssekretär brachte die Idee ins Spiel, Kaufbeuren könne doch die Planungen vorfinanzieren, um die Maßnahme zu beschleunigen. Dies sei aber, so Kölbl, nicht vorgesehen. Die Stadt müsse die Planungskosten dann schon selbst tragen und habe überdies das Risiko, dass auf absehbare Zeit die Barrierefreiheit nicht realisiert werde. Dies brachte Staatssekretär Eck laut Pohl „vollends in Rage“. Es könne doch nicht sein, dass derjenige, der für die Planung zuständig sei, sich einer Kostenübernahme verweigere, wenn die hierfür gar nicht zuständige Kommune das Geld vorstrecke.

Die Sache geht nun in die nächste Runde. Eck will eine Gesprächsrunde mit dem Konzernbevollmächtigen der Deutschen Bahn, Klaus-Peter Josel, einberufen. Dann soll auch Wirtschaftsstaatssekretär Franz Pschierer teilnehmen, der am Montag verhindert war. Pohl ist überzeugt, dass Eck der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Kaufbeuren wichtig sei. Auch die Petition von 3500 Menschen nehme er ernst. „Wir werden darum kämpfen, dass demnächst die Planungen für den barrierefreien Ausbau beginnen und auch zeitnah realisiert werden.

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