Von den Charts zum Heimatsound

Festival in Görisried: Tanzbar und laut

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König Ludwig gibt bei „Django 3000” den Takt vor.

Görisried – Zahlreiche Besucher zog das „Go To Gö”-Festival auch dieses Jahr wieder ins ansonsten so beschauliche Görisried im Allgäu. Die Stimmung war prächtig, überzeugen konnten vor allem die Oberbayern von „Django 3000”.

„Ich glaube, wir haben den Geschmack der Allgäuer dieses Jahr sehr gut getroffen”, so das Fazit von Christoph Unsin, Mitglied des Organisationskommittees des „Go to Gö”- Festivals, das seit 1993 in Görisried veranstaltet wird. Und die Zahlen sprachen dieselbe Sprache, mit insgesamt circa 9000 Gästen war man an beiden Abenden nicht weit davon entfernt, das Zelt schließen zu müssen. Von bis zu 150 Kilometern Entfernung reisten die fröhlich feiernden Gäste in Bussen an. 

Nachdem am vorvergangenen Freitag unter anderem die Chartstürmer von „Culcha Candela” auf dem Programm standen, waren am Tag darauf alle Zeichen auf Heimatsound gestellt: Die drei Bands des Abends kamen allesamt aus dem bayerischen Raum, und so verwunderte es kaum, dass eine Vielzahl der Besucher in Dirndl und Lederhosen erschien. Festzelt, statt Festivalatmosphäre also. 

Den Anfang machten am Samstagabend die Allgäuer von „Losamol”, die Mundart mit Hiphop, Alphorn und Akkordeon mit Reggae verbanden: Allein, der neue Anstrich konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Stimmungsmusik der Truppe ein wenig mehr Ideenreichtum und Abwechslung gut zu Gesicht gestanden hätten. Das Publikum jedenfalls nahm alle Einladungen zum Klatschen, Mitsingen und Feiern dankend an, der Kurs für den Abend schien festgelegt. 

Jedoch, mit der Verpflichtung des Hauptacts „Django 3000” bewiesen die Veranstalter, dass heimische Musik in vielerlei Marschrichtung funktioniert: Die selbstbetitelten „Chiemgau-Desperados” stürmten die Bühne mit einem furiosen Mix aus Balkanbeats und Gipsy-Geige. Dem Publikum hauten sie Songs ihres neuen Albums „Bonaparty” ebenso um die Ohren wie eine wilde Version des Stones-Klassikers „Paint It Black”. 

Das feine Set der vier Galgenvögel aus Oberbayern versetzte die feiernde Audienz gleichermaßen in Erstaunen und Verzückung – so geht Heimatmusik 2015: Tanzbar, laut und voller musikalischer Kapriolen und Kabinettstückchen. Da wurde der Standbass als Podium zweckentfremdet, es wurde gefiedelt, dass es nur so eine Freude war und hinter all dem lugte König Ludwig auf der Bassdrum des Schlagzeugers Jan-Philipp Wiesmann zufrieden und sonnenbebrillt hervor. 

Diesem Feuerwerk folgten nun noch die fränkischen „Dorfrocker”, die Brücken schlugen von Rock zu Schlager, Trash zu Tradition. Dass hierbei Heino und Helene Fischer eher Paten standen als AC/DC störte zu vorgerückter Stunde niemanden mehr. Toll war auch die Sound- und Lichttechnik, an der nicht gespart wurde: „Wir haben 25 Prozent mehr ausgegeben im Vergleich zum Vorjahr”, so Unsin. 

Und wer vom vergangenen Wochenende noch nicht genug hat, kann am heutigen Samstag, 2. Mai, beim „Go To Gö” nochmal abrocken oder ab 23.30 Uhr den Beats von einem der weltweit 100 besten DJs lauschen – DJ Antoine. Statt „Welcome To St. Tropez” wohl „Welcome To Go To Gö”.

von Philip Bradatsch

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