Bauprojekt wird erneut ausgelegt

Bauausschuss billigt neue Pläne – Wohnungsbau an der Salzstraße geht in die nächste Runde

Salzstraße Oberbeuren
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Am Ortsrand von Oberbeuren (blauer Kreis) sollen rund 25 Wohnhäuser entstehen. Ein überarbeiteter Bauplan wird bald öffentlich ausgelegt und im Frühjahr 2021 könnte das Projekt „Wohnbebauung Salzstraße“ beginnen.

Kaufbeuren – Am idyllischen Ortsrand von Oberbeuren tummeln sich jetzt noch Ponys und Pferde. Doch im kommenden Frühjahr könnte dort bereits der Bau von über 20 Einzel- und Doppelhäusern beginnen. Die „Wohnbebauung Salzstraße“ ist ein heikles Thema, mit dem sich die Stadträte Kaufbeurens bereits seit einige Jahre beschäftigen. Der neueste und mit Anpassungen ­versehene Entwurf des Bebauungsplans wurde jetzt von der Mehrheit der Mitglieder des Kaufbeurer Bauausschusses bestätigt. Bald wird er der Öffentlichkeit noch einmal zugänglich sein.  

Mehr noch als die anfänglichen Mängel des Konzepts, verzögerten Einwände von Bürgern, Behörden und öffentlichen Trägern sowie naturschutzrechtliche Auflagen und der Hochwasserschutz den Baubeginn auf dem Gelände des Reiterhofs. Vor neun Jahren beschloss der Eigentümer des Grundstücks südwestlich von Oberbeuren, den Pferdehof komplett umzusiedeln und dafür Wohnraum zu erschaffen. Mit der Zusage, die Planungs- und Erschließungskosten zu tragen, erhielt er vor vier Jahren das Okay des damaligen Bau- und Umweltausschusses. Das Planverfahren begann. Vor zwei Jahren billigte dann der amtierende Stadtrat den vorliegenden Bebauungs- und Grünordnungsplan. Dass die Träger öffentlicher Belange (TöB) und die Bürger im Rahmen der verbindlichen Bauleitplanung beteiligt werden ist eine gesetzliche Bedingung. Das Planungskonzept lag deshalb im Sommer 2018 öffentlich aus. Die Reaktionen blieben nicht aus.

Kritik der öffentlichen Träger

Den bisherigen Werdegang der „Wohnbebauung Salzstraße“ fasste Stadtplaner Werner Fehr in der jüngsten Bauausschusssitzung zusammen und bemühte sich, dem Gremium den Umfang zu verdeutlichen, den dieses Projekt gewonnen hat. Schwerpunkt seines Vortrags war die Kritik der Öffentlichkeit. Häufig wurde dabei die Verunreinigung des Zeisenbachs durch abfließendes Regenwasser bemängelt. Neben einem Forellenzuchtbetrieb war auch die Untere Naturschutzbehörde besorgt um dessen Ökosystem. Unter anderem soll dort die Quellschnecke heimisch sein, berichtete Fehr. Auch das städtische Wasserwerk, die Untere Wasserrechtsbehörde, die Abteilung Tiefbau sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Freiwillige Feuerwehr Kaufbeuren und der städtische Bauhof formulierten ihre Ansprüche, Einwände und Befürchtungen. So musste die Bauleitplanung ein weiteres Mal überarbeitet werden.

»Waldumbau« und Hochwasserschutz

„Es wurde versucht, wirklich alle Themen abzuarbeiten“, sagte Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU). Alle Änderungen seien in dem vorliegenden Entwurf fixiert, so Fehr. Die einst geplante Rodung des angrenzenden Waldstücks sei kein Thema mehr. Es soll ein „Waldumbau“ in diesem Bereich erfolgen. Außerdem gibt es mittlerweile ein Hochwasserschutzkonzept für den Stadtteil Oberbeuren, welches einige dieser Belange abdeckt, berichtete Uwe Seidel, Leiter des Tiefbauamts. Denn im Mittelpunkt dieses Konzeptes stehe der Ausbau des Zeisenbachs, welcher durch das ausgeschriebene Gebiet fließt. Die geplanten Freilegungs- und Renaturierungsarbeiten an dem Bach sollen in Kürze begonnen werden, sagte Seidel. Denn die Wohnbebauung mache den Zugang zum Bach und somit den Ausbau unmöglich.

Wo aber fließe das Regenwasser hin, wenn nicht in den Bachlauf? „Nimmt die Kanalisation das Regenwasser auch bei Starkregen auf?“, fragte Ernst Schönhaar (CSU). „Das war der Knackpunkt“, gab Seidel zu. Ein Regenrückhaltebecken diene deshalb zum Schutz vor Hochwasser. Aus diesem Behälter wird das überschüssige Wasser kontrolliert in die Kanalisation abgegeben.

Mit den Äußerungen der TöB zum Wasser- und Tierschutz habe sie sich befasst, meldete sich Catrin Riedl (SPD) zu Wort. Dort seien „gravierende Gefahren für die Umwelt aufgeführt worden“. Das Vorhaben sei äußerst problematisch. Nicht zuletzt wegen des Flächenfraßes und den somit entstehenden Nachteilen für Flora und Fauna. Die SPD-Fraktion, so Riedl, lehne die Bebauung an der Salzstraße ab. Es waren ihre Gegenstimme und die von Johannes Espermüller (FDP) sowie von Marcus Kühl (Grüne) die der Mehrheit gegenüber stand. Damit findet der Bebauungsplan nun seinen Weg in den Stadtrat und wird nochmals öffentlich ausgelegt.

Selma Höfer

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