Planungen zum Einzelhandelszentrum "Forettle" verzögern sich

Mit Laufband durch die City?

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Unter anderem auf dem Gelände des „Holzland Sturm“ soll das Fachmarktzentrum entstehen.

Kaufbeuren – Große Erwartungen hatten Bürger und Geschäftsleute am Mittwoch in die Bauausschuss-Sitzung gesetzt. Sollte hier doch darüber entschieden werden, ob und in welcher Form die Stadträte den Plänen von Investor Dr. Henrik Aldinger für ein Einzelhandelszentrum im „Forettle“ zustimmen. 

Der Investor Dr. Henrik Aldinger will am "Forettle" in Kaufbeuren ein großes Einzelhandelszentrum errichten. Weil noch wichtige Unterlagen fehlen, wurde bei der jüngsten Sitzung des Kaufbeurer Bauausschusses lediglich der aktuelle Sachstand diskutiert und von den Räten offiziell „zur Kenntnis genommen“. Laut Stadtplaner Manfred Pfefferle gibt es bei dem Millionenprojekt noch einige unbekannte Größen. So sei eine städtebauliche Einschätzung des Büros Dr. Lademann & Partner nicht mehr auf dem neuesten Stand, zudem fehlen noch ein Rahmenplan, in dem die Auswirkungen auf die Nachbargrundstücke abgestimmt werden, und ein vollständiger Erschließungsplan. Eine weitere Verzögerung könnte sich durch einen beabsichtigten Wechsel des Planungsbüros ergeben. „Wir haben Fortschritte erzielt, sind aber noch nicht am Ziel“, fasste Pfefferle den Status Quo zusammen. 

Keine vorschnellen Entscheidungen

Trotz der Vielfalt der Einzelmeinungen war man sich deshalb im Gremium einig, keine vorschnelle Entscheidung für oder wider die Pläne von Dr. Aldinger zu fällen. Zwar bat Dr. Jochen Ehlers, der als Vertreter des Investors zur Ausschuss-Sitzung gekommen war, nachdrücklich, „so bald wie möglich in das formale Verfahren zum Bebauungsplan eintreten zu können“, doch die Räte wollten sich sichtlich nicht drängen lassen. Neben den bekannten Argumenten wie einer „idealen Lage nahe der Innenstadt“ führte Ehlers an, es seien bereits Termine mit sämtlichen beteiligten Trägern öffentlicher Belange gemacht worden: „Hier konnten die Bedenken bezüglich des Einzelhandelszentrums weitgehend ausgeräumt werden“. Der häufig geäußerten Befürchtung, die Geschäfte im neuen Zentrum würden eine direkte Konkurrenz zum Angebot in der Altstadt darstellen, begegnete er mit der Zusage, man wähle nur Anbieter aus, die sich entweder wegen ihrer Größe sowieso nicht in der Altstadt ansiedeln könnten, oder deren Segment keinem ansässigen Einzelhändler in die Quere komme. Bevorzugt würden außerdem Anbieter, die auch Kunden von außerhalb nach Kaufbeuren locken. Laut Ehlers steht das Sortiment bereits größtenteils fest (siehe Infokasten). „Das Bebauungsplan-Verfahren wird am längsten dauern“, mahnte Ehlers: „Kaufbeuren hat hier die Chance auf ein tolles Angebot. Sollte das Zeitfenster verstreichen, suchen sich die Unternehmen andere Standorte“. Hier warnte jedoch Stadtrat Ernst Schönhaar (CSU) im Gegenzug: „Wir können ja im Stadtrat nicht beschließen, welche Unternehmen sich schließlich im Forettle einmieten!“ Es sei zwar erfreulich, dass die Mieter vom Investor derart sorgfältig ausgewählt würden – „Tatsächlich können wir Sie darauf aber nicht festlegen“. Der Stadtrat sei also gut beraten, mit einer Entscheidung zu warten, bis alle Fakten auf dem Tisch liegen, und das Verfahren nicht vom Zeitplan der Mieter bestimmen zu lassen. Stadtrat Alexius Batzer (KI) sprach erneut das Thema Wohnbebauung an. Eine solche war vielen Beteiligten ursprünglich als die beste Lösung erschienen. „Ich halte die Idee immer noch für gut. Jedoch konnte der Grundstückseigentümer damit nicht die nötigen Erlöse erzielen“, erklärte Pfefferle: „Wir können mit der Lösung eines Einzelhandelszentrums gut leben“. Bürgermeister und CSU-Fraktionschef Gerhard Bucher betonte seinerseits die Bedeutung von sogenannten „Ankern“ im Innenstadtbereich. Im Einkaufszentrum sieht er „eine gute Ergänzung im Osten“, allerdings unter Vorbehalt der ausstehenden Planungen und Erhebungen. 

Verschiedene Meinungen zur Umsetzung

Gremiumsmitglied Gerhard Limmer (CSU) äußerte die Befürchtung, dass nach Genehmigung der Pläne Mieter abspringen könnten und so Leerstände entstehen. Ehlers entgegnete, die Mietverträge seien auf eine Nutzung von 15 Jahren ausgelegt, mit einer Option auf 30 Jahre. Angeregt diskutiert wurde erneut auch die Frage nach der idealen Anbindung des Forettle an die Altstadt – schließlich soll diese von einem bewusst gelenkten Kundenstrom direkt profitieren. Vorgesehen ist derzeit ein Kreuzungsbauwerk mit Ampel über den „Graben Süd“ in Richtung Stadtmitte. Möglich wären ein Steg, daneben ein ebenerdiger Fußweg, oder, so Stefan Bosse, eine „Laufband-Lösung“. Grünen-Stadtrat Wolfgang Hawel meinte dazu, es müsse „von Anfang an“ eine „Lösung aus einem Guss“ gefunden werden, damit „die Leute nicht direkt vom Parkplatz des Einkaufszentrums wieder nach Hause fahren“. Die Steg-Lösung wird laut Manfred Pfefferle derzeit untersucht, konkrete Ergebnisse werden im März erwartet. Bosse stellte jedoch – mit eindeutigem Blick in die Zuschauerreihen – klar, dass eine direkte Verbindung zwischen Forettle und Ludwigstraße, wie sie die dortigen Geschäftsleute favorisieren, hohe Kosten bedeuten würde. Da es aber am Mittwoch erst einmal nur um die „Kenntnisnahme“ des Sachstandes ging, wurde die Diskussion schließlich bis auf weitere Erkenntnisse vertagt. Eines war Investoren-Vertreter Dr. Jochen Ehlers zum Ende noch wichtig: „Sie alle brauchen sich keine Sorgen zu machen. Die Stadt ist – und bleibt bis zum Schluss – immer Herr des Verfahrens“. Einzelhändler und Vorstand der Aktiongemeinschaft Kaufbeuren e. V. Christian Starkmann erklärt auf Anfrage, die AK wolle sich derzeit nicht äußern. Er persönlich findet die Idee eines zusätzlichen Nahversorgers im Lebensmittelbereich gut, dieser solle aber unbedingt „hochwertig“ sein. Dass ein Projekt dieser Größenordnung sich in Kaufbeuren bereits in diesem Stadium verzögert, wundert ihn nicht. von Michaela Frisch

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