Bewegende Begegnungen

Kaufbeurer Arbeitskreis Asyl feiert 30-jähriges Jubiläum

+
Seit 30 Jahren setzen sich die Helfer des AK Asyl für Geflüchtete ein. Zur Ausstellungseröffnung in der Dreifaltigkeitskirche gab es unter anderem auch musikalische Beiträge von (ehemaligen) Geflüchteten.

Kaufbeuren – Zahlreiche Menschen mit individuellen Schicksalen sind den ehrenamtlichen Helfern in den 30 Jahren begegnet, in denen es den Arbeitskreis (AK) Asyl Kaufbeuren nun schon gibt. Jeder von ihnen bringt seine eigene Geschichte mit. Wovon sie erzählen und welche Gesichter sich hinter ihnen verbergen, können sich Interessierte in einer Ausstellung zum Jubiläum noch bis Ende Oktober in der Dreifaltigkeitskirche ansehen.

Rund 2000 Geflüchtete verschiedenster Nationalitäten haben die Engagierten des AK Asyl in dieser Zeit betreut. Günter Kamleiter als Sprecher des AK sprach bei der Ausstellungseröffnung von vielfältigen Begegnungen, aber auch bleibenden Eindrücken, mal tragischen, mal schönen: „Diese Menschen haben uns angerührt mit ihren Schicksalen, uns durch ihre Offenheit bereichert, uns bescheiden und sensibel gemacht. Sie haben uns herausgefordert mit ihren Fragen, Berichten von Krieg, Diktatur und Menschenrechtsverletzungen, und uns findig gemacht, für Menschen zu kämpfen, die unseren Beistand brauchen“, teilte Kamleiter seine Erfahrung und die seiner Mitstreiter. Die gezeigte Ausstellung sei „ein Zwischenbericht, kein Abschlussbericht“ und so hofft Kamleiter auch künftig viele Menschen in der Stadtgesellschaft zu finden, die zu helfen bereit sind und für die Hilfesuchenden einen Unterschied machen.

Zwischen Ermutigung und Resignation

Nicht immer gehen die Geschichten der Geflüchteten gut aus: Etwa, wenn sie abgeschoben werden, trotz aller Versuche, dies abzuwenden, oder gar das Ziel ihrer Flucht nie erreichen, weil sie beim Überqueren der Sahara verdursten oder im Mittelmeer ertrinken. Aber auch so manche beeindruckende Erfolgsgeschichte ist dabei, die den Helfern Mut macht. So ist die Tätigkeit der Ehrenamtlichen des AK einerseits mit Ereignissen verbunden, die frustrieren, andererseits solchen, die Anlass zur Hoffnung geben. Mit desinteressierten Behördenmitarbeitern und menschenverachtenden Heimleitern hätten sie es in dieser Zeit ebenso zu tun gehabt, wie mit solchen, die engagiert und aufgeschlossen waren, sie seien auf Ablehnung, aber auch auf viel Mitgefühl gestoßen. Grund zur Sorge gebe die „gesellschaftliche Stimmung in unserem Land“; dem gegenüber stehe aber eine große Gemeinschaft von Helfern, die vielen Menschen einen Neuanfang ermöglichen, und die Freude über neu entstehende Freundschaften.

„Auf attraktive Weise unbequem“

Das unermüdliche Engagement der Helfer feierte Kaufbeurens Bürgermeister Oliver Schill in seinem Grußwort: „Sie und Ihren Einsatz möchte ich großmachen, ohne die menschlichen Tragödien, die Teil Ihrer Arbeit sind, kleinzumachen.“ Begegnung nannte Schill als Schlüsselelement im Wirken des AK. Sie sei der beste Weg, „Vorurteile abzubauen und Verständnis zu fördern“, so Schill. „Und Begegnung braucht uns Menschen“. Geradezu „auf attraktive Weise unbequem“ seien die Mitglieder des AK. Denn „Sie weisen kompromisslos auf Missstände hin – Ihr ‚Unbequem-sein‘ ist ein wertvoller Beitrag dazu, damit der Wertekompass unserer Gesellschaft und jedes Einzelnen von uns nicht langsam und schleichend seine Ausrichtung verliert“.

von Mahi Kola

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Coronabank“: Rentner aus Biessenhofen fängt an zu basteln
„Coronabank“: Rentner aus Biessenhofen fängt an zu basteln
Adieu altes Eisstadion: Entkernungsarbeiten starten am Montag
Adieu altes Eisstadion: Entkernungsarbeiten starten am Montag
Kaufbeuren: „Schokoladen-Erlebniswelt“ auf Areal des alten Eisstadions geplant
Kaufbeuren: „Schokoladen-Erlebniswelt“ auf Areal des alten Eisstadions geplant
Erstmals „Stolpersteine“ in Kaufbeuren
Erstmals „Stolpersteine“ in Kaufbeuren

Kommentare