„Dem Verein zu helfen war wichtiger“

Bau der Zwischenstufen im Eisstadion um ein Jahr verschoben

Eisstadion Kaufbeuren Stufen
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82 Prozent der anwesenden Fans stimmten vergangenes Jahr für den Einbau von Zwischenstufen. Der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens wollte sich an das Votum halten. Noch immer ist kein Baubeginn in Sicht. Aus diversen Gründen, vor allem wegen der Corona-Pandemie, ist dieser um ein weiteres Jahr verschoben worden.
  • vonSelma Höfer
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Kaufbeuren – Es war direkt nach dem letzten Heimspiel der Saison 2019/20, als eine deutliche Mehrheit der anwesenden ESVK-Fans für den Einbau von Zwischenstufen in der Erdgas Schwaben Arena stimmte (der Kreisbote berichtete mehrfach). Die Sprecher der Initiative „Bessere Sicht im Eisstadion Kaufbeu­ren“ erwarteten, dass im Frühjahr 2020 der Einbau vonstatten geht. Doch daraus wurde nichts – auch auf absehbare Zeit nicht. Die Gelder sind nicht mehr im Wirtschaftsplan der Stadt veranschlagt und selbst wenn sie es wären, das erklärte Markus Pferner, Vorstandsvorsitzender des Kommunalunternehmens Eisstadion (KU), machte die Corona-Pandemie eine Bauplanung und deren Ausführung unmöglich. 

Schon während der Bauphase des Stadions sorgten die Stufen bereits für hitzige Diskussionen. Teilbereiche der Eisfläche seien gar nicht beziehungsweise nur eingeschränkt sichtbar, worauf viele Fans aufmerksam machten. Damals erklärte Pferner, dass eine hundertprozentige Sicht im Stadion baulich nicht möglich sei. Die Zwischenstufen kamen schließlich ins Gespräch und auf den beiden ober­en Tribünenreihen im Block Q der Erdgas Schwaben Arena wurden solche provisorisch eingebaut.

Schließlich sollte eine Abstimmung darüber entscheiden, ob Zwischenstufen zur Verbesserung der Sichtverhältnisse eingebaut werden sollen. Im Anschluss an das DEL2-Hauptrundenstpiel des ESV Kaufbeuren gegen die Bayreuth Tigers nutzten 1675 Fans die Möglichkeit, einen Wahlzettel auszufüllen. Sie konnten entscheiden ob und wo besagte Stufen eingebaut werden sollen. 1213 Personen, also 82 Prozent, stimmten für den Einbau auf allen Stehplatzrängen. Lediglich 168 Abstimmende waren gegen den nachträglichen Einbau von Zwischenstufen. Damit wurde ein eindeutiges Wahlergebnis erreicht und das Quorum von 500 Stimmen übertroffen.

Um ein Jahr verschoben

Der Verwaltungsrat wollte sich in diesem Fall an das Votum halten. Rund 230.000 Euro wurden für die Zwischenstufen veranschlagt. Eine Summe, die heute nicht mehr reichen würde, da die Betonpreise stark gestiegen seien, wie KU-Vorstand Markus Pferner dem Kreisbote mitteilte. Doch das ist nicht der Grund, weshalb der Einbau der Zwischenstufen um mindestens ein Jahr verschoben wurde.

In beiden Gremien, dem Verwaltungsrat und dem Stadtrat, sei der Beschluss gefallen, das Bauprojekt wegen der Corona-Pandemie zu verschieben. Mehrere Gründe waren dabei ausschlaggebend, berichtete Pferner. Wichtig sei erst einmal gewesen, den ESVK zu unterstützen. Durch die Einschränkungen in der Coronakrise sind nahezu alle Einnahmen weggebrochen. Publikum war nur noch an wenigen Tagen im Stadion. „Das KU und die Stadt haben der finanziellen Unterstützung des Vereins höchste Priorität eingeräumt, damit auch nach der Pandemie der Eissport in Kaufbeuren eine Zukunft hat“, sagte der Vorstand des Unternehmens. Ein Mieterlass zum Beispiel erleichterte die Situation für den Eissportverein – was auch der ESVK-Geschäftsführer Michael Kreitl kürzlich in einem Interview mit dem Kreisbote erwähnte. „Dem Verein zu helfen war wichtiger, als diese Stufen zu bauen“, bestätigte Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse die Angaben Pferners. Es sei darum gegangen, die Saison für den Eissportverein zu retten.

„Verwundert und enttäuscht.“

Dr. Bernhard Lehmann und Simon Wißmiller, Sprecher der „Initiative Bessere Sicht im Eisstadion Kaufbeuren“, sehen da keinen Zusammenhang mit dem eigentlich beschlossenen Bauvorhaben. Die beiden Sprecher erwarteten den Einbau bereits im vergangenen Jahr. Im Februar forderten sie den OB und den KU-Vorstand schriftlich auf, die Stufen endlich einbauen zu lassen. Was sie nun von Pferner erfuhren, verwundere und enttäusche sie. Die Pandemie und finanzielle Gründe würden für den erneuten Nichteinbau der Zwischenstufen verantwortlich gemacht, obwohl die Summe im Etat bereit gestellt worden war. Auch wenn es zutreffe, dass das KU dem ESVK hinsichtlich der Stadionmiete entgegen gekommen ist, sei dies reine „Selbsthilfe“ der Stadt gewesen, so Wißmiller und Lehmann. „Mit jedem Euro Eintrittsgeld sowie der beträchtlichen Stadionmiete hilft der ESVK, das Stadion abzubezahlen.“

Zuschauerverhalten und Besucherlimit

Im aktuellen Wirtschaftsplan sei das Bauvorhaben nicht mehr berücksichtigt, so Pferner. Erst Ende dieses Jahres werden der Verwaltungs- und der Stadtrat erneut darüber entscheiden. Dabei sei unter anderem zu berücksichtigen und abzuwarten, wie sich das Zuschauerverhalten nach der Krise entwickelt. Auch bei diesem Thema werde es enge Absprachen mit dem ESVK geben. Ebenso zu einer möglichen Begrenzung der Zuschauerzahlen aus Hygieneschutzgründen. „Das kann von uns nicht sicher eingeschätzt und muss neu beurteilt werden“, erklärte der Vorstand.

Bauplanung wegen Corona-Pandemie unmöglich

Selbst wenn das Geld im Wirtschaftsplan bereitgestellt worden wäre, hätte der Bau der Zwischenstufen pandemiebedingt heuer nicht stattgefunden, gab der KU-Vorstand zu bedenken. Nur in der Nebensaison, wenn das Eis abgetaut ist, könne gebaut werden. Was in den Monaten Mai und Juni der Fall gewesen wäre, so Pferner. Da die DEL2-Saison jedoch später begonnen hatte und der Spielbetrieb bis Ende Mai geplant war, sei eine Bauplanung nicht möglich gewesen. „Wir mussten ja damit rechnen, dass der ESVK in den Playoffs weiter kommt.“ Die gesamte Spielphase war aufgrund der Corona-Pandemie zeitlich ausgedehnt, das Stadion den ganzen Mai dafür reserviert. „Anfang Juli muss bereits wieder mit der Eisbereitung begonnen werden“, erklärte Pferner. Zeitlich wäre es dementsprechend nicht möglich gewesen, das Projekt umzusetzen.

Bau nicht mehr vorgesehen?

Wißmiller und Lehmann sind von den Argumenten Pferners und des Oberbürgermeisters nicht überzeugt. Im Gegenteil befürchten sie vielmehr, dass der Bau der Zwischenstufen in naher Zukunft überhaupt nicht mehr geplant sei. Die Argumente Zuschauerverhalten und Zuschauerzahlen würden die „schlimmsten Befürchtungen“ aufkommen lassen: Dass der einst zugesagte Bau überhaupt nicht mehr vorgesehen sei.

Dass eine Planung wegen der zeitlich verschobenen Playoffs nicht möglich gewesen sei, können die Sprecher der Initiative nicht nachvollziehen. Ihrer Meinung nach wäre das in den kommenden Saisons auch der Fall und somit ein Einbau nie möglich. Woraufhin Pferner widersprach. Es sei bekannt, dass heuer die Saison „pandemiebedingt mit dem Finalspiel erst am 22. Mai 2021 endete und damit etwa einen Monat länger als normal gedauert hat“.

ESVK steht hinter dem Abstimmungsergebnis

Da es mit der Abstimmung eindeutig der Wunsch der Fans war, hofft Michael Kreitl, dass die Zwischenstufen sobald wie möglich kommen. „Es war für uns klar, dass wir hinter dem Abstimmungsergebnis stehen“, sagte der ESVK-Geschäftsführer. Aufgekommen sei das Stufen-Thema für den ESVK jedoch erst jetzt wieder. So erfuhr auch er auf eine Nachfrage hin, dass der Bau verschoben wurde. In Entscheidungen der Stadtverwaltung und der KU sei der Verein nicht involviert. „Wie in der Stadt die Gelder vorgesehen sind oder nicht, darauf haben wir keinen Einfluss“, erklärte Kreitl. Es sei tatsächlich so, dass in den vergangenen Jahren Anfang oder Mitte April die Saison vorbei war. Heuer konnte die Runde erst später beginnen und es sei klar gewesen, dass alles länger dauern wird. „Man darf die Coronakrise nicht für alles vorschieben, aber das waren wirklich komische Zeiten. Ich hoffe dennoch, dass der Bau bald in Angriff genommen wird“, sagte Kreitl.

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