Bilanz wirft Fragen auf

Aktienbrauerei Kaufbeuren AG: Kleinaktionäre fordern von Vorstand Rede und Antwort

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In der denkmalgeschützten Zeppelinhalle auf dem Afraberg fand die 129. Hauptversammlung der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG statt. Vielleicht zum letzten Mal? Sie steht auf dem Gelände, das jüngst an einen Münchner Wohnbau-Investor verkauft wurde.

Kaufbeuren – Ein Frösteln durchzog an diesem sonnigen Frühlingstag die historische Zeppelinhalle in Kaufbeuren. Das mag an der schlechten Beheizbarkeit der denkmalgeschützten Halle gelegen haben, die als Veranstaltungsort für die 129. Hauptversammlung der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG vergangene Woche diente. So richtig warm konnte an diesem Tag jedoch wohl keiner mit den Protagonisten auf der Bühne und hinter den Kulissen werden.

Der Unmut der Aktionäre schien vorprogrammiert, denn einerseits hatte AG-Vorstand Werner Sill rote Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/2017 mit im Gepäck. Zum anderen bot die Tatsache, dass im August vergangenen Jahres die amerikanische Stiftung JP‘s Nevada Trust zum Hauptaktionär der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG rangierte, einiges an Diskussionsbedarf. Denn gerade die Kleinaktionäre konnten sich in Kaufbeuren nicht mehr ausreichend vertreten fühlen. Wie der Kreisbote bereits berichtete, hält der US-Milliardär John Paul DeJoria mit seiner Stiftung JP‘s Nevada Trust 91,5 Prozent der Anteile an der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG. 8,5 Prozent befinden sich im Streubesitz.

Kein Wunder also, dass die Hauptversammlung zur sechsstündigen Generaldebatte aus­uferte, in der insbesondere AG- Vorstand Werner Sill ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. Den Ärger der Kleinanleger erregte zunächst die Tatsache, dass die neu bestellten, amerikanischen Aufsichtsratsmitglieder Anne Germaine Slattery und Tom R. Grimmett für ihre Bestätigung durch die Hauptversammlung nicht extra aus den USA nach Kaufbeuren angereist waren. Noch dazu hatte der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Manfred Baldauf, erst einige Tage vor der Versammlung sein Amt niedergelegt. Somit war keiner des dreiköpfigen Aufsichtsrats anwesend, der sich um die Anliegen der Aktionäre kümmern konnte. Auf dem Podium wurde es still um Werner Sill, der allein Rede und Antwort stehen musste.

Viele Fragen, große Skepsis

Umso ausführlicher brachten die Kleinaktionäre und ihre rechtlichen Vertreter ihre Fragen und Anliegen vor. Dabei kritisierten sie vor allem den Fehlbetrag im Geschäftsjahr 2016/2017 in Höhe von rund 1,62 Millionen Euro, der zu einem großen Teil auf die Abwertung eines von der Aktienbrauerei AG gehaltenen Aktienpakets zurückgeht. Die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG hält Aktien der ROK Star plc., die in der Vergangenheit von einem Einkaufswert in Höhe von 33 Cent pro Aktie auf einen Wert von aktuell weit unter zehn Cent pro Aktie fielen. Das, so Vorstand Werner Sill, mache einen Verlust von immerhin rund 1,2 Millionen Euro aus, der allerdings so nicht vorherzusehen gewesen sei. Für Beunruhigung sorgte in diesem Fall jedoch, dass das Unternehmen ROK Stars plc. wiederum bekanntermaßen Mehrheits-Gesellschafter an der ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH (mit 55 Prozent) ist. Und damit gewissermaßen Partner der AG am Kaufbeurer Braugeschäft, denn die restlichen 45 Prozent hält unverändert die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG.

Wenig tröstlich, dass auch die Bilanz des Traditionsbrauhauses, die Werner Sill in kurzen Worten skizzierte, die Aktionäre nicht zufrieden stellen konnte. Die ABK GmbH verzeichnete nämlich im Geschäftsjahr 2016/2017 einen Verlust von rund 140.000 Euro. Dies bedeute zum Vorjahr jedoch eine Verbesserung von rund einer Million Euro und verleitete Sill dazu, der ABK GmbH eine positive Entwicklung zu bescheinigen. So mag es für den neuen AG-Aufsichtsrat im Oktober letzten Jahres ein Akt der Kameradschaftlichkeit gewesen sein, dem Unternehmen ROK Stars plc. einen Zuschuss von 900.000 Euro für Werbemaßnahmen im Biergeschäft zu genehmigen. Den Aktionären vor Ort stieß aber gerade diese „strategische Maßnahme“ (Werner Sill) übel auf. So hätte man vielmehr der ABK direkt unter die Arme greifen sollen, schlug ein Kleinaktionär vor.

Gewinnerwartung 2018

Ebenso hinterfragt wurde der jüngste Verkauf des AG-Grundstücks auf dem Afraberg, das ehemals die Rosen- und Schiffbrauerei beherbergte (wir berichteten). Ende 2017 wurde das 35.000 Quadratmeter große Gelände an die Münchner Projektentwicklungsgesellschaft Panntum für einen Kaufpreis von 10,3 Millionen Euro veräußert. Wie Werner Sill auf mehrmalige Nachfrage bestätigte, war dies zu jenem Zeitpunkt das höchste Angebot gewesen. Sill äußerte sich zufrieden mit der Summe, weil der Investor gleichzeitig alle Altlasten des Grundstücks übernommen habe. Kritik erntete er dennoch für seine Entscheidung. Die Summe, die in drei Raten bis Ende Mai bezahlt werden soll, schlägt erst im laufenden Geschäftsjahr zu Buche.

Für 2017/2018 prognostizierte Werner Sill ein deutlich positiveres Ergebnis. „Die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinn.“ Zusätzlich soll der Unternehmenswert durch den Zukauf ertragsträchtiger Immobilien gesteigert werden.

Insgesamt will sich die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG ganz auf ihr Immobiliengeschäft konzentrieren. Die Gaststätte „Linde“ in Kaufbeuren ist bereits verkauft, im „Hirschkeller“ dagegen werden umfangreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt. Wie der Vorstand weiter ausführte, werden aktuell für das „Goldene Kreuz“ in Kemnat und den „Alpenhof“ in Pfronten Bebauungskonzepte erarbeitet. Etwaige Zukäufe sollen das Portfolio gut ergänzen.

Der Unternehmensberater Jan Sören Kluth ist zum dritten Mitglied des Aufsichtsrat der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG bestellt worden. Ihm zur Seite sitzen Anne Germaine Slattery und Tom R. Grimmet aus den USA, die nicht zur Hauptversammlung nach Kaufbeuren angereist waren.

Am Ende der sechsstündigen Versammlung wollten die Aktionäre zwar weder dem Vorstand noch dem ehemaligen Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2016/2017 ihr Vertrauen aussprechen. Das habe jedoch keine weitreichenden Folgen, sagte Werner Sill auf Nachfrage. Mit großer Mehrheit wählten sie den 42-jährigen Unternehmer Jan Sören Kluth als Nachfolger von Manfred Baldauf in den Aufsichtsrat. Der Deutsche Jan Kluth ist Geschäftsführer einer Unternehmensberatung in Los Angeles.

von Angelika Hirschberg

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