Angeschrieben wurden 180 Grundstücksbesitzer

Lamerdingen will Lücken wissen

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Lamerdingens Bürgermeister Konrad Schulze lässt ein Baulückenkataster erstellen.

Lamerdingen – Ausgewählten Grundstückseigentümern in Lamerdingen und den Ortsteilen Groß- und Kleinkitzighofen flattert in diesen Tagen ein Brief ihrer Gemeinde ins Haus. Inhalt: Ein Fragebogen. Darin will die Gemeindeverwaltung wissen, welche innerörtlichen Bauflächen zukünftig zur Verfügung stehen.

Lamerdingens Bürgermeister Konrad Schulze hofft damit, den Bedarf oder Nichtbedarf an neuen Baugebieten besser einschätzen zu können. Schulze will somit auch in seiner Gemeinde dem Flächenverbrauch soweit wie möglich Einhalt gebieten. Naturschützer hatten in der Vergangenheit den hohen Flächenverbrauch vor allem in Bayern immer wieder heftig kritisiert.

Die erhobenen Daten sollen in einem Baulückenkataster zusammengefasst werden. Erfasst werden alle möglichen Bauflächen im Innenbereich der Gemeinde, wie beispielsweise Baulücken, geringfügig bebaute Grundstücke, Althofstellen und leer stehende Wohngebäude. Angeschrieben wurden 180 Grundstücksbesitzer.

Die Schließung von Baulücken wird von Fachleuten als sinnvolle Maßnahme einer innerörtlichen Verdichtung betrachtet. Das stößt allerdings nicht immer auf Gegenliebe der Anwohner. Im benachbarten Buchloe gab es jüngst drei Fälle von Lückenbebauung, wo es heftigen Ärger gab (wir berichteten). Die Bauträger hatten in gewachsenen Ein- und Zweifamilienhaussiedlungen größere Wohnanlagen geplant, die nach Ansicht der Anwohner nicht in die Umgebungsbebauung passen. Ob dann in Buchloe wirklich so gebaut werden kann, wird aber nicht die Stadt Buchloe entscheiden, sondern die Bauabteilung des Landratsamtes in Markt­oberdorf.

Nicht immer hilft ein Bebauungsplan weiter, um zu groß geratene Bauprojekte zu stoppen. Das mussten auch die Buchloer Stadtoberen feststellen. In Lamerdingen gibt es für die innerörtliche Bebauung keine Bebauungspläne, sagte Rathauschef Schulze unserer Zeitung. Lediglich für die Neubaugebiete habe man Bebauungspläne erstellt. Entschieden wird, wenn kein Bebauungsplan vorliegt, nach Paragraf 34 des Bayerischen Baugesetzbuches. Dort heißt es in Absatz 1, ein Vorhaben sei nur zulässig, „wenn es sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist“. Ausdrücklich sagt das Gesetz, „das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden“.

Auch Bürgermeister Konrad Schulze setzt auf diesen Paragraph und bestätigte, er würde nur solchen Bauvorhaben zustimmen, die sich in die Umgebung einfügen würden. Notfalls könne man eine Veränderungssperre erlassen und für bestimmte Bereiche Bebauungspläne erstellen.

Die Gemeinde Lamerdingen möchte mit Hilfe der Fragebögen erfahren, ob ein Bauplatz beispielsweise für einen Familienangehörigen zurückgehalten wird oder aus welchen Gründen ein Gebäude leer steht. Die Gemeinde möchte aber auch wissen, ob die Eigentümer Unterstützung und Hilfe von der Gemeindeverwaltung benötigen, zum Beispiel bei der Frage, wie ein Grundstück bebaut werden könne.

In einer Presse-Information schreibt die Verwaltungsgemeinschaft Buchloe, der auch Lamerdingen angehört, die Aktivierung von Baulücken oder leer stehenden Gebäuden habe viele Vorteile. Vorhandene Infrastruktureinrichtungen, wie beispielsweise die Wasserversorgung oder Abwasserbeseitigung werden besser genutzt. Investitionskosten für neue Straßen, Kanäle und Leitungen könnten eingespart werden. Freie Flächen am Ortsrand bleiben der Landwirtschaft und für die Erholung erhalten.

Der Erfolg und die Aussagekraft des Baulückenkatasters hänge ganz wesentlich von der Unterstützung der Grundstückseigentümer ab. Darum bittet die Gemeindeverwaltung um Rücksendung der Fragebögen bis Ende Mai.

Das Projekt „Baulückenkataster“ wird bei der Verwaltung von Nina Schmelcher (Tel. 08241/5001-45, E-Mail: schmelcher@buchloe.de) betreut. Sie steht den Eigentümern und Interessierten bei Fragen zur Verfügung.

von Siegfried Spörer

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