Gestiegene Kosten machen Anpassung erforderlich

Bestattungen in Kaufbeuren werden teurer

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Der Waldfriedhof in Kaufbeuren stellt mit seiner parkähnlichen Anlage auch einen Ort der Erholung dar.

Kaufbeuren – Der zuletzt mit Beschluss vor vier Jahren festgesetzte Kalkulationszeitraum für die Friedhofsgebühren von 2015 bis 2018 läuft mit Ende dieses Jahres ab. Standesamtsleiter Mathias Müller erläuterte dem Verwaltungs-, Finanz- und Stiftungsausschuss in der letzten Sitzung die Neukalkulation detailliert, der diese einstimmig entschied.

Um die aufgelaufenen Verluste von insgesamt 333.000 Euro auszugleichen, ist eine durchschnittliche Gebührenerhöhung von 16 Prozent gegenüber 2015 notwendig. Wesentliche Gründe für die Kostensteigerung sind die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Unkrautvernichtung und das vorgeschriebene Baumpflegewerk.

Grundlage für die Neukalkulation sind laut Müller die Ergebnisse der vergangenen vier Jahre. Das Verbot des bis 2015 verwendeten Unkrautvernichtungsmittels führte ab 2016 ebenso zu einer spürbaren Erhöhung der Pflegekosten wie in den Jahren 2017 und 2018 das vorgeschriebene und konsequent umgesetzte Baumpflegewerk. Diese beiden Maßnahmen hatten nicht prognostizierbare Mehrkosten in Höhe von insgesamt rund 250.000 Euro zur Folge. Einige Renovierungen waren bereits in Eigenleistung des Personals erfolgt.

Gesetzlich geregelt

Grundlage der Neuberechnung ist das Kommunalabgabengesetz (KAG), nach dem die Stadt berechtigt und verpflichtet ist, für die Benutzung der Friedhöfe Gebühren zu erheben und die Kosten für einen maximalen Zeitraum von vier Jahren berücksichtigt werden dürfen. Als neuer Kalkulationszeitraum wurde der Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2022 festgesetzt. Voraussetzung für die nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen zu erstellende Kalkulation ist eine geordnete Erfassung sämtlicher, für die Kalkulation notwendigen Kosten.

Gebührenermittlung

Kommunale Friedhöfe dienen nicht nur der Totenbestattung, sie sind auch Orte des Gedenkens und der Einkehr. Sie erfüllen zudem wichtige städtebauliche, soziale, ökologische und der Erholung dienende Funktionen. Daher dürfen Kosten für Leistungen, die überwiegend im öffentlichen Interesse liegen – sogenanntes öffentliches Grün – nicht in die Kalkulation von Benutzungsgebühren mit einbezogen werden. Für alle sechs Friedhöfe in Kaufbeuren errechnet sich eine Gesamtfläche von rund 48.000 Quadratmeter „öffentliches Grün“, was 27 Prozent der Gesamtfriedhofsfläche von etwa 178.000 Quadratmeter entspricht. Auch sonstige bauliche Anlagen wie beispielsweise Teiche, Baudenkmale, Ehrengräber oder erhaltungswürdige Grabstätten gehören dazu. Aufwendungen dagegen zum Beispiel für Gräber, Abfallplätze, Wasserzapfstellen und Sitzplätze oder bauliche Anlagen wie Aufbewahrungsräume, Kapellen, Betriebshöfe, Einfriedungen und Parkmöglichkeiten sowie vieles mehr sind anteilig gebührenrelevant.

Geänderte Bestattungskultur

Die zu erhebenden Gebühren stellen ein Steuerungselement für die Benutzung der Friedhofseinrichtungen und der einzelnen Bestattungsarten dar. Hierbei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass sich die Bestattungskultur im Laufe der Zeit zunehmend verändert. Waren im Jahr 2004 noch etwa 55 Prozent der Bestattungen Erdbestattungen und der Rest Urnenbeisetzungen, so hat sich der Anteil der Urnenbestattungen auf derzeit rund 75 Prozent erhöht. Ebenso geht der Trend vermehrt auch in Richtung anonyme Urnen-, Urnenbaumbestattungen oder pflegefreie Gräber. Bei der Neukalkulation wurde versucht, die Kosten des Baumpflegewerkes in erster Linie auf die Gebühren für die Urnengemeinschaftsbaumgräber umzulegen, was zu einer Steigerung von 53 Prozent gegenüber der alten Gebühr führt. Allein im Waldfriedhof gibt es derzeit 810 (von insgesamt 1169) Laubbäume, die größtenteils als Urnengemeinschaftsbäume genutzt werden könnten.

Der Trend zu Letzteren ist laut Müller ungebrochen, da Kaufbeuren der einzige Friedhof im gesamten Umland ist, der diese Bestattungsmöglichkeit an wertvollen Laubbäumen innerhalb eines Friedhofs anbietet. Unter Zugrundelegung der berechneten Gebühren werde prognostisch die Unterdeckung aus dem vorausgegangenen Kalkulationszeitraum bis zum Ende dieses Kalkulationszeitraumes (2022) aufgefangen und es könne damit gerechnet werden, dass es bei einer künftigen Neukalkulation wieder zu einer Gebührensenkung kommen kann. Trotz allem lägen die Bestattungskosten in Kaufbeuren im Vergleich anderer bayerischer Städte zwischen 40.000 und 70.000 Einwohner nach wie vor im moderaten Durchschnitt. Er vergaß nicht zu erwähnen, dass der Waldfriedhof Kaufbeuren 2015 als einer der schönsten Friedhöfe bei den kreisfreien Städten ausgezeichnet wurde.

von Wolfgang Becker

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