Der Bedarf ist fraglich

Freie Wähler Kaufbeuren pochen auf Multifunktionsnutzung des Eisstadions

+
Eine Multifunktionsnutzung für das Eisstadion?

Kaufbeuren – Es war am Dienstag beileibe nicht das erste Mal, dass das Thema „Multifunktionsnutzung der erdgas schwaben arena“ auf der Tagesordnung einer Sitzung der Kaufbeurer Stadträte war. Diesmal nahm die Verwaltung im Verwaltungsausschuss Stellung zu einem Antrag der Freien Wähler (FW). Eine Diskussion blieb im Anschluss natürlich nicht aus.

Bekanntlich hatte sich die Fraktion der Freien Wähler schon 2014 für eine multifunktionale Nutzung des Eisstadions ausgesprochen, damit dort Veranstaltungen in den Bereichen Sport, Kultur und solche mit Eventcharakter möglich sind. Ihr aktueller Antrag zielte darauf ab, die Satzung und Benutzungsordnung dahingehend zu anzupassen, eine Regelung für Nutzungsentgelte zu erarbeiten und regulative Rahmenbedingungen zu erarbeiten. Zudem soll die Verwaltung die aktualisierten Kosten für eine ganzjährige Multifunktionsnutzung ermitteln.

Markus Pferner, Leiter des Finanz-, Sozial- und Schulreferats sowie Vorstandsvorsitzender des Kommunalunternehmen Eisstadion Kaufbeuren, legte dar, dass die beantragte ganzjährige Multifunktionsnutzung durch europarechtliche Vorgaben, die derzeitige sportliche Nutzung des Stadions sowie immissionsschutzrechtliche Vorschriften beeinflusst werde. Für nicht sportliche, kommerzielle Veranstaltungen müsse ein „marktangemessenes, mindestens aber kostendeckendes Entgelt erhoben werden“. Eine Anpassung der Satzung sei denkbar, wenn sich der Stadtrat für eine Nutzung über den Eissport hinaus entscheide. Pferner erinnerte daran, dass die Arena auf den Betrieb als Sportstätte ausgerichtet ist und weder über Bühne oder Bühnentechnik noch über Bestuhlung verfügt. Vorhanden sind hingegen vier Kioske und eine Stadiongaststätte. Die Licht- und Tontechnik sei an die Anforderungen an ein Eissportstadion angepasst. Ein Abdeckboden inklusive Lagerung schlage mit fast 700.000 Euro zu Buche. 2200 Euro netto betrage die Kostenmiete bei Veranstaltungen für einen Nutzungstag, hinzu kämen weitere Kosten für Nebenkosten wie Reinigung, Ticketing und die Nutzung der Stadiongastronomie. Der Veranstalter müsse sich selbst um den Sicherheitsdienst und Personal für Auf- und Abbau der Bühne bemühen. Die Veranstaltungen können grundsätzlich nur zwischen 8 und 21.30 Uhr stattfinden. Das Kontingent von 18 erlaubten sogenannten seltenen Ereignissen, also ein Ende der Veranstaltungen nach 22 Uhr, sei bereits durch die Eishockeyspiele ausgeschöpft.

Wie die FW ebenfalls beantragt hatten, wurden 40 Veranstaltungsbüros angeschrieben und nach ihrem Interesse gefragt. Ein Büro hatte abgelehnt, lediglich eines habe weitere Unterlagen angefordert, der Rest habe sich nicht gemeldet.

Generell sei das Stadion durch den Trainings- und Spielbetrieb der verschiedenen Mannschaften des ESVK sowie durch Hobbymannschaften, Schulen und Kindergärten, öffentlicher Lauf und Eisdisco ausgelastet. Dies sei auch in der eisfreien Zeit der Fall mit Sommertraining, Inlinehockey und Sonderveranstaltungen. Auch eine Stellungnahme von Michael Kreitl, Geschäftsführer der ESVK Spielbetriebs GmbH, die Pferner vorlegte, bestätigte den ausgeschöpften Eisplan. Aus seiner Sicht sei es nicht möglich, in der Zeit von August bis April andere große Veranstaltungen in dem Stadion abzuhalten, denn „der sportliche und finanzielle Verlust wäre für den ESVK nicht tragbar“. Derselben Ansicht war auch Alexander Uhrle (KI): „Das würde den ESVK schädigen“. Pohl als ehemaliger ESVK-Vorstand müsse eigentlich dieses Hintergrundwissen haben. Jemand der solche Forderungen stelle, „kann gar kein ESVK-Fan sein“, sagte Uhrle, der im ESVK-Vorstand sitzt. Wie allgemein bekannt sei, sei der ESVK einer der besten Nachwuchsvereine und strebe eine 5 Stern-Klassifizierung an – und das ohne zweite Eisfläche. Man nutze also quasi jede freie Minute aus für den Sport in der Arena.

FW-Fraktionsvorsitzender Bernhard Pohl sagte, dass die Stellungnahme der Verwaltung weit über die im Antrag geforderten Punkte hinausgehe. Gegenstand des Antrags sei, den Grundsatz zu erweitern und einen „Einstieg zu schaffen in die Multifunktionsnutzung. Außerdem habe er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er eine zweite Eisfläche für nötig erachte. Oberbürgermeister Stefan Bosse warf ein, dass eine solche auf der Ostseite des Stadions kein Problem sei.

CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Thomas Jahn sah keine neuen Erkenntnisse und regte an, den Antrag bis zur nächsten Stadtratssitzung zurückzustellen. Ohnehin sei das Ergebnis der Befragung, dass kein Veranstalter Interesse zeige. Ohne Abstimmung und Empfehlung wurde das Thema an den Stadtrat weitergegeben.

von Martina Staudinger

Auch interessant

Meistgelesen

Auffahrunfall zwischen Pforzen und Schlingen: Autofahrerin schwer verletzt
Auffahrunfall zwischen Pforzen und Schlingen: Autofahrerin schwer verletzt
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Kripo Kaufbeuren fahndet mit Phantombild nach Enkeltrickbetrüger
Kripo Kaufbeuren fahndet mit Phantombild nach Enkeltrickbetrüger
Freie Wähler schicken Bernadette Glückmann ins Rennen um OB-Wahl
Freie Wähler schicken Bernadette Glückmann ins Rennen um OB-Wahl

Kommentare