Bewohner in Wohnblock erkrankt

Massiver Legionellenbefall

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Legionellen-Befall: In diesem Kaufbeurer Wohnblock wurde eine extrem hohe Kontamination festgestellt.

Kaufbeuren – Eine „extrem hohe Kontamination“ mit Legionellen ist in einem Wohnblock im Ortsteil Hirschzell-Siedlung in einer Wohneinheit festgestellt worden.

Nach einer im Januar erfolgten Routine-Messung hatte die zuständige Hausverwaltung den betroffenen Mieter und Eigentümer zwar sofort angeschrieben und ein Duschverbot empfohlen, sah aber aufgrund weiterer Messergebnisse an der zentralen Trinkwasseranlage zunächst keine Veranlassung zur Information aller Bewohner. Das zuständige Gesundheitsamt erfuhr nach eigenem Bekunden erst Ende März von dem auffälligen Ergebnis. Zwischenzeitlich war eine Bewohnerin an Legionellen erkrankt. 

In dem Wohnblock war nach Information von Frank Runge, Geschäftsführer der zuständigen Allgäuer Wohnungsverwaltung, 2012 eine neue Anlage zur Trinkwasseraufbereitung installiert worden. Bei der Erstuntersuchung 2013 war ein Wert von 6200 (Kolonie bildende Einheiten) KbE/100 ml Wasser ermittelt worden. Dies habe, so der Geschäftsführer, zu sofortigen thermischen Maßnahmen und gemäß erfolgter Gefährdungsanalyse zu einem Umbau geführt.

 Drei weitere Untersuchungen innerhalb eines halben Jahres bis Januar 2014 hatten nach seinen Worten keine Überschreitungen der Grenzwerte mehr ergeben. Nach der Trinkwasserverordnung müssen seit 2012 auch Mehrfamilienhäuser alle drei Jahre auf Legionellen-Befall untersucht werden (siehe Infoblock unten). 

Bewohnerin erkrankt 

Die Beprobung von zwölf Wohnungen am 20. Januar dieses Jahres durch die Firma Wassernetz erbrachte dann am 3. Februar das Ergebnis: in einer Wohnung ein Wert von 23.500 KbE/100 ml Wasser – und damit eine „extrem hohe Kontamination“! „Wir waren von dieser Überschreitung völlig überrascht“, so Runge. Mieter und Eigentümer der betroffenen Wohnung seien sofort informiert worden. 

Eine weitere Messung sowohl am zentralen Boiler-Ausgang als auch am Rücklauf der Zirkulationsleitung habe einen „0-Wert“ ergeben. „Aufgrund dieser Werte sah ich keine Veranlassung, das zuständige Gesundheitsamt zu informieren“, er- läuterte der Verwalter. Auch im Haus selber habe er „keine Panik“ machen wollen und „bewusst nichts ausgehängt“. 

Die erkrankte Bewohnerin sieht dies anders. „Ich halte es für unverantwortlich und gefährlich, uns erst zwei Monate nach dem weit über dem Grenzwert liegenden Ergebnis zu informieren“, machte sie ihrer Verärgerung Luft. Sie werde sich weitere rechtliche Schritte vorbehalten. 

Maßnahmen 

Als Maßnahmen wurde der Rest des Hauses Anfang Februar lediglich über eine Temperaturerhöhung des Brauchwassers auf mehr als 60°C und die damit verbundene Verbrühungsgefahr informiert. In einem weiteren Schreiben vom 16. März erfolgte der Hinweis, dass bei den oberen Wohnungen am 27. April eine weitere Beprobung erfolge. Außerdem wurden die Bewohner aufgefordert, „täglich vermehrt unvermischt heißes Wasser laufen zu lassen“. 

Mit Aushang vom 31. März kam die Bekanntmachung an alle Bewohner über die Legionellen-Belastung und das Duschverbot. Ob es sich bei der an Legionellen erkrankten Person um den gleichen Legionellen-Typ wie den im Wohnblock ermittelten handelt, sei Runges Ansicht nach aber noch nicht bestätigt. 

Wenn eine Wohnung leer steht oder ein Bewohner länger verreist ist, kann es laut Runge aufgrund von fehlendem Warmwasserverbrauch und damit verbundener Stauwirkung zur Bildung von Legionellen kommen. Über Zirkulationsleitungen können diese in den gesamten Wasserkreislauf gelangen. In Deutschland gab es 2003 (Frankfurt/ Oder), 2010 (Ulm) und 2013 (Warstein) insgesamt 235 Erkrankungen und zehn Todesfälle durch Legionellen.

von Wolfgang Becker

Vermeidung von Legionellen und Maßnahmen

Auszug aus der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) hinsichtlich Legionellen: 

• Jährliche Untersuchung an mehreren repräsentativen Probeentnahmestellen bei öffentlichen Betreibern von Trinkwasseranlagen wie beispielsweise Schulen, Hotels und Pflegeheimen. 

• Seit 2012 bestehende Untersuchungspflicht auch für weitere Gruppen, unter anderem für Besitzer/Vermieter von Mehrfamilienhäusern, Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen. Für diese beträgt das geforderte Untersuchungsintervall drei Jahre. Die Erstuntersuchung musste bis zum 31. Dezember 2013 erfolgt sein. 

• In der Trinkwasserverordnung ist für Legionellen ein Technischer Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten (KbE) je 100 ml festgelegt. Wird bei einer Untersuchung eine Überschreitung dieses Wertes festgestellt, muss dies unmittelbar an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Das Wasser gilt als kontaminiert mit geringem Infektionsrisiko. 

• Bei einem Gehalt ab 10.000 KbE/100 ml ist sofortiger Handlungsbedarf geboten. Hier spricht das Arbeitsblatt W 551 von einer „extrem hohen Kontamination“ und fordert Sofortmaßnahmen wie beispielsweise eine Desinfektion des Leitungsnetzes oder die Verhängung eines Duschverbots.

Mögliche Maßnahmen 

• Bei Überschreiten von 100 KbE/100 ml gegebenenfalls Gefährdungsanalyse vor Ort, 

• Temperaturerhöhung des Brauchwassers auf mehr als 60°C, 

• Duschverbot ab 10.000 KbE/100 ml, 

• Desinfektion des Leitungsnetzes, 

• Gegebenenfalls erforderliche umfassende Sanierung der Trinkwasser-Installation.


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