„Gedenken – Information – Bildung“

Bezirk Schwaben beschließt zeitgemäßes Konzept für die „Euthanasie“-Gedenkstätte in Kloster Irsee

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Die Aufnahme zeigt die aktuelle Situation mit der provisorischen Sicherung der Prosektur durch ein umlaufendes Zugband als Sofortmaßnahme, um ein Auseinanderdriften des Gebäudes zu verhindern.

Irsee – Der „Werkausschuss Irsee“ des Bezirkstags von Schwaben hat jüngst beschlossen, das von einem Fachbeirat empfohlene Drei-Säulen-Konzept „Gedenken – Information – Bildung“ für das Gedenken an die Opfer der NS-Patientenmorde umzusetzen.

In der der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Irsee im bezirkseigenen Tagungs-, Bildungs- und Kulturzentrum Kloster Irsee soll gegen das Vergessen umfänglich informiert werden. 

Das Konzept sieht vor, das in den 1880er Jahren errichtete Prosektur-Gebäude der Anstalt möglichst originalgetreu als Gedenkort zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zusätzlich empfahl der Fachbeirat, dem Vertreter aus Medizingeschichte, Gedenkstättenarbeit, Kunstgeschichte, Psychiatrie und Angehörigen angehören, einen ergänzenden Informationsraum an zentraler Stelle im Schwäbischen Bildungszentrum Kloster Irsee einzurichten. Dort sollen sowohl über die psychiatrische Nutzung des Klostergebäudes zwischen 1849 und 1972 informiert, als auch Hintergründe und Einzelschicksale der NS-„Euthanasie“-Verbrechen in Irsee vorgestellt werden. Schließlich sollen bereits bestehende analoge Bildungsangebote und Publikationen gebündelt und um online-Angebote ergänzt werden.

Gedenkstättenkonzept ausarbeiten

„Für uns als Politiker war es wichtig, auf das Votum von Angehörigen und Fachleuten zu hören, und ihren Empfehlungen zu folgen“, erläutert Bezirkstagspräsident Martin Sailer, der sich sichtlich über die einstimmigen Voten des Fachbeirats wie des Bezirksausschusses freute. „Gerade bei einem emotional aufgeladenen Thema wie der Erinnerungskultur ist es mir wichtig, Anregungen von Betroffenen aufzunehmen“, fährt Sailer fort. „Dass diese jetzt eine hohe Übereinstimmung mit verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven gefunden haben, stimmt mich zuversichtlich, dass wir mit dem noch im Detail auszuarbeitenden Gedenkstättenkonzept auch eine breite gesellschaftliche Akzeptanz finden“.

Dr. Stefan Raueiser, der nach jahrelanger Beschäftigung mit den Psychiatrie-Verbrechen in der ehemaligen Anstalt Irsee den Anstoß dazu gab, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten, zeigte sich ebenfalls erfreut: „Im Mai 2011 haben mich Diskussionen im bundesweiten Arbeitskreis zur Erforschung der nationalsozialistischen „Euthanasie“ und Zwangssterilisation überhaupt erst für die Thematik der Irseer Prosektur sensibilisiert. Die vor zwei Jahren über die Presse ausgetragenen Auseinandersetzungen um die künstlerische Überformung des Raumes und das eindeutige Votum zwischenzeitlich ermittelter Angehöriger veranlassten den Bezirk Schwaben, einen wissenschaftlichen Fachbeirat einzuberufen, der wichtige Anregungen zum weiteren Umgang mit diesem bedrückendsten Kapitel unseres Hauses gegeben hat. Ich bin sehr dankbar, dass Angehörige, Wissenschaft und Politik so einmütig eine Neukonzeption auf den Weg gebracht haben.“

Wie geht es weiter?

Als Sofortmaßnahme wurde eine notdürftige statische Sicherung des Gebäudes veranlasst. Die später hinzugefügten Ausstellungselemente in der Prosektur werden fachgerecht deponiert und der historischen Forschung zugänglich bleiben. Anschließend ist die Sanierung des Baukörpers geplant, die einen barrierefreien Zugang, eine Glasabtrennung des Sektionsraums und einen Schutz für den historischen Steinboden des Aufbahrungsraumes vorsieht.

Während der Frühjahrstagung des Arbeitskreises zur „Euthanasie“-Forschung im April 2021 im Bildungswerk Irsee sollen Details des Sanierungskonzepts der Prosektur, der inhaltlichen Konzeption des Informationsraumes und zur Bündelung der Bildungsangebote der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

kb

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