Bildung als Standortfaktor

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stadt Kaufbeuren stelle die thematische Analyse im Stadtrat vor. Foto: privat

Für Kaufbeurer Eltern ist Bildung ein hochwertiges Gut. Daher ist es wichtig, ein entsprechendes Angebot in der Stadt vorzuhalten. „Bildung wird somit als Standortfaktor wahrgenommen und ist ein wichtiges Kriterium, ob man beispielsweise in die Wertachstadt ziehen und hier leben möchte. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche thematische Analyse zum Thema Bildung als Standortfaktor in Kaufbeuren. Vorgestellt wurde sie vergangene Woche im Stadtrat durch die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stadt Sonja Seger.

Ziel dieser Analyse war es, den Einfluss von Bildung als Standortfaktor herauszuarbeiten, um darauf aufbauend, eine Daten- und Informationsgrundlage für zukünftige kommunale Bildungsverantwortung zu schaffen. Es sollen also durch verbesserte Bildungsangebote die Standortqualität Kaufbeurens gestärkt und die Bildungschance vor Ort verbessert werden. Das alles vor dem Hintergrund des eingesetzten Prozesses des demographischen Wandels – es gibt immer weniger Kinder und traditionelle Standortfaktoren wie zum Beispiel Arbeitsplätze seien nur ungenügend vorhanden, er- läuterte Seger. Darüber hinaus zeichneten die Daten der Analyse auf Grundlage der Kaufbeu-rer Lebensräume eine ungleich räumliche Verteilung der Kaufbeurer Stadtbevölkerung nach Alter und Migrationshintergrund ab, so Seger. Signifikant sei zudem der höhere Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund unter neun Jahren. „Als vorrangige Herkunftssprache kann eindeutig Russisch identifiziert werden. Wobei auch das Türkisch eine große Rolle spielt, erklärte Seger. 9,1 Prozent der Stadtbevölkerung seien laut der Analyse Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit, 27 Prozent seien Menschen mit Migrationshintergrund. Aber auch die Wanderungsbewegungen fließen in die Analyse mit ein. So kann Seger eine verstärkte (Ausbildungs-) Wanderung der 20 bis 30-Jährigen verzeichnen. „Insgesamt liegt Kaufbeuren in einem starken Wettbewerb um junge Familien mit seine Umlandgemeinden“, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin. Als positiv bewertet Seger die Betreuungssituation im Bereich der frühkindlichen Bildung (Kindergarten), die Gesamtschülerzahl sei leicht sinkend. Immer weniger Kinder besuchen dagegen in Kaufbeuren die Förder-, Grund- und Mittelschulen. Steigende Schülerzahlen können die Realschulen und Gymnasien verzeichnen. Als Ergebnis einer Elternbefragung sprechen diese insgesamt „gute ‚Noten’ für das örtliche Bildungswesen aus. Als nicht so gut empfanden die Eltern den Bereich der beruflichen Weiterbildung. Als Fazit ihrer Analyse machte Seger deutlich, dass aufgrund des bereits jetzt stark erhöhten Anteils von Kindern mit Migrationshintergrund es auch zukünftig notwendig sein wird, auch im Bildungswesen verstärkt Migration und Integration als Themen zu verfolgen. Zukünftige Handlungsfelder sieht sie unter anderem im Ausbau der örtlichen Bildungsberatung mit Erweiterung des Beratungs- stellennetzes und verstärkter Öffentlichkeitsarbeit. Ferner in der Entwicklung einer Marketingstrategie „Bildung als Standortfaktor“ in Kooperation mit dem bestehenden Familienziel Kaufbeuren sowie im Start einer Weiterbildungsoffensive, um beruf- liche Aus-, Weiter- und Fortbildung in Kaufbeuren zu stärken. Ferner die Schaffung von weiteren Bildungsangeboten (auch zweisprachig) und den Aufbau eines Bildungstreffpunktes im Stadtteil Neugablonz mit dem Ziel, diesen Stadtteil gezielt zu stärken. Darüber hinaus sollte laut Seger eine enge Zusammenarbeit mit allen örtlichen Vertretern angestrebt werden, wenn es darum geht, das Bundeswehrgelände unter bildungsrelevanten Gesichtspunkten zukünftig zu nutzen.

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