Baufortschritt an der Sparkassen-Passage

Zentrum im Süden nimmt Formen an

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Ohne „mittelalterliche“ Wandgemälde, dafür mit großzügigen Eingängen, durchdachter Raumgestaltung und schlichter Fassade wird die ehemalige „Traube“ zukünftig der modernen Sparkassen-Passage Platz bieten.

Kaufbeuren – So langsam nimmt die zukünftige Sparkassen-Passage Formen an. Während von außen nur Absperrungen und Bauzäune sichtbar sind, entsteht im Inneren ein moderner Knotenpunkt für die südliche Altstadt. Am Donnerstag konnten die Fortschritte am Bau besichtigt werden.

Eine repräsentative und komfortable Hauptstelle, in der alle Leistungen der Stadtsparkasse Kaufbeuren unter einem Dach vertreten sind, möchte sich das Geldinstitut mit dem Umbau schaffen. Daneben bleibt eine Menge Platz für Einzelhändler, die sich rund um die Passage ansiedeln und so für regen Kundenverkehr sorgen sollen. „Wir möchten mit der Sparkassenpassage ein attraktives Zentrum für den Kaufbeurer Süden und ein Gegengewicht zu den Angeboten im Norden der Altstadt schaffen“, so Winfried Nusser. Seit das Architekturbüro Stadtmüller.Burkhard.Graf im Jahr 2011 mit seinem Entwurf im Realisierungswettbewerb überzeugen konnte, hat sich das Projekt im Rahmen der bisherigen Umsetzung vor allem als Abwägung zwischen dem Denkmalschutz, den Bedürfnissen der Nutzer und den Plänen der Sparkasse erwiesen. „Die Frage ist stets: ‘Was ist machbar?’“, beschreibt Nusser den Verlauf der Planungen. Aber: „Das Ergebnis wie es sich momentan abzeichnet ist für die Stadt und für die Bürger gut. Die Passage wird zeitgemäß gestaltet und gleichzeitig maßgeblich zum Erhalt des historischen Stadtbildes beitragen“. Dass die „historische“ Wandmalerei mit dem Einzug des Kaisers Maximilian mit dem Umbau verschwindet, sorgte zwar bei so manchem Kaufbeu-rer Bürger für Bedauern, jedoch: Die Malerei stammt gerade einmal aus den 1960er Jahren, der Verlust ist aus denkmalpflegerischer Sicht also durchaus zu verschmerzen. Außerdem, so Winfried Nusser: „Der Putz bröckelt an den betreffenden Stellen der Außenwand so stark, dass ein Erhalt der Malerei so oder so nicht in Frage käme“. 

Denkmalschutz im Fokus

So einfach wie mit dem Wandgemälde stellt sich die Abstimmung mit der Denkmalpflege beim Rest des Gebäudes nicht dar. Prinzipiell steht das gesamte Haus, dessen Wurzeln laut Stadtheimatpfleger Anton Brenner bis ins Jahr 1430 zurückreichen, unter Denkmalschutz. Im Innenbereich wurde aber im Laufe der Jahrhunderte Vieles um- und angebaut. Diese Gebäudeteile sind nicht zwingend zu bewahren, dies lässt den jetzigen Bauherren eine gewisse Freiheit bei der Raumaufteilung. Zum Opfer gefallen ist dem Denkmalschutz allerdings der ursprünglich geplante breite Eingang in die Passage. „Hier hat die Maßstäblichkeit nicht gestimmt“, so Brenner: „Der optische Eindruck eines spät- mittelalterlichen Gebäudes wäre damit kaputt gemacht worden“. Darauf haben die Architekten reagiert und aus der großen Öffnung zwei kleinere Eingänge gemacht (siehe Grafik). „Über die aktuelle Lösung bin ich sehr froh. Es war schließlich ein jahrelanges Hangen und Bangen, ob die historische Fassade der ‘Traube’ erhalten bleiben wird“, sagt Brenner und erinnert daran, dass es schon vor dem Umbau durch die Sparkasse Pläne für einen Abriss gegeben hat. Dann jedoch, so Brenner, sei der „Durchbruch“ gelungen: „Dank eines fantastischen Statikbüros hat die Sparkasse einen Weg zum Erhalt des Hauses gefunden. Wir mussten diesen Altbestand bewahren“. 

Momentaner Stand

Im Erdgeschossbereich des Gesamtbaus Traube/Passage  lässt sich, nach dem Entfernen der bisherigen Innenwände, aktuell bereits das zukünftige große Foyer erkennen. Dieses wird nach Fertigstellung der Arbeiten sowohl den Kundenbereich der Sparkasse als auch einen Zugang zur Brunnen-Apotheke, ein italienisches Restaurant und weitere Einzel- händler beherbergen. Das Besondere: statt enger Ladeneingänge und unübersichtlicher Wegführungen sieht sich der Besucher einer Art offenen Halle gegenüber, die verschiedenen Anbieter sind lediglich durch geschickte Raumaufteilung, Säulen und flexible Glaswände voneinander getrennt. „Da wir im Erdgeschoss keine bestehende Tragachse mehr haben, wurden neue T-Achsen implantiert, was uns gleichzeitig eine große Freiheit bei der Raumaufteilung gewährt hat“, erklärt Architekt Stadtmüller. Auf der Ostseite wird ein neues Treppenhaus entstehen, Teile des Erdgeschosses sind mit Glasdach versehen und ermöglichen so ein offenes und helles Ambiente. Im 1. Obergeschoss der „Traube“, welches bislang die große Gaststube beherbergte, werde es „weniger Rückbau“ geben, so Stadtmüller. Genutzt werden soll diese Etage zusammen mit dem 2. Obergeschoss für Verwaltung und Vorstandsbüros der Sparkasse. Auch hier muss eine neue Tragachse eingezogen werden. 

Planerische Kunstgriffe

Für das Dachgeschoss haben sich die Planer indes einen, so Stadtmüller, „Kunstgriff“ überlegt: Weil die denkmalgeschützten Deckenbalken dort nur 2,30 Meter über dem Fußboden liegen, wurden sie kurzerhand freigelegt. Damit verfügt der spätere Konferenzraum über eine hohe Schrägdecke, die bis zum Dachspitz reicht, und mit dem historischen Balkengerüst aus dem 15. Jahrhundert einen reizvollen Anblick bietet. Leider nicht so repräsentativ genutzt werden kann das historische Gewölbe unter der „Traube“: Hier muss aus brandschutztechnischen Gründen ein 60.000 Liter-Wassertank für die Sprinkleranlage untergebracht werden. „Das ist schade, geht aber nicht anders“, bedauert Winfried Nusser. 

Für die Planer und Architekten sei aber nicht nur der Brandschutz eine große Herausforderung gewesen, berichtet Architekt Stadtmüller: Durch die vielen Umbauten der vergangenen Jahrhunderte seien Teile des Gebäudes mit den Nebenhäusern geradezu „verwoben“, im Obergeschoss habe sich zudem herausgestellt, dass der Dachstuhl um bis zu 40 Zentimeter „durchhänge“. „Hier werden die alten Balken nun mit neuen Streben verstärkt und durch gezieltes Gegengewicht regelrecht zurück- gedrückt“, erklärt der Architekt. Noch sei nicht jede Planung abgeschlossen, bei den weiteren Arbeiten rechnen Planer und Bauherren mit weiteren „Überraschungen“. Momentan ist jedoch folgender Zeitplan vorgesehen: 

Bauziel in Etappen

Im Februar 2013 soll bereits das Erdgeschoss mit dem Kundenbereich und dem neuen „Forum“ der Sparkasse für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Auch ein Teil der Passage, von der Ludwigstraße bis zur Abbiegung „Kirchengässle“, soll bis dahin fertig gestellt werden. Die Arbeiten an der restlichen Passage sollen nach jetzigem Kenntnisstand zusammen mit dem Umbau der „Traube“ bis Sommer 2014 dauern. Wenn möglich, soll ein Teil der Passage von Seiten der Kaiser-Max-Straße allerdings schon eher eröffnet werden. 

Im Jahr 2014 werde, so Nusser, auch die Filiale der Kaufbeurer Stadtsparkasse am Salz- markt endgültig geschlossen. Was das Institut allerdings mit den freigewordenen Räumlichkeiten anfangen möchte, wisse man jetzt noch nicht: „Erst einmal bringen wir diesen Umbau hinter uns – und dann sehen wir weiter!“ von Michaela Frisch

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