Freie Wähler: Ausbildung für Flugsicherung muss nach Kaufbeuren

"Chancen für weitere Synergien"

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Auf der Zielgeraden: Bekommt Kaufbeuren den Zuschlag für die Ausbildung in zivil-militärischer Kooperation?

Kaufbeuren – Unmittelbar vor der endgültigen Entscheidung der Bundeswehr, die Flugsicherungsausbildung künftig in privater Trägerschaft in Kaufbeuren oder militärisch in Erndtebrück durchzuführen, wendet sich der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) an den Verteidigungs-Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe (CDU) und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

In diesen Schreiben beleuchtet er wesentliche Aspekte, die für den Standort Kaufbeuren sprechen und die aus seiner Sicht bei der Abwägung zu beachten sind. Zudem verweist er auf die „Möglichkeit weiterer Synergien am Standort“ beispielsweise durch eine zivile Drohnenausbildung. 

In seinem Brief an Brauksiepe zeigt sich Pohl „einigermaßen überrascht und wenig erfreut“, weil der Staatssekretär einen für vergangenen Donnerstag in Aussicht gestellten Termin abgesagt und mitgeteilt hat, für Gespräche bis auf Weiteres nicht zur Verfügung zu stehen. „Ich bedaure dies sehr“, so Pohl auf Nachfrage des Kreisboten, „denn meine Absicht war, dem Staatssekretär Informationen an die Hand zu geben, die für die Entscheidungsfindung von Bedeutung sein können“. 

In seinem Schreiben an den Staatssekretär geht der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete weniger auf strukturpolitische Notwendigkeiten ein. „Es geht um optimale Aufgabenerfüllung, um Kosten und mögliche weitere Vorteile, die die Bundeswehr bei einer Entscheidung für Kaufbeuren haben könnte“, so Pohl. Daher habe er nochmals die erstklassige Qualität der Ausbildung in Kaufbeuren hervorgehoben. 

Beispielhaft verwies er auf den Preis für die „Beste technische Umsetzung" in der Computerunterstützten Ausbildung (CUA) 2012 in Karlsruhe beim „European Award for Technology Supported Learning". Ein Umzug nach Nordrhein-Westfalen könne zu Qualitätsverlust durch Kündigungen führen, zumal der Arbeitsmarkt hoch qualifizierten Technikern derzeit gute Perspektiven biete. Eine Ausbildung in ziviler Trägerschaft eröffnet nach Ansicht Pohls auch zusätzliche Geschäfts- und Handlungsfelder. 

Mit der Schulung im Bereich Flugsicherung könnten nach Ansicht Pohls weitere interessante Dienstleistungen erbracht werden, beispielsweise die Drohnenausbildung. „Es wird notwendig sein, die Führer von Drohnen sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich qualifiziert in einer festgelegten Ausbildung zu unterrichten“, erläutert Pohl, „Fachleute bestätigen, dass eine Kombination mit der Flugsicherungsausbildung absolut sinnvoll wäre. Diesen Aspekt sollte das Ministerium bei seiner Entscheidung auf jeden Fall berücksichtigen." 

Pohl hätte speziell diesen Aspekt gern in einem persönlichen Gespräch mit Staatssekretär Dr. Brauksiepe vertieft, ein Termin war bereits in Aussicht gestellt, drei Tage vorher wurde das Treffen aber von Seiten Brauksiepes mit großem Bedauern abgesagt und zunächst ein zeitnaher Ersatztermin in Aussicht gestellt. Am vorvergangenen Freitag kam dann laut Pohl aus dem Ministerium die knappe Aussage, der Staatssekretär stehe bis auf Weiteres für ein persönliches Gespräch nicht zur Verfügung. 

In einem weiteren Brief mit wesentlichen Gesichtspunkten für den Erhalt der Flugsicherungsausbildung wendet sich Pohl an den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Darin bittet er, dieser möge „noch einmal mit großem Nachdruck“ sein „politisches Gewicht in die Waagschale werfen“, um einen wesentlichen Baustein der bayerischen Kompetenz im Bereich der Luft- und Raumfahrt zu erhalten. 

„Hier hat Bayern in Deutschland eine Technologieführerschaft, hier steht eine Vielzahl hoch qualifizierter Arbeitsplätze auf dem Spiel“, so Pohl in seinem Brief und schließt: „Ich bitte Sie darum, mit der zuständigen Ministerin Frau Ursula von der Leyen Kontakt aufzunehmen, damit die für Kaufbeuren und für ganz Bayern höchst schmerzliche Entscheidung der Schließung der Technischen Schule der Luftwaffe in Kaufbeuren wenigstens den Bereich der Flugsicherung verschont.

von Wolfgang Becker

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