Wild und Wald im Ostallgäu

Jagen heißt auch beobachten

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Zahlreiche Ehrengäste hatten sich zur diesjährigen Hege- und Naturschutzschau im Marktoberdorfer Modeon eingefunden. In der hinteren Reihe stehen die Jagdhornbläser der Jägervereinigung Marktoberdorf. In der 1. Reihe von links nach rechts: Robert Berchtold, Forstdirektor AELF; Werner Schneider, 2. Vors. JV MOD; Dr. Jörg Mangold, Vors. Kultirausschuss BJV; Dr. Wolfgang Hell, Bürgermeister der Stadt MOD; Peter Keßler, 1. Vors. JV MOD; K.H.Rieger, Jagdhornbläser; Christian Löwenmuth, Jagdberater; Alois Altmann, Ehrenvorsitzender JV MOD; Lars Leveringhaus, Stellvertretender Landrat; Ralf Kinkel, Oberregierungsrat.

Marktoberdorf – Nachdem im Spätherbst vorigen Jahres Vorsitzender Alois Altmann von seinen Jagdkollegen in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet und zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, durfte der neu gewählte 1. Vorsitzende der Jägervereinigung Marktoberdorf, Peter Keßler, kürzlich erstmals die Hege- und Naturschutzschau 2017 leiten und moderieren.

Bereits in den Vormittagsstunden konnten im Modeon Fachleute und die Allgemeinheit die Gelegenheit nutzen, um die Trophäenschau und eine Ausstellung des Fischereivereins Marktoberdorf zu besuchen. Am Nachmittag folgte dann der offizielle Teil der Veranstaltung, die von den Jagdhornbläsern der Jägervereinigung Marktoberdorf unter der Leitung von Markus Bauer eröffnet wurde.

Die Liste der Ehrengäste, die Keßler verlesen durfte, war lang. Neben Vertretern der Lokalpolitik waren Mitglieder der Unteren Jagdbehörde, Jagdberater, Forstdirektor Robert Berchtold, Oberregierungsrat Ralf Kinkel und etliche Vorsitzende befreundeter Nachbarortsgruppen erschienen. Zu Beginn seiner Reide konnte Keßler mit einer gewissen Zufriedenheit feststellen, dass man im zurückliegenden Zeitraum pflichtbewusst gejagt, aber auch gehegt und gepflegt habe. Die Rot- und Rehwild-Jahresabschusszahlen 2016/2017 konnten „einigermaßen“ erfüllt werden. In diesem Zusammenhang erklärte der Vorsitzende, dass Jäger, Forstwirtschaft und Landwirte künftig noch enger zusammenarbeiten müssen. Wichtig sei auch, ein harmonisches Verhältnis zur Bevölkerung aufzubauen. Schließlich müsse die Allgemeinheit erkennen, dass ohne Schutz, Toleranz und sinnvoller Jagd eine intakte Natur nicht zu erhalten sei.

In Vertretung der erkrankten Landrätin überbrachte deren Stellvertreter Lars Leveringhaus die besten Grüße. Er und auch Marktoberdorfs 1. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell wiesen in ihren Grußworten darauf hin, dass Wild-, Wald- und Naturschutz nur gemeinsam erfolgreich betrieben werden könne. Nur in Einigkeit und an einem Strang ziehend könne „unsere schöne Ostallgäuer Heimat liebens- und lebenswert erhalten bleiben“. Und so gab es auch reichlich Dank für die tägliche Hege- und Pflegearbeit. Zusammen mit dem Fischereiverein erfülle die Jägervereinigung einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer Natur- und Kulturlandschaft. Dies solle auch weiterhin so sein.

Forstdirektor Robert Bercht­old, der im Sommer seinen Ruhestand antritt, blickte in seiner Rede auf 26 Jahre „Wild und Wald im Ostallgäu“ zurück. Er erinnerte dabei an die damals sehr schwierige Ausgangslage zu Beginn seiner Tätigkeit. Allein die Aufarbeitung der seinerzeitigen Sturmschäden und die sich anschließende Borkenkäferplage habe ihm viele schlaflose Nächte bereitet. Mit viel Humor blickte der scheidende Forstdirektor auf so manches „ausgefochtene Scharmützel“ hinsichtlich hoher Abschusszahlen zurück und bezeichnete das Ganze als eine äußerst „kitzlige Gratwanderung“. Die Aufforstung und Schaffung artenreicher Misch­wälder bezeichnete Berchtold als eine seiner wichtigsten Aufgaben der vergangenen Jahre und so freue er sich, dass sich gewisse Erfolge zwischenzeitlich eingestellt hätten.

Es folgten die Jahresabschuss­zahlen 2016/2017 in einem Bericht von Jagdberater Christian Löwenmuth. So wurden im Kemptner Wald von den geforderten 173 Stück Rotwild in diesem Zeitraum 112 Tiere erlegt. Auch hinsichtlich Rehwild wurde mit 2623 Stück die geforderte Quote von 3160 Böcken, Geißen und Kitzen in den einzelnen Revieren nicht erreicht. An Schwarzwild wurden 59 Keiler, Überläufer und Frischlinge erlegt. Hier bereitete der gemessene sehr hohe CäsiumBq-Wert gewisse Sorgen.

„Jäger sein, bedeutet mehr als nur Beute zu machen“, erklärte der Hauptreferent des Tages, Dr. Jörg Mangold. Der Arzt, passionierte Jäger und bekannter deutscher Tier- und Landschaftsmaler sowie Illustrator und Autor von Jagdbüchern und Kalendern ist auch Vorsitzender des Kulturausschusses und des Ethikrates im Bayerischen Jagdverband. Deshalb auch sein Thema: „Jagd und Ethik“. Nur wer ethisch handle, so der Referent, habe auch langfristig Erfolg. Das gelte nicht nur für den Beruf und die Wirtschaft – das gelte auch für die große Passion des Jagens. Dabei könne es ohne weiteres sein, dass einem kurzfristig auch ohne Moral Großes gelinge, jedoch langfristig werde sich dieses Handeln negativ auswirken. Anhand vieler Beispiele und Hinweise verstand es der Referent „Jagd und Ethik“ auf einen wundersamen gemeinsamen Nenner zu bringen und die Zuhörer zum Nachdenken zu bewegen. Und so endete sein Vortrag mit dem wohlgemeinten Rat: „Wenn alleine die Gier nach kapitalen Trophäen oder großen Strecken die Triebfeder unserer Jagdleidenschaft ist, dann bleiben uns viele wundersamen Dinge und Geheimnisse in der Natur verborgen. Wir werden sie so nie aufspüren!“

von Klaus-Dieter Körber

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