Verhandlung vor dem Amtsgericht Kaufbeuren

Tragischer Betriebsunfall: Geschäftsführer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

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Wegen fahrlässiger Tötung wurde ein Arbeitgeber aus dem Ostallgäu verurteilt.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Es war ein tragischer Betriebsunfall, der sich im September 2015 in einem Ostallgäuer Schlachtbetrieb ereignet hat und einem 21-jährigen Mitarbeiter das Leben kostete. Der junge Mann, der für ein polnisches Subunternehmen arbeitete, wurde von einer hydraulischen Hubeinrichtung eingeklemmt und starb aufgrund schwerer Hals- und Kopfverletzungen noch am Unfallort. Sein Arbeitgeber wurde nun vom Kaufbeurer Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 9000 Euro verurteilt.

Gegen den Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung durch „Unterlassen einer ordnungsgemäßen Risikobewertung“ hatte der 56-jährige Geschäftsführer Einspruch eingelegt. Der Angeklagte äußerte vor Gericht zwar sein Bedauern, verantwortlich fühlte er sich für den Unfall aber zunächst nicht. Im Laufe der Verhandlung beschränkte er seinen Einspruch schließlich auf die Tagessatzhöhe.

Bei der Maschine, die laut Anklageschrift arbeitsschutzrechtlich unzulässig war und nicht der Betriebsverordnung entsprach, handelte es sich wohl um eine Eigenkonstruktion eines ehemaligen Schlachthof-Mitarbeiters. Die Anlage zur Abkühlung von überbrühten Ochsenmäulern bestand aus einer Wanne und einem Korb, der via hydraulischer Vorrichtung nach oben oder unten bewegt werden konnte. Einen Schutz gegen unbeabsichtigtes Betätigen der Mechanik gab es nicht. Wie es genau zu dem Unfall kam, konnte nicht geklärt werden. Ein Schlachthof-Mitarbeiter hatte seinen verunglückten Kollegen eingeklemmt in der Maschine vorgefunden, aber jede Hilfe kam zu spät.

„Maschine hätte nicht betrieben werden dürfen“

Dass es sich bei dem tragischen Tod des 21-Jährigen um eine „Verkettung unglücklicher Umstände“ handelt, ließ der Staatsanwalt in seinem Plädoyer anklingen. Für das Gerät selbst wollte keiner der vor Gericht geladenen Zeugen so recht zuständig sein, einige wussten wohl nicht einmal von dessen Existenz. Die Staatsanwaltschaft sah allerdings den Arbeitgeber klar in der Pflicht. So habe es der Geschäftsführer des Unternehmens „versäumt, eine ordnungsgemäße Sicherheitsbewertung zu machen“. Die Vorsitzende verurteilte den Angeklagten zu 90 Tagessätzen zu je 100 Euro. Die Familie des Unfallopfers erhält im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs ein Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro. In seinem Schlusswort drückte der Geschäftsführer noch einmal sein Bedauern angesichts des schrecklichen Unfalls aus.

von Mahi Kola

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