Geduld ist gefragt

Auflösung schlägt Wellen – Puppenspielverein hat Pläne

Puppentheater in der Wagenseilstraße Kaufbeuren
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Hier im Puppentheater in der Wagenseilstraße sollen ausgewählte Stücke der Raabschen Sammlung mittelfristig eine neue Heimat finden.

Kaufbeuren – Dass die im Kulturausschuss beschlossene Auflösung des Puppenspielmuseums Wellen schlagen würde, war vorherzusehen. Dem Puppenspielverein wäre es jedoch am liebsten, „wenn sich die Welle wieder legt und wir in Ruhe an einer tragfähigen Zukunft arbeiten können. Ideen sind vorhanden, aber noch nicht ausgereift. Als erstes müssen wir mit der Stadt sprechen und Genehmigungen einholen“, äußerte Spielleiterin Katrin Keetman. Dass das Zeit braucht und nicht von heute auf morgen geht, versteht sich von selbst.

Werner Weirich, der Erste Vorsitzende des Heimatvereins, gab an, dass der Heimatverein zusammen mit anderen Kulturfachleuten beispielsweise im Stadtmuseum in die Zukunftsplanung eingebunden war, dass jedoch niemand vom Puppenspielverein diesbezüglich auf den Heimatverein zugekommen sei. Weirich musste allerdings zugeben, dass der Heimatverein auch bei einer frühzeitigen Anfrage keine brauchbare Problemlösung anzubieten gehabt hätte, zumal man sich gerade mit eigenen „Baustellen“ befassen müsse, unter anderem dem Zollhäuschen. So sind die Äußerungen von Werner Weirich und Dr. Ulrich Klinkert, den beiden Vorsitzenden des Heimatvereins, wohl mehr als Wunsch denn als konkrete Anregung zu verstehen. Dem Wunsch, „einen neuen Platz im Foyer des Puppentheaters für solche Exponate zu finden, die für die Geschichte Kaufbeurens prägend sind“, wollte der Puppenspielverein ohnehin schon von sich aus nachkommen.

Zukunftspläne

Prinzipiell sind kulturelle Vernetzung und Synergie durchaus wünschenswert, und zu gegebener Zeit kann sich der neue Vereinsvorstand voraussichtlich auch mit Vernetzung beschäftigen: sobald alle Aufräumungsarbeiten abgeschlossen und die Eigentumsverhältnisse verbindlich geklärt sind. Da kein Testament von Alois Raab vorliegt, ist derzeit nicht klar, ob die Exponate dem Verein oder Raabs Erben gehören.

Auf jeden Fall wird das Raabsche Erbe „mit höchster Sorgsamkeit und Respekt behandelt“. Das ist für Katrin Keetman, die von Anfang an im Verein dabei war und schon als kleines Mädchen bei Alois Raab das Puppenspielen gelernt hat, ein Herzensanliegen. Bis jetzt sei noch kein einziges Exponat veräußert worden. Es solle auch nichts „verscherbelt“ werden, betonte Keetman, sondern der Verein halte sich an die „ethischen Richtlinien für Museen“, worin es heißt: „Ein ausgesondertes Stück soll zuerst einem anderen Museum angeboten werden.“ Vorläufig haben Keetman und ihre Helfer lediglich das Speicherdepot in mühsamer Kleinarbeit von Müll befreit und die dort lagernden Exponate gereinigt.

Für die Zukunft der Ausstellungsstücke wird derzeit an einem Konzept gearbeitet. Sein erstes Museum hatte Raab im 1972 erbauten Puppentheater in der Wagenseilstraße eingerichtet. Zu diesen Anfängen möchte man zurückkehren. Es soll eine interessante, moderne Ausstellung werden, aber der Verein will mit seinen Plänen erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn in Abstimmung mit der Stadt ein fertiger Entwurf nebst allen erforderlichen Genehmigungen vorliegt und die Durchführung gesichert ist.

Spenden und Spieler sind willkommen

Dafür sind natürlich auch Spenden höchst willkommen – sowohl als Einmalbetrag, als auch in Form eines regelmäßigen Mitgliedsbeitrages. Jeder kann in den Puppenspielverein Kaufbeuren e.V. eintreten und auch aktiv vor und hinter der Bühne mithelfen. Der Verein sucht unter anderem weitere Spieler – „nicht dass wir mühsam das Theater retten und dann haben wir womöglich niemanden mehr, der spielt“, witzelte Keetman.

Fazit ist, dass wohl noch eine Menge Wasser die Wertach hinunter fließen wird, bevor das vom vor zwei Jahren neu gewählten Vereinsvorstand ererbte Chaos wieder völlig normalisiert ist. Die jetzt um das Puppentheatermuseum trauernden Kaufbeurer brauchen also noch eine hübsche Menge Geduld. Tatkräftige Mithilfe könnte jedoch die Zeit verkürzen. Beitrittsanfragen per E-Mail an

info@­puppentheater.de.

Ingrid Zasche

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