Gastrede Baurs bei den FW kommt an

Mehr "Baukultur"

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Sie nahmen ihren Gastredner in die Mitte: Stadtbaumeister Ralf Baur sprach bei der Jahresversammlung der Freien Wähler Marktoberdorfs über seine Arbeit und überzeugte durch ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Baukultur. Auf dem Foto mit Franz Barnsteiner (v. li.), Peter Grotz, Andrea Weinhart und Carl Singer.

Marktoberdorf – Stadtbaumeister Ralf Baur sieht durchaus Möglichkeiten, die Attraktivität der Ostallgäuer Kreisstadt durch bewusste Baukultur zu steigern. Dies wurde in seinem Gastvortrag anlässlich der Jahresversammlung der Freien Wähler (FW) vergangene Woche deutlich.

Man merkte es dem Architekten und ehemaligen Baureferenten der Stadt Kaufbeuren an, dass nach der Einarbeitung in Marktoberdorf nun die Zeit für die eigentlichen Aufgaben anstehe: eine für Einkaufsleben, Gastronomie und Veranstaltungen attraktive Innenstadt zu entwickeln. 

Nichts einfacher als das? Baur streifte nur kurz laufende Projekte wie Busbahnhof oder die Gebäude am Marktplatz. Es galt ihm vielmehr, grundsätzlich die Bereitschaft für die Schaffung von hochwertiger Baukultur zu wecken, die Aufmerksamkeit auf gutes, qualitätsvolles Planen und Bauen zu lenken, das die Attraktivität eines Platzes wie einer ganzen Stadt positiv beeinflusse. 

Er plädierte für einen „Mehrwert durch Baukultur“, egal ob durch Sanierung oder Neubau, der auch anfängliche Mehrkosten wieder in die Kasse spüle. „Baukultur“, so Baur, „ist eine Investition in die Zukunft“, und er nannte Beispiele aus Kaufbeuren, wie das historische Stadtmuseum und sein moderner Erweiterungsbau, sowie aus Kempten und Ravensburg. „Hier sind Orte der Identifikation entstanden.“

 Denn die Marktoberdorfer sollten sich durchaus fragen, warum sie zum Einkaufen und Ausgehen in andere Städte führen. Daraus ließen sich dann auch Lösungen für das Innenstadtdilemma Marktoberdorfs ableiten. Oder eine To-do-Liste, die Baur auch den politisch Verantwortlichen der Stadt ans Herz legte. 

Der Bauamtsleiter kündigte an, in einem Workshop Anfang März gemeinsam mit Bürgermeister, Verwaltung und Stadtrat genau diesem Problem der kahlen Innenstadt auf den Leib rücken zu wollen. Der gebürtige Marktoberdorfer sieht indes für eine Wiederbelebung der Innenstadt nicht schwarz: Die Kreisstadt verfüge durchaus über attraktive Ansichten, Plätze und Fassaden, nette kleine Boutiquen und traditionelle Geschäfte. 

Natürlich könne die Stadt selbst keine Investoren bringen oder Läden unterhalten, so der Leiter des Stadtbauamts weiter. Doch sie könne Rahmenbedingungen schaffen. Als Beispiel nannte er die Ausrichtung von Veranstaltungen, wie das Tänzelfest Kaufbeurens im Großen und den Sternenbummel im Kleinen. „Solche Attraktionen sind zwingend notwendig, um ein Ambiente zu schaffen, an das sich die Besucher erinnern und gern wiederkommen. Und das nicht nur einmal im Jahr“, erklärte Baur. 

Eine zweite Möglichkeit sei, Bauherren und Investoren in einem ganz frühen Stadium ihrer Planungen zu motivieren, an die Stadt heranzutreten und sich gestalterisch beraten zu lassen – zum gegenseitigen Gewinn. Dies schreibe beispielsweise die Stadt Biberach ihren Bauherren mit großem Erfolg vor. Baur kritisierte außerdem allzu rigide Bebauungspläne für die Innenstadt, die Bauherren und Eigentümern in ihrer Entwicklung oft Knüppel zwischen die Beine würfen. Zwischen den Zeilen machte er jedoch auch klar, dass Qualität ihren Preis habe, und brach eine Lanze für die Ausschreibung von Architekturwettbewerben. 

Die Freien Wähler, darunter auch die ehemalige Bürgermeisterkandidatin Brigitte Schröder und Kreisvorsitzender Herbert Heisler, die auf Einladung ihres Marktoberdorfer Vorsitzenden Carl Singer ins Café Greiner gekommen waren, lauschten gespannt dem leidenschaftlichen Plädoyer des Architekten Baur. Davor hatte Fraktionsführerin Andrea Weinhart aus der Arbeit im Stadtrat des vergangenen Jahres berichtet und Kassenwart Werner Himmer eine ordentliche Bilanz der letzten zwei Jahre abgelegt.  von Angelika Hirschberg

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