Zinspolitik schlägt durch

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Zufriedene Gesichter beim Vorstand der VR Bank kaufbeuren-Ostallgäu über die aktuelle Bilanz: Christoph Huber (v. li.), Helmut Geppert, Dr. Hermann Starnecker und Xaver Schelle.

Kaufbeuren – „Wir haben uns in einem extrem schwierigen Marktumfeld erneut erfolgreich behauptet.“ So fasste Dr. Hermann Starnecker als Vorstandssprecher der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu das Ergebnis der Bilanz bei deren Vorstellung zusammen.

Denn trotz gestiegener Bilanzsumme um rund zehn Prozent von 1,44 auf 1,59 Milliarden reduzierte sich der Bilanzgewinn deutlich von 2,041 auf 1,795 Millionen Euro. Auch das Zinsergebnis verringerte sich um 9,7 Prozent. Dennoch freut sich der vierköpfige Vorstand, denn die Kunden vertrauten der Bank 6,7 Prozent mehr Vermögen an und die Sicht- und Tagesgeldanlagen legten zu. Grund zum Feiern gibt es außerdem: In diesem Jahr feiert die mittlerweile drittgrößte Genossenschaftsbank in Schwaben ihr 150-jähriges Bestehen.

„Wir konnten unsere Marktstellung sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft weiter ausbauen“, sagte Starnecker, der die Geschäftszahlen des Jahres 2016 zusammen mit seinem Vorstandskollegen Xaver Schelle vorstellte. Man habe sich „in einem extrem schwierigen Marktumfeld erneut erfolgreich behauptet“ und beim Kreditgeschäft eine Steigerung um 5,5 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro erreicht. Zudem konnte die Bank ihr bilanzielles Eigenkapital um 3,2 Prozent (2,9 Millionen Euro) auf 92,5 Millionen Euro in 2016 erhöhen. „Unser Ziel ist, soviel wie möglich Kernkapital zu halten“, erläuterte Schelle. Die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlässt allerdings auch bei der VR Bank Spuren. Der geringere Bilanzgewinn wirkt sich auf die Dividende für die Mitglieder aus. Deren Vertreterversammlung stimmt am 22. Mai darüber ab, ob die nunmehr 3,5 Prozent (Vorjahr 4,0 Prozent) mit 633.000 Euro zur Ausschüttung kommen. Rund 165.000 Euro hat die VR Bank im vergangenen Jahr an Vereine, Gruppierungen, Schulen und Kommunen gespendet.

„Wir befinden uns in einer historischen Ausnahmesituation. Negative Zinsen wären noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen, heute ist es der Alltag, mit dem wir uns arrangieren müssen.“ Er erwartet auch für die kommenden Jahre deutlich sinkende Erträge. Dennoch sind für Geldabhebungen an Automaten keine Gebühren geplant. Dies gilt auch bezüglich der Strafzinsen bei Einlagen von Privatkunden. Bei Gewerbekunden mit höheren Beträgen und längerer Verweildauer werde im Einzelfall das Gespräch gesucht, da die Bank selbst für Einlagen bei der Zentralbank zahlen müsse. „Man kann nicht in die Zukunft schauen“, so Starnecker zur weiteren Entwicklung.

Besonders freuen sich die Vorstände der VR Bank über die Bewertung dreier unabhängiger Institute im Jahr 2016. „Uns wurde erneut eine exzellente Beratungsqualität bestätigt“, berichtete Starnecker, „darauf sind wir besonders stolz.“ Als eine Säule der Genossenschaftsbank sieht der Vorstand die Vertrauensfunktion zwischen Kunde und Bank. Der einst von den Gründervätern beabsichtigte Gedanke sorge nach wie vor durch Förderung und Unterstützung für einen lokalen Kreislauf der Wirtschaftsmittel.

Schließungen von Geschäftsstellen die laut Vorstand Schelle immer auf sogenannten Frequenzanalysen basieren sind für 2017 nicht vorgesehen. Besonders schmerzlich war diese Erkenntnis in Lechbruck, nachdem die dortige Geschäftsstelle 2010 aufwendig modernisiert worden war. „Der Service wird nicht mehr nachgefragt und die Geschäftsstelle mit Personal ist nicht mehr rentabel“, so Schelle. Allerdings komme der Berater nach Terminabsprache sowohl in Lechbruck als auch in Peiting in die ehemaligen Geschäftsräume vor Ort. Alle geschlossenen Geschäftsstellen wurden, wie in der Liegnitzer Straße in Kaufbeuren auch, durch SB-Geschäftsstellen ersetzt. Das andere Kundenverhalten spiegelt sich ebenso im Bereich Online-Banking wider: Es stieg von 43 auf 50 Prozent Tendenz steigend. Während kurzfristige Anlagen, wie etwa Sicht- und Tagesgeldanlagen um etwa 11,4 Prozent stiegen, haben sich die befristeten Einlagen erneut deutlich reduziert und sanken um 56,2 Prozent auf ein Restvolumen von 12,84 Millionen Euro als Folge der aktuellen Zinspolitik.

Dagegen legten die Wohnbaudarlehen mit 9,7 Prozent ordentlich zu und stiegen um 54,8 Millionen Euro auf 621,8 Millionen Euro an. Eine „Immobilienblase“ erwartet Starnecker bei den eigenen Kunden nicht, da alle Wohnbaudarlehen individuell auf den Kunden zugeschnitten und seriös geprüft seien. Sorge bereitet dem Vorstandssprecher dagegen der demografische Wandel. Durch fehlende Anreize zum Sparen komme der Nachhaltigkeitsgedanke zu kurz und es werde weniger für das Alter vorgesorgt. Gefeiert wird dennoch: Am 23. September können alle Kunden mit ihren Familien das 150-jährige Bestehen der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu mit einem eigens kreierten „VR Tag“ im Füssener Festspielhaus feiern.

von Wolfgang Becker

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