Ausnahme vom Lindenberger Bebauungsplan sorgt für Ärger

Nachbarn protestieren

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Anwohnerin Suzan Zinth kritisiert die Stadt Buchloe wegen einer in Aussicht gestellten Baugenehmigung für das Grundstück an der Alpenblickstraße in Lindenberg. Der Bebauungsplan schreibt eine Grundstücksgröße von 550 Quadratmetern vor, das Grundstück habe aber nur 400 Quadratmeter. Der Buchloer Stadtrat hatte mehrheitlich der Bauvoranfrage zugestimmt.

Buchloe/Lindenberg – Die nachträgliche Verdichtung in bestehenden Wohngebieten macht immer wieder Ärger und bringt oft die Anwohner auf die Palme. Der jüngst bekannt gewordene Fall spielt im Buchloer Ortsteil Lindenberg. In der Alpenblickstraße soll nach dem Willen eines Bauherrn auf einem rund 400 Quadratmeter freien Grundstück ein Einfamilienhaus entstehen. Der gültige Bebauungsplan schreibt aber für einen Bebauung eine Mindestgröße des Grundstücks von 550 Quadratmetern vor.

In einer Bauvoranfrage war das Thema im Buchloer Stadtrat bereits im Mai dieses Jahres behandelt worden. Die Stadträte kamen mehrheitlich mit 17 zu 7 Stimmen zu dem Schluss, dass hier eine Ausnahme vom Bebauungsplan gerechtfertigt sei, zumal es sich hier um ein sehr kleines Einfamilienhaus mit 84 Quadratmetern Grundfläche handele und die bebaubare Fläche nicht überschritten würde, wie Verwaltungschef Arthur Salger unserer Zeitung bestätigte. Die letzte Entscheidung wird aber die Bauabteilung des Landratsamtes treffen. Die steht noch aus.

Suzan Zinth wohnt hinter dem mit alten Obstbäumen gelegenen Baugrundstück. Sie und andere Nachbarn kritisierten in einem Schreiben an den Stadtrat und Bürgermeister Josef Schweinberger, die Anwohner seien weder von dem Bauherren noch von der Stadt Buchloe über die Bauvoranfrage oder über die Erteilung einer Sondergenehmigung benachrichtigt worden. Somit hätten sie auch zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit gehabt, einen Einspruch vorzubringen. „Fairerweise hätte man uns hierüber informieren müssen“, schreiben die Anwohner.

Im Vorfeld der Stadtratssitzung hatte es bereits ein Gespräch mit dem Rathauschef und Stadtbaumeister Herbert Wagner gegeben. Die betroffenen Nachbarn Suzan Zinth und Melanie Frick, Thomas Wimmer und Alois Hötzl argumentierten, dass sie bewusst dagegen entschieden hätten, in ein Neubaugebiet zu ziehen, da dort die Platzverhältnisse beengt seien. Dies sei das entscheidende Kriterium gewesen, ein bereits bestehendes Wohngebiet in Lindenberg zu wählen. „Der für uns geltende Bebauungsplan sieht eine Mindestgröße von 550 Quadratmetern für den Bau eines Einfamilienhauses vor. Somit wäre keine weitere Bebauung in allen angrenzenden Nachbargrundstücken möglich“, formulieren es die Anwohner.

Eine Haftungsverpflichtung der Stadt gegenüber dem Bauherren, wie Bürgermeister Josef Schweinberger und Stadtbaumeister Herbert Wagner in der Stadtratssitzung vom Mai verkündet hatten, gebe es bei einer Ablehnung nicht, betonten die Anwohner. Es habe sich um eine formlose Bauvoranfrage gehandelt. Die Anwohner sagen, erst eine förmliche Bauvoranfrage sei rechtsbindend. Dann hätte aber auch das Landratsamt mit eingebunden werden müssen.

Ein zwingender Bedarf für den Neubau sei für den Bauherrn, der das angrenzende Nachbargrundstück bewohnt, nicht gegeben, sagen die Anwohner und kritisieren damit die Ausnahme vom Bebauungsplan durch die Stadt.

Die Stadt müsse sich dringend Gedanken machen, ob sich Buchloe mit seinen dazugehörigen Dörfern weiterhin als „Tor zum Allgäu“ sehen möchte oder ob „wir bald alle wie in einem dicht zugebauten Vorort von München leben sollen und jeglicher Charme und Charakter der Ortschaften verloren geht“, heißt es in dem Schreiben.

Mit einem Appell an den Bürgermeister und den Stadtrat wollen die betroffenen Anwohner erreichen, dass der Stadtrat erneut über das Bauvorhaben abstimmt. Bürgermeister Schweinberger, der genauso wie Stadtbaumeister Wagner derzeit im Urlaub ist, hat inzwischen auch reagiert. Am 7. September treffen sich Anwohner und Bürgermeister zu einem neuen Gespräch im Rathaus.

Buchloes Stadtrat stand in der Vergangenheit grundsätzlich zu einer Nachverdichtung. Das führte schon öfter zu Ärger mit den Nachbarn. Meist waren es Bauobjekte, die von den Anwohnern als zu groß empfunden wurden, wie zuletzt auch in Buchloe am Hohen Weg. Dort gibt es einen gültigen Bebauungsplan, der einmal geändert wurde, um den Neubau von zwei Doppelhäusern und einem Einfamilienhaus zu ermöglichen. Dann wurde aus dieser kleinen Wohnanlage mit fünf Wohneinheiten eine Anlage mit 13 Wohnungen. Das Bauvorhaben „Am Hohen Weg“ passe überhaupt nicht ins gewachsene Ortsbild, argumentierten die Anwohner, obwohl es vom Bebauungsplan abgedeckt ist. Auch hier liegt die letzte Entscheidung beim Landratsamt.

von Siegfried Spörer

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