Hunderttausende Euro von Kundenkonten erschlichen – Schaden für die Bank ist "maximal"

Bankangestellte zockt Kunden ab

+
Bei der Raiba in Oberostendorf hat offenbar eine Mitarbeiterin über Jahre hinweg Kunden betrogen.

Oberostendorf – Mit der Schreibmaschine selbst verfasste Kontoauszüge und Bankkunden, die jahrelang einer mutmaßlichen Betrügerin blind vertrauten: Was sich im Geschäftsgebiet der Raiffeisenbank Kirchweihtal eG – genauer gesagt im Oberosten- dorfer Ortsteil Lengenwang – abgespielt hat, liest sich wie der Plot eines Krimis.

Für zwölf überwiegend ältere Kunden und Werner Schempp, Vorstandsmitglied der Raiba Kirchweihtal, ist es aber bittere Realität, dass eine Mitarbeiterin die Kunden im Rahmen eines „Heimservice“ über Jahre um mehrere hunderttausend Euro betrogen hat. Mit demKreisbote sprach Schempp über diesen besonderen Betrugsfall. 

Alles begann im Jahr 2004, als die Raiba-Filiale in Lengenwang schloss. Das Geldinstitut richtete, sozusagen als „Extra-Service“, einen Heimdienst für Lengenfelder Kunden – vorwiegend Senioren – ein, die ihre Bankgeschäfte nicht in direkt in der Oberostendorfer Geschäftsstelle abwickeln konnten oder wollten. „Im Prinzip konnten die Kunden hier alles erledigen, was sonst am Schalter möglich ist – inklusive Barabhebungen“, erzählt Schempp dem Kreisboten. Dafür abgestellt wurde von der Raiba Oberostendorf die Mitarbeiterin, die bereits in der ehemaligen Lengenfelder Filiale diesen Kundenkreis betreut hatte. Ein Vertrauensvorschuss war gegeben, arbeitete die Frau doch seit über 40 Jahren bei dem Geldinstitut, ist selbst im Ortsgebiet wohnhaft und sozial engagiert. Dass die 62-Jährige ihre Aufgabe dazu nutzen würde, bei Barauszahlungen die Beträge auf den unterschriebenen Kundenauftrags-Belegen nachträglich zu fälschen, höhere Beträge von Konten abzubuchen und sich das Geld in die eigene Tasche zu stecken, damit rechnete niemand. 

Damit die zwölf betroffenen Kunden die unberechtigten Abbuchungen nicht bemerkten, verfiel die Betrügerin auf einen verblüffenden Einfall: „Sie hat gefälschte Kontoauszüge einfach mit der Schreibmaschine auf Blanko-Kontoauszugspapier getippt und diese dann beim nächsten Besuch den ahnungslosen Senioren überreicht“. Jahrelang funktionierte dieses Spiel, so dass mehrere hunderttausend Euro von den Kundenkonten in die Taschen der Frau wanderten. Doch schließlich verrechnete sie sich bei einem der gefälschten Kontoauszüge um einen Betrag von rund 30 Euro. Dies fiel dem Steuerberater eines der Senioren auf. Der Rechenfehler verursachte Nachforschungen – und die Betrügerin war entlarvt. 

Aber wie kann so etwas passieren? Hat die Bank bei der Installierung nötiger Kontrollmechanismen versagt? So einfach sei es nicht, erklärt Werner Schempp. In regelmäßigen Abständen hätten die Kunden sogenannte „Saldenmitteilungen“ mit dem „echten“ Kontostand erhalten, die direkt von der Zentrale per Post an die Adressaten gingen. „Entweder wurden diese Saldenmitteilungen nicht gelesen, oder die Mitarbeiterin des Heimservice dachte sich Erklärungen für die Abweichungen aus. Da hieß es dann gegenüber dem Kunden schonmal, in der Zentrale gebe es eine neue Mitarbeiterin, die sich noch nicht so auskennt“, ist Schempp noch heute baff über den Einfallsreichtum der Betrügerin und die Gutgläubigkeit der Kunden. Deren Vertrauen in die langjährige Mitarbeiterin sei so hoch gewesen, dass so mancher Kontoinhaber sich jetzt im Nachhinein selbst frage, „was er so alles unterschrieben hat“. Aber auch als Bank sei man auf das Vertrauen in die Mitarbeiter angewiesen, „man kann einfach nicht alles kontrollieren“. 

Der Heimservice sei ein einmalige Einrichtung zuliebe der Lengenfelder gewesen. „Hinterher ist man natürlich immer schlauer“, sagt Schempp – das Angebot des „Heimservice“ wurde jedenfalls sofort nach Bekanntwerden der Betrugsfälle ersatzlos abgeschafft, die mutmaßliche Betrügerin entlassen. Den geprellten Kontoinhabern werde der Schaden ersetzt, die Bank hat für solche Fälle eine Rückversicherung. Obwohl Schempp durchaus auch beim Verhalten der Kunden Fehler sieht, sagt er: „Wir gehen aus Kulanz in Vorleistung, die Kunden erhalten die Beträge zurück. In rund der Hälfte der Fälle ist dies bereits geschehen“. Schempps Resümee: „Der Schaden für unsere Bank ist natürlich maximal“. von Michaela Frisch

Auch interessant

Meistgelesen

Silikon entzündet sich
Silikon entzündet sich
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Neuer Lebensabschnitt wartet
Neuer Lebensabschnitt wartet
"Von Bürgern für Bürger"
"Von Bürgern für Bürger"

Kommentare